The John Butler Trio

Tour 2010 - Support: Martin & James

19.10.2010 Kulturzentrum Schlachthof e.V. / Wiesbaden

Von: Pascal Kraus

The John Butler Trio Wiesbaden

Es begann in dem kleinen Ort Pinjarra, im Westen Australiens und auf den Straßen der Großstädte. Es war die Dobro des Großvaters und die Leidenschaft für Musik. Nach zwei EPs und ein paar wechselnden Begleitmusikern veröffentlichte das John Butler Trio, zu diesem Zeitpunkt bestehend aus den Kollegen Shannon Birchall am Bass und Schlagzeuger Michael Barker, 2001 das Album "Three". Der akustisch gefärbte traditionelle Sound badete in einer groovenden Melange aus Roots Rebellion, jaminfiziertem Rock, sanftem Folk und federnden Reggae Vibes und John Butler selbst präsentierte sich als virtuoser Fingerpicker, Slidegitarrist und generell Spezialist an sämtlichen Saiten diverser Gitarrenmodelle. Das war Musik für Insider und Gitarren - Aficionados.

Die zweite Platte "Sunrise Over Sea" (2004) ging weiter auf die klangliche Entdeckungsreise mit noch immer dem Staub der Straße unter den Fingernägeln und einem veritablen Hit namens "Zebra". In seiner australischen Heimat war das John Butler Trio zu diesem Zeitpunkt längst den löchrigen Boots entwachsen und wurde bereits vor großem Publikum frenetisch gefeiert. Mit dem Nachfolger "Grand National" im Jahr 2007 waren die Weichen dann schon irgendwie auf Massenkompatibilität gestellt und die halbe Musikwelt goutierte das poppiger werdende Klangbild des Trios, welches trotzdem vielschichtig blieb und seine Wurzeln nicht verleugnete.

Im letzten Jahr trennte sich der Bandleader dann überraschend, offiziell aufgrund "künstlerischer Gründe", von seinen beiden langjährigen Bandkollegen und begann kurz darauf mit den beiden neuen Musikern Nicky Bomba (Drums) und Byron Luiters (Bass) an der Arbeit zum, seit dem Frühjahr diesen Jahres veröffentlichten Werk "April Uprising". Seine charakteristischen Dreadlocks waren jetzt auch Geschichte und die Songs des aktuellen Albums sind nun ebenso von den ursprünglichen Feldwegen auf glatt asphaltierten Straßen unterwegs. Es war wohl Zeit für Veränderung in jeglicher Hinsicht. Eingängige Beats und ein mittlerweile typischer Sound, der John Butler auf eine eher unangenehme Art wiedererkennbar macht. Der Titel der Platte ist eine Metapher für viele Dinge in Butlers Leben. Er hat sich aus seiner alten Haut geschält, eine Wiedergeburt.

Immerhin spielt Butler heute nicht in der Frankfurter Festhalle, sondern im Schlachthof zu Wiesbaden und es bleibt die Hoffnung, daß er sich der traditionellen Urbanität dieser Spielstätte anpasst. Leider ist deren Zukunft mehr als ungewiss und es steht fest, daß die Halle in dieser Form, offiziell aufgrund von Baufälligkeit, nicht bestehen bleiben wird. Die Transformation der Studioalben wird heute abend allerdings so nicht spürbar, denn John Butler und seine Kollegen präsentieren sich in einer Bodenständigkeit, Spielfreude und Publikumsnähe, die man so wahrscheinlich mit dem stetig wachsenden Erfolg im Vorfeld des Konzerts nicht vermutet hatte. Diese Kommunikation mit den Anwesenden gipfelt kurz vor Ende des Mainsets mit dem Reggae-Groove-Rock von "Good Excuse", als sich nach den obligatorischen Bass- und Drumsoli, durch einen Marsch von der Bühne in die vorderen Reihen mit diversen Teilen eines Drumkits (Snare, Tom o.ä.) unterbrochen, der gesamte vordere Bereich der Halle sitzend um die drei Musiker platziert. Diese dirigieren trommelnd das in vier Hälften eingeteilte Publikum zu einer Art "Call and Response-Happening". Wirklich ganz großes Kino! Als die Band wieder auf der Bühne ist und sich John Butler noch hinter das Schlagzeug setzt, werden nach etwa einer halben Stunde die Takte des Songs wieder aufgegriffen, um danach ein wunderbares "Zebra" rauszuhauen. Doch zurück zum Anfang...

Für das Trio aus Down Under eröffnet heute das schottische Singer/Songwriter-Duo "Martin & James", welches mit gefälligen Melodien große Gefühle und Geschichten transportiert, die zu Herzen gehen. Diese Musik verkürzt die Wartezeit auf den Hauptact des Abends mehr als angenehm.

Die Australier kommen bestens gelaunt auf die Bühne und eröffnen mit "Pickapart" vom ersten Album. Es folgen "Used To Get High" und zwei Nummern der aktuellen Scheibe, wie z.B. "Revolution" und ein Ruck geht durch die Zuschauer. Die Band hat offensichtlich großen Spaß und diesen bluesverhafteten erdigen Groove, der die Gehörgänge durchspült und eine leidenschaftliche Emotionalität und Musikalität offenbart, die für ehrliche wahrhaftige Musik steht. Heute wird eine gute Mischung aus älteren und neueren Songs geboten, die keineswegs den Schwerpunkt auf "April Uprising" legen. Eine mitreißende Polka führt uns direkt in "Better Than" und nachdem zu den Klängen von Lapsteel, Kontrabass und Didgeridoo die gezupften Akkorde von den staubigen roten Böden des Outbacks erzählen, wabert der sphärische Sound seinem Höhepunkt entgegen. In einem tonalen Orgasmus zündet das John Butler Trio jetzt "Treat Yo Mama". Während danach die Rhythmusfraktion eine Verschnaufpause bekommt, bringt Butler die brodelnde Menge vor ihm mit einem ruhigen "Losing You" wieder runter und schiebt anschließend, zur Freude der Fans der ersten Stunde, ein atemberaubendes intensives, fast zwanzigminütiges "Oceans" hinterher. Dieses instrumentale Monument ist allein den Eintritt schon wert. Mit den treibenden harten Riffs von "C´mon Now", die mittels elektrischer Gitarre durch die Verstärker gedrückt werden, heizen die drei Musiker den Anwesenden zum vorläufigen Abschluß ordentlich ein. Die Menge ist restlos begeistert und tanzt. Zur Zugabe kommt Butler per Purzelbaum auf die Bühne zurück und es wird beiderseits enthusiastisch die aktuelle Single "One Way Road" gefeiert.

Mit dem buchstäblichen Motto des Abends "Funky Tonight" entlässt uns das John Butler Trio nach einer zweistündigen erstklassigen Performance in die regnerische Nacht. Ich persönlich habe die Band in den letzten Jahren jetzt zum dritten Mal gesehen und hier im Schlachthof Wiesbaden definitiv den intensivsten, aus meiner Sicht besten und ursprünglichsten Auftritt erleben dürfen. Wer hätte das gedacht? Chapeau!

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