The John Butler Trio

Grand National Tour 2007

19.04.2007 Theater am Tanzbrunnen / Köln

Von: Thomas Welsch

The John Butler Trio Köln

Liebe Freundinnen und Freunde der gepflegten Rockmusik! Noch ist es nicht zu spät, falls ihr glaubt, Australiens Beitrag zu eurer Leidenschaft beschränke sich auf die legendären AC/DC. Durch die, zugegeben noch überschaubar großen Hallen Deutschlands tourt ein Phänomen, dass es zu entdecken gilt. Allerdings müsst ihr euch bis September gedulden. Die Zeit bis dahin könntet ihr euch mit seinem aktuellen Album „Grand National“ vertreiben (Review gibt es hier). Die Rede ist vom John Butler Trio.

Dessen Welttour beginnt im gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Theater am Tanzbrunnen in Köln. Der Open Air Bereich muss diesmal als Parkplatz für die Autos der Fans herhalten, die zum Teil weite Strecken bis an die rheinische Metropole zurückgelegt haben. Diejenigen, die früh genug ihr Ziel erreichen, werden von Mick Hart in Empfang genommen. Der australische Rock ´n Roll Animateur bringt mit ungebremstem Enthusiasmus die Halle schnell auf seine Seite. Und wenn das mit dem Mitsingen noch nicht so ganz klappt, so nimmt sich Mick vor dem Song eben die Zeit, um den Text mit uns einzustudieren. Hut ab vor Solokünstlern wie ihm, die sich ebenso mutig wie gekonnt einem Publikum stellen, das zumindest nicht primär ihretwegen gekommen ist.

Der Hauptact betritt gegen 21 Uhr die Bühne und Drummer Michael Barker stimmt als Human Beatbox in „Daniella“ ein. Sehr früh im Set und entsprechend ohne ausschweifende Jams und Soli folgt „Betterman“. Für „Better Than“ greift John Butler zum Banjo und sorgt erwartungsgemäß für heitere Gesichter und wippende Füße. Der Beginn ist trotz klangvoller Songauswahl nicht unbedingt verhalten, lässt aber Spielraum auf der nach oben offenen Begeisterungsskala. Das gilt auch noch für „Treat Yo Mama“, bei dem John Butler´s Gitarre phasenweise zum Percussion- und Shannon Birchalls Bass zu einer Art Streichinstrument wird. Die Regler am Soundboard sind noch nicht oben angelangt, was zur Dramaturgie der Abende mit dem John Butler Trio zu gehören scheint.

Zur Lapsteel Guitar greift der Frontmann für „Gov' Did Nothin'“ und seine Spielfreude erklimmt nun luftige Höhen. „Losing You“ ist das schönste Beispiel dafür, dass die Live-Versionen der Australier fast immer besser klingen als die ohnehin schon genialen Studio-Versionen. Da wird selbst „Caroline“, der einzige Schwachpunkt auf „Grand National“, zum netten Intermezzo. Oder sagen wir besser zur Ruhe vor dem Sturm. Denn was folgt, ist „Ocean“. Kennern des John Butler sind die Intensität und Virtuosität, die er bei diesem Stück beweist nicht neu. Dennoch hinterlässt es auch bei ihnen offene Münder. Wahnsinn! Welche Töne lassen sich einer Gitarre denn noch entlocken? Im Publikum sind selbst die Redseligsten verstummt. Die hätte man beim anschließenden „Zebra“ eh nicht mehr gehört, denn der australische Musikexpress hat volle Fahrt aufgenommen. In dieser Phase reiht sich „Devil Running“ aus dem Repertoire der neuen Songs am besten in das Set ein. Dieses Riff sollte keinem JBT-Besucher künftig vorenthalten bleiben. „Hello“ und „Good Excuse“, dass mit Bass- und ausgiebigem Drumsolo verfeinert wird, beschließen das Hauptset. Der begeisterte Ruf nach mehr erklingt ohne Anflug von Schwäche bis die drei Ausnahmemusiker zur Zugabe bereit stehen.

Das wunderbare „Peaches & Cream“ verwandelt das Theater am Tanzbrunnen zur Mitsingzentrale und beeindruckt selbst John Butler. Das danach eingeschobene "Groovin' Slowly" stand offensichtlich nicht auf der Setliste und kann als Anerkennung und Dankeschön an das tolle Publikum gewertet werden. Somit ergibt sich noch einmal Gelegenheit zum Luftschnappen bevor „Funky Tonight“ den rasanten Schlusspunkt setzt.

Der fast zweieinhalbstündige Tourauftakt des John Butler Trios war einmal mehr ein beeindruckendes Zeugnis für deren Live-Qualitäten. Ein Konzertbesuch lohnt sich auch dann, wenn man von den Studioalben nicht vom Hocker gerissen sein sollte. Liebe Freundinnen und Freunde der gepflegten Rockmusik, wir sehen uns also im September. Momentan geplante Spielorte: Berlin, München und Hamburg.

Hier findet ihr übrigens noch ein aktuelles Interview mit John Butler, das wir vor dem Konzert geführt haben.

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