Raise The Alarm Tour 2009 - Support: Derfine
Als "Die Hard"-Fan einer Band eine objektive Konzertkritik zu schreiben ist schwer. Ich habe mir viele Gedanken dazu gemacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich doch lieber meine ganz persönlichen Eindrücke und Empfindungen hier mit einfließen lasse.
Ich bin Living End-Fan seit ca. 2000, seit ich das erste Mal "Second Solution" auf dem Soundtrack zu "Idle Hands" ("Die Killerhand") gehört habe. Leider fand mein erstes TLE-Konzert aufgrund mehrerer Aspekte erst 2003 im Rahmen eines Festivals in Neuseeland statt (dort lebte ich zu der Zeit). Welch Glück, denn aufgrund des nach "Roll On" ausgelaufenen Plattenvertrags der Band, war es hierzulande lange ruhig um die Band. Nichtsdestotrotz gab es immer einen treuen Fan-Kern, der keine Kosten und Mühen scheute, um die Band z.B. in London live zu sehen. Die "Vernachlässigung" des deutschen Markts trieb auch mich 2006 bis 2007 auf aufregende Reisen nach Kalifornien, England und Schottland. 2009 war es aber endgültig wieder soweit, die Band kam im April für zwei Konzerte nach Germany. Das erste in Köln war ausverkauft und ein tolles Comeback, das zweite einen Tag später im Berliner Postbahnhof war leider nicht mehr so gut besucht. Mit den Auftritten bei den Southside und Hurricane-Festivals, sowie im Vorprogramm ihrer alten Freunde Die Toten Hosen in Kempten wollte man die Band zum Release von "White Noise" einem breiteren Publikum präsentieren. Leider war aber die Show in Berlin noch weniger besucht als die im Frühling und das Konzert in Köln musste in eine kleinere Halle verlegt werden. Hier kann über mehrere Gründe gemutmaßt werden: Fehlende Promo im Mediendschungel (seit Sommer kein Promoter mehr), Konzertermine an Arbeitstagen oder die Tatsache, dass Bands nur noch mit Konzerten Geld verdienen und deswegen Hinz und Kunz auf Tour ist.
So auch in München an diesem Abend: Neben TLE geben sich auch Morrissey und Muse ein Stell-dich-ein. Das Metropolis ist zwar gut gefüllt, aber mehr als 350 Leute werden es wohl nicht sein (aus der ersten Reihe schlecht abschätzbar *g*). TLE sind in ihren 12 Jahren seit der Bandgründung kontinuierlich "gewachsen", was Verkaufszahlen und Venues in Australien betrifft. In ihrer Heimat sind alle Shows ausverkauft und es werden Konzerthallen mit 15.000 Besuchern bespielt. Natürlich ist die Band etwas enttäuscht, dass es hier noch nicht auf Anhieb klappt, aber sie lässt es sich nicht anmerken, es werden tatsächlich (wie schon in unserem Interview im April angesprochen - das ihr hier nachlesen könnt) immer 100% gegeben. Die kleinen Venues sind aber für Fans von Vorteil, denn hier kann man seiner Lieblingsband noch näher sein und die Luft brennt natürlich mehr, als in großen Arenen.
Aus Sicht des Fans mit "Erfahrung" ist der Showopener "Raise The Alarm" nicht nur textlich ein toller Einstieg, es wird von der ersten Minute an richtig Druck gemacht und mit "Roll On" weitergeführt. An diesem Freitagabend springt der Funke beim Publikum trotz solidem musikalischen Handwerk und höchst rockigen Nummern aber doch erst nach ein paar Nummern zu "End Of The World" (aus dem Album "Modern ARTillery") über. Danach wird etwas ausgiebiger und freizügiger gerockt, getanzt und gepogt, vor allem beim Klassiker "Prisoner Of Society". Ob die Münchener wohl schüchtern sind? Sänger und in Australien mehrfach preisgekrönter Gitarrist Chris Cheney, der mit der Firma Gretsch inzwischen seine eigene Signature-Gitarre auf dem Markt hat, überzeugt spätestens beim Instrumental "E-Boogie" auch den letzten Zweifler von seinem Können. Der Song ist auch optisch eines der Highlights, gegen Ende bespielt Chris seine Gretsch mit einer Bierflasche, die er danach nicht ganz selber leert, sondern den Rest über die treuen Fans der ersten Reihe verteilt. Basser Scott Owen steigt hin und wieder auf sein stylisches Instrument (man könnte sagen, ein neues Design/Gerät pro Jahr) und spielt von oben graziös weiter, nur der sympathische Drummer Andy Strachan geht hinter seiner Trommelbude etwas unter. Alles in allem auf jeden Fall ein gelungener Abend! Fans von solider Rockmusik, offen für Einflüsse aus anderen Musikgenres (Rockabilly, Psychobilly, Punk) werden hier bestens bedient.
Zur Support-Band Derfine fällt mir ehrlich gesagt nicht so viel ein. Sie waren nicht schlecht, aber - "aus den (Glitzer-)Augen, aus dem Sinn". Sie sind gesangstechnisch auf jeden Fall äusserst schlecht abgemischt, denn erst beim letzten Song ist mir aufgefallen, dass die Texte auf Deutsch sind. Da waren die Berliner Punkrocker Poolstar, die u.a. in Stuttgart einheizen durften, um einiges fantauglicher.