Tour 2006 / Support: Nick Ainsworth
Endlich - die Zitronenköpfe sind zurück! Eigentlich nur einer von ihnen, denn von der ständig wechselnden 3-er Formation ist weiterhin nur Sänger und Gitarrist Evan Dando übriggeblieben. Die neuen Kollegen, die ehemaligen Descendents Mitglieder Karl Alvarez (Bass) und Bill Stevenson (Schlagzeug), sind on tour leider nicht dabei und so wird das neue Material, welches sich schlicht und einfach „The Lemonheads“ nennt, mit Tourmusikern präsentiert. So ist nach der langen Schaffenspause das Bürgerhaus Stollwerck in Köln ausverkauft.
Das Publikum ist genauso cool wie Dando selbst – junggebliebene, rebellische Erwachsene, hipp angezogen, zwischen 25 und 40. Einige Fans haben sich auf dem Balkon einen Platz gesichert und beobachten mit kritischen Blicken den schüchternen Support aus Manchester. Nur mit einer Akustikgitarre steht er im Kölner Bürgerhaus Stollwerck und gibt zittrig sieben Songs zum Besten.
Während Musik noch von der Umbaupause aus den Boxen dröhnt, betreten die Lemonheads die Bühne und starten die Show mit einem etwas psychedelischem Intro zu „Down about it“. Dando präsentiert sich mit tief in die Augen fallendem Pony. Optisch verändert hat er sich während seiner Bühnenabstinenz überhaupt nicht, lediglich ein Ehering prangt seit einigen Jahren an seiner Hand. Spätestens beim dritten Song hat Evan die Meute auf seiner Seite, die laut „Bit part“ mitsingt und ohne Unterbrechung in „Confetti“ übergeht.
Wortkarg und fast schüchtern spielt er die zwei Seiten fassende Setlist von kurzen Songs runter – eine gute Mischung der letzten vier Alben. Den einzigen Augenkontakt scheint er nur mit seiner Gitarre und zwischen den Songs mit seinen Bandkollegen zu pflegen. Coolness nenne ich das – oder doch Langeweile und Gleichgültigkeit? Ob Evan überhaupt etwas vom pogenden Publikum mitbekommt? Ruhiger wird es zu „Ride with me“ bevor mit neuem Material aufgefahren wird, welches auffällig rockiger rüberkommt und welches zum größten Teil in der Mitte des Konzertes platziert ist. Der Chorus „If it ain´t fixed, don´t break it“ von „Black gown“ wird begeistert mitgegrölt, gerne wünschen wir uns mehr solcher Songs, die richtig abrocken! Der Tiefpunkt der Show ist für mich „Baby´s home“, eine schon fast abgenutzte Country-Melodie, die überhaupt nicht zu den Lemonheads passt... Umso besser, dass es mit „Turnpike down“ weitergeht und die gewohnten Klänge angestimmt werden. Kurzerhand ändert Evan nach kurzer Abstimmung mit seinen Kollegen die Reihenfolge der Setlist und zieht einige Songs vor. Zum punkigen Kracher „Hate your friends“ pogt sich das Publikum in Ekstase, bevor es mit Evans 20 minütigem Akustikset ruhiger wird. Herrlich... nur er mit seiner uralten, mit Stickern und Fotos vollgeklebten „Wandergitarre“ - und dazu Coversongs wie „Can´t Take It Anymore“ von Gram Parson! Einige Songs seiner Solo-Platte wie „My Idea“ mischt er hinzu. „The Outdoor Type“ widmet Evan seinen Freunden von Sharon Stoned.
Mittlerweile scheint er sich auf der Bühne wohlzufühlen und streicht sich den verschwitzten Pony aus der Stirn, klemmt sich seine brennende Zigarette am Gitarrenhals zwischen zwei Saiten und spielt mit seinen Bandkollegen noch Songs wie „It´s About Time“ und „Let´s Just Laugh“.
Doch was ist das? Die Band verlässt nach „Rudderless“ abrupt die Bühne ohne DEN Hit schlechthin gespielt zu haben! Wo bleibt „Mrs. Robinson“? Keine Zugabe, keine richtige Verabschiedung, die Lichter gehen nach insgesamt gut 80 Minuten netter musikalischer Unterhaltung wieder an. Schade... etwas enttäuscht bin ich schon... Evan schien wohl nicht in Topform zu sein...