Tour 2010 - Support: Phosphorescent
Die Schlangen am Einlass sind lang, selbst nach 20 Uhr noch, lange nach Öffnung der Türen des E-Werks. Im Vorgang konnte man eigentlich erwarten, dass The National mittlerweile wesentlich mehr als etwa 1.500 Tickets verkaufen würden und noch in das etwas drei Mal so große Palladium gegenüber verlegt würden. Das war zum Glück nicht so, obschon das Konzert seit einigen Wochen ausverkauft ist.
Aufgrund der Fülle bleiben vom Support Phosphorescent aus Athens, Georgia nur drei Songs. Die klingen College-rockig, zum Finale gibt es etwas Gitarrengewitter – für ein Urteil zu kurz. Um 21.20 Uhr wird dann das Licht gelöscht und mit "Runaway" und "Anyone’s Ghost" aus dem aktuellen, mittlerweile fünften Album "High Violet" legen The National erstmal ruhig los. Stimmungsvoll ist auch die Show, auf eine großen Leinwand werden die Musiker übertragen, abgemischt mit abstrakten Filmcollagen. So richtig scheint der Funke jedoch nicht überzuspringen, dabei ist Sänger Matt Berninger heute wesentlich besser gelaunt als noch beim verunglückten Auftritt beim diesjährigen "Haldern-Festival" - kein Wunder, denn heute bleiben alle Amps heile! Das Publikum kommt über Kopfnicken nicht hinaus, auch wenn die Gitarren der Dessner-Brüder Aaron und Bryce teils heftig braten. Der Sound ist etwas zu steril und auch wenn die Stimme Berningers angenehm tief kommt wie auf Platte, zeigt sich im Verlaufe des Abends doch, dass sie wenig Variationsmöglichkeiten und nur begrenztes Volumen hat.
Richtig intensiv wird es bei "Squalor Victoria" und "Afraid Of Everyone", doch zwischendurch wird immer wieder deutlich, dass The National 2010 eine bessere Studio- denn Liveband sind. Untereinander macht man immer wieder Witze übereinander und zieht sich gegenseitig auf, das lockt allerdings niemanden wirklich hinter dem Ofen hervor. Mangelndes Sprachverständnis auf der einen, oder Arroganz beziehungsweise Unsicherheit auf der anderen Seite des Bühnengrabens? Berninger jedenfalls kämpft sich noch singend durch die Menge und sucht Nähe. Ein Zugabenblock aus vier Songs bringt das Konzert schließlich auf gut 90 Minuten – "Vanderlyle Crybaby Geeks" gibt es a capella und wohlig. Geht doch. Die wahre Größe von The National tut sich aber erst wieder beim Auflegen ihrer Platten auf. Nicht schlecht, aber schade eigentlich.