Tour 2006
Australisches Wochenende in Köln. Da neben dem John Butler Trio auch Xavier Rudd in der Stadt weilt, um Tags drauf sein Können hier zu präsentieren, sind einige stets gut gelaunte Australier zu Gast, um ihren Landsleuten zu lauschen. Aber auch viele Deutsche nehmen die Gelegenheit wahr, sich erneut von der musikalischen Qualität des Kontinents am anderen Ende der Welt zu überzeugen.
Gerade mal fünf Monate ist es her, dass das John Butler Trio zuletzt durch Deutschland tourte und auch Stop in Köln machte, um in intimer Atmosphäre im Prime Club zu spielen. Viele jener, die den begeisternden Auftritt im Oktober letzten Jahres miterleben durften, fragten sich wohl, ob die deutlich größere Live Music Hall ähnlich gute Voraussetzungen für ein weiteres grandioses Konzert bieten würde.
Bevor diese Frage beantwortet werden sollte, bereitete man dem australischen Sänger und Songwriter Carus einen herzlichen Empfang. Bei den Aufnahmen zu seinem Album „Song's From Martin St“ erhielt er vor drei Jahren tatkräftige Unterstützung von eben jenen John Butler, für den er heute als Support Act auftrat. Man kennt, respektiert und unterstützt sich eben in Down Under.
Nicht alle Zuschauer wissen, dass Samstags-Konzerte in der Live Music Hall pünktlich beginnen, damit ausreichend Zeit für die Künstler bleibt, bevor man spätestens gegen 22:30 Uhr aus der Halle gefegt wird, um der anschließenden Disco Platz zu machen. Und so kommt es, dass manche gerade erst ankommen, als John Butler gegen 20 Uhr die Bühne betritt. Er startet mit zwei neuen Songs, die wohl auch auf dem kommenden Studioalbum vertreten sein werden, gewohnt ruhig in den Abend. Als er sich die Slide Guitar auf den Schoß legt und Bassist Shannon Birchall und Drummer Michael Barker die Bühne betreten haben, stimmen sie in „Treat Yo Mama“ ein. Dieser nach vorne gehende Song lässt kein Tanzbein ruhig. Denkste! Ein Rundum-Blick lässt für den Abend schlimmes ahnen: Links eine lautstarke Diskussion darüber, wer das nächste Bier holt, rechts ein Telefonat („Ich bin auf einem Konzert und was machst du so?“) und der große Rest steht bis auf wenige Ausnahmen bewegungslos da.
Der Sound des Trios ist klar, aber vielleicht etwas zu leise. Der Funke springt nicht über, man applaudiert auch nach „Company Sin“ brav, aber nicht länger als nötig.
Weitere neue Songs, die mal vom HipHop, mal vom Blues geprägt sind, folgen. Auch bei wunderschönen, wenn auch etwas zu verhalten vorgetragen Liedern wie „What You Want“ und „Oldman“ ist das Publikum noch nicht ganz auf Betriebstemperatur.
Das ändert sich, während John Butler solo „Ocean“ spielt. Wozu er in der Lage ist, stellt er bei diesem Stück unter Beweis. Ein immenses Spektrum an Tönen entlockt er seiner 12-seitigen Gitarre, die gleichzeitig zum Percussion-Instrument wird. Bewegung kommt ins Publikum. Das Trio kann sich auch im anschließenden „Peaches and Cream“ dessen voller Zuwendung sicher sein. Fast der ganze Saal singt zärtlich flüsternd den Refrain mit. Das unentbehrliche „Betterman“ dient wieder als Rahmen, um auch das Können von Shannon und Michael in ausgedehnten Soli zu präsentieren. „Pickapart“ und „Hello“ vom letzten Studioalbum „Sunrise Over Sea“ schließen das reguläre Set ab, und das jetzt elektrisierte Publikum möchte mehr.
Zur Zugabe holt John Butler das Banjo heraus und stimmt ein zunächst unfreiwillig instrumentales „Damned To Hell“ an, denn sein Mikro ist ohne Saft. Aber das kann der mittlerweile oben angekommenen Stimmung natürlich nichts mehr anhaben. „Zebra“ und „Funky Tonight“ runden das zweieinhalb stündige Set würdig ab.
Glückliche Gesichter erscheinen in der angeschalteten Saalbeleuchtung und so stört es auch nicht mehr, vom Personal unbarmherzig nach draußen gekehrt zu werden. Die Disco muss ja schleunigst losgehen.
Es ist durchaus denkbar, dass der verhaltene Beginn des Konzertes zum Konzept der Australier gehört, um einen enormen Anstieg auf der nach oben offenen Begeisterungsskala zu ermöglichen. Falls das so ist, hat es heute Abend funktioniert.