The Living End

Raise The Alarm Tour 2009 - Support: Alias Caylon

25.04.2009 Gloria Theater / Köln

Von: Thomas Kröll

The Living End Köln

Das Konzert von The Living End in Köln wurde bereits vor einigen Wochen wegen der grossen Nachfrage vom Luxor ins Gloria verlegt. Eine kluge Entscheidung, denn auch das Gloria ist am heutigen Abend restlos ausverkauft und so rappelvoll wie ich es selten erlebt habe. Kein Wunder, waren The Living End doch zuletzt vor geschlagenen acht Jahren auf Deutschland-Besuch. Ein ganz Mutiger ist sogar im Trikot von Hannover 96 erschienen, obwohl die Mannschaft aus der niedersächsischen Landeshauptstadt erst wenige Stunden zuvor den heimischen Fussball-Club mit 2:1 besiegt hat. Wegen eines Interviews, das ich kurz vor dem Konzert mit Schlagzeuger Andy Strachan und Scott Owen (Kontrabass) geführt habe, verpasse ich leider den Support-Act Alias Caylon, freue mich dafür aber umso mehr auf den Auftritt von The Living End. Die Reputation der drei Australier als hervorragende Live-Band steht schließlich schon seit langem außer Frage.

Um 20.40 Uhr ist es schließlich soweit. Andy Strachan, Scott Owen und Frontmann Chris Cheney legen mit dem explosiven "Raise The Alarm" vom neuen Album "White Noise" (das hierzulande am 12.06. erscheint) gleich volle Pulle los, gefolgt von "Roll On" und dem ebenfalls neuen "Hey Hey Disbeliever". Bereits jetzt fliegen die ersten vollen Bierbecher in Richtung Bühne (als äußeres Zeichen der Verbundenheit wohlgemerkt) und die Fans sind von der ersten Minute an erstaunlich textsicher an Chris Cheneys Seite. Der Sound ist nahezu perfekt und dem Anlass entsprechend laut. Dass The Living End inzwischen auch zu einem etwas härteren und raueren Groove gefunden haben, beweist "Loaded Gun".

Scott Owen zieht derweil seinen Kontrabass beim Spielen gerne mal quer über die Bühne und bearbeitet ihn weiter, während er darauf herumbalanciert. Nicht nur bei dem Trio, auch im Gloria fließt der Schweiß förmlich von den Wänden und die Energie ist fast mit Händen greifbar. Es wird gepogt, gesungen und geklatscht, während The Living End ein Feuerwerk vom Allerfeinsten aus Rockabilly, Rock und Punk abbrennen. Es liegt die Atmosphäre alter englischer Kneipen-Anarchie in der Luft. Verschnaufpausen gibt es dabei nicht. Für niemanden.

Mit Vollgas geht es weiter. Es folgen "All Torn Down" und "Prisoner Of Society" vom 1998er Debüt "The Living End". Am Ende hat die Band aus jedem ihrer fünf Alben mindestens einen Song gespielt, nur "State Of Emergency" von 2006 lassen sie seltsamerweise komplett aus. Chris Cheney glänzt mit einem Solo an der Telecaster, das nahtlos in den harten Funk-Groove von "How Do We Know" übergeht, bevor er den grandiosen "E-Boogie"-Jam anstimmt. Der beginnt mit "Mr. Sandman" (im Original von The Chordettes) noch ganz harmlos, weitet sich dann aber zu einem krachenden Wechselspiel zwischen Fans und Gitarre aus, zu dem auch Scott Owen und Andy Strachan einige Soli beisteuern und die Band so auch den letzten der 800 Fans mal eben amtlich wegbläst. Grosse Klasse! Die Fans übernehmen zwischendurch den Gesangspart und der charismatische Chris Cheney gibt das Kompliment artig zurück ("Thank you! You rock!"). Mit "White Noise" geht es dann in die dringend benötigte Pause. Was würde ich jetzt nicht alles für ein Sauerstoffzelt geben...

Doch bevor ich mir darüber weiter Gedanken machen kann, sind The Living End auch schon wieder zurück und machen mit dem Dub-Reggae Vibe "Sum Of Us" da weiter, wo sie etwa fünf Minuten vorher aufgehört haben. Nach "Carry Me Home" ("For all metalheads in the audience") und dem Uralt-Rocker "West End Riot" sind dann endgültig alle stehend k.o. und auch die Band von der enormen Begeisterung, die ihr entgegenschlägt, sichtlich überwältigt.

Auch wenn das Konzert letzten Endes nur etwa 80 Minuten gedauert hat, kann ich mich kaum daran erinnern, in den letzten Jahren eine derart intensive Performance gesehen zu haben. The Living End haben im Gloria eine absolute Vollbedienung abgeliefert und ihre Live-Qualitäten erneut mehr als eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Wer sich selbst ein Bild davon machen möchte, kann dies beim Southside- und Hurricane-Festival am 20. und 21.06. nachholen, denn auch dort werden The Living End das Haus rocken. Die Party ist jetzt schon garantiert!

Setlist:

Raise The Alarm
Roll On
Hey Hey Disbeliever
Who`s Gonna Save Us?
Second Solution
Loaded Gun
End Of The World
All Torn Down
Prisoner Of Society
How Do We Know
E-Boogie
White Noise
---------------
Sum Of Us
Carry Me Home
West End Riot

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