Tour 2010
Liebe Freunde des guten Musikgeschmackes. Heute möchte ich euch eine Band ganz besonders ans Herz legen: The Joy Formidable. Eigentlich stammen sie aus dem Norden von Wales, sind allerdings mittlerweile in London ansässig. Sie gründeten sich 2007, nachdem sich die ursprüngliche Band von Ritzy Bryan (Gesang, Gitarre) and Rhydian Dafydd (Gesang, Bass) 2007 auflöste. Zunächst holte man Justin Stahley ans Schlagzeug, welcher Mitte 2009 schließlich von Matt Thomas ersetzt wurde. Und damit ist die Kombo auch schon komplett.
Im Dezember 2008 wurde das Mini-Album "A Balloon Called Moaning" mit acht Titeln zunächst nur in Japan und im Februar 2009 schließlich als CD und als (gekürzte) kostenlose Download-Version veröffentlicht. Daraufhin folgte zur Promotion eine unermüdliche Tour, bei der sie auf verschiedenen Festivals wie dem Reading und im Vorprogramm zahlreicher renommierter Bands wie zum Beispiel den Editors oder Passion Pit spielten. Mittlerweile konnten sie sich in UK schon einen gewissen Bekanntheitsgrad erspielen, nun soll der Rest Europas an der Reihe sein. Ihr Debütalbum ist in Arbeit, die erste Single "Popinjay" von diesem kann bereits bei einigen Downloadanbietern käuflich erworben werden. Zur Promotion von Single und Album ist die Band seit dem 14. März auf Tour, die auch eine kleine Deutschlandtour mit einschließt. Heute statten die netten Waliser dem Hamburger Molotow einen Besuch ab und genau hier beginnt meine Geschichte von einem grandiosen Abend.
Als ich das Molotow erreiche, bin ich sehr erschrocken darüber, wie leer es ist. Sehr langsam, aber dennoch eher spärlich füllt sich der Laden, bis schließlich um 22:00 Uhr The Joy Formidable die Bühne betreten. Wie immer trägt Ritzy ein Kleid sowie Heels und sieht damit nicht nur ganz entzückend aus, sondern begeistert die Fans auch noch mit ihrer süßlichen und doch auch kräftigen Stimme, die ein bisschen an Yeah Yeah Yeahs erinnert. Gleich mit ihrem ersten Song "The Greatest Light Is The Greatest Shade" geben die Drei ordentlich Gas und können das Publikum sofort mit ihrer von flirrenden Gitarren und epischen Melodien durchzogenen Musik zwischen Indie und Art Rock von sich überzeugen. Mit "Cradle" und "Austere" hat das Trio mindestens zwei Hits im Gepäck. Neben den Songs von "A Balloon Called Moaning" spielen sie ebenfalls "Greyhounds In The Slips" und "Anemone" sowie "Popinjay", die erste Single ihres bislang noch namenlosen, ersten regulären Albums.
Es macht sichtlich nicht nur mir Spaß zu sehen, wie sich The Joy Formidable mit voller Leidenschaft ihrer Musik hingeben. Voller Enthusiasmus wird mitgetanzt und applaudiert. Die kleine süße Ritzy verströmt absolut unaffektiert und selbstbewusst Freude auf der Bühne, ohne sich anzubiedern, und beherrscht gleichzeitig sogar ihr Instrument äußerst solide. Die Musik ist einerseits schnell und vorwärtstreibend, auf der anderen Seite erinnert diese an "verträumten Indiepop", wie es schon die Times beurteilte. Einen wundervollen Abschluss findet das Konzert mit "Whirring", mein absoluter Lieblingssong der Kombo. Leider endet das Konzert nach bereits 50 Minuten, viel Material haben sie ja aber auch noch nicht. Jedenfalls hat dieses meine Vorfreude auf ihr Debütalbum erheblich gesteigert. Und nicht zuletzt der Guardian empfiehlt, mindestens ein Auge auf die Waliser zu werfen. Ich kann nach diesem fantastischen Abend jedem nur ans Herz legen, mindestens beide Augen auf das sympathische Trio zu werfen und dabei noch beide Ohren weit auf zu sperren. In jedem Fall sind The Joy Formidable einen Konzertbesuch wert.
Setlist:
The Greatest Light Is The Greatest Shade
Cradel
Last Drop
Austere
Ostrich
Greyhounds In The Slips
Anemone
Popinjay
Whirring