The Pains Of Being Pure At Heart

Tour 2011

09.07.2011 Luxor / Köln

Von: Jessica Herz

The Pains Of Being Pure At Heart Köln

Selig sind die, die reinen Herzens sind! Auch wenn es manchmal weh tut. Alleine der wunderbare Bandname rechtfertigt schon fast den Hype um die junge New Yorker Indie-Pop-Band "The Pains Of Being Pure At Heart". Der Name ist ursprünglich der Titel eines unveröffentlichten Kinderbuchs, das ein Freund von Sänger Kip Berman geschrieben hat. Und die Pains klingen genauso, wie ihr Name suggeriert: sehnsüchtig und Herz zerreißend unschuldig. Auf ihrer Tour quer durch Europa machen sie freundlicherweise auch wieder im Kölner Luxor Halt. Etwas über eine Stunde werden sie spielen, meine Erwartungen sind gerade eher niedrig. Wie ich nämlich kurz vorher erfahren musste, sollen sie live entweder unglaublich genial oder aber total scheiße sein. Dazwischen gibt es nichts! Oha. Aber das wäre eigentlich beides besser als langweiliges Mittelmaß.

Doch sofort werde ich positiv überrascht: Mit "Belong", dem zweiten Single Release vom gleichnamigen aktuellen Album, erklingt eine mitreißende Melodie, die nach den ersten Klängen die Tanznerven aktiviert. Zwei Gitarren und ein Bass erzeugen einen satten, melodischen Sound, und der hohe Tenor von Sänger Kip Berman passt perfekt. Wie er seine Gitarre bearbeitet sieht schwer nach Arbeit aus. Und diese Arbeit zahlt sich aus! Da macht es auch nichts, wenn mal ein Ton daneben geht und die Qualität im Verlauf des Auftritts etwas nachlässt.

Man nimmt ihnen tatsächlich ab, dass sie reinen Herzens sind. Oder suggeriert das nur der Synthie-Gitarren-Pop, der undeutliche Erinnerungen an früheste, unbeschwerte Jugend weckt? Jung sein und mit den besten Freunden Musik machen, darum soll es bei den Pains gehen. Sie sehen sich selbst als "Music Nerds" und verehren britische Noise-Pop-Bands aus den 80ern, wie My Bloody Valentine und The Jesus and Mary Chain. Bei einigen Songs, etwa "My Terrible Friend", hört man außerdem The Cure heraus. "Direkter, lauter, schöner", so beschreibt Sänger und Leadgitarrist Kip Bermann das neue Album. Der dritte Song des Abends, "Heart In Your Heartbreak" profitiert jedenfalls von den neuen Klängen, wäre er sonst doch zu synthetisch-zuckersüß. Achtung, hier besteht Ohrwurm-Gefahr! Zu den tanzbaren Klängen von "The Body" vibriert die Menge dann endgültig im Gleichtakt.

Die neuen Songs klingen insgesamt selbstbewusster. Dem Herzschmerz-Synthie-Sound des ersten Albums wurde noch eine ordentliche Portion Grunge hinzu gefügt, und die Wirkung ist gleich viel aufregender. Um einen volleren Sound zu erreichen, wurden die vier ursprünglichen Bandmitglieder um einen zweiten Tour-Gitarristen aufgestockt – eine gute Entscheidung. Denn spätestens seit sie von Pitchfork zur "vielversprechendsten Indie-Pop-Gruppe" hochgelobt wurden, sind die Erwartungen an die vier New Yorker groß. Peggy Wang (Keyboard/Vocals), Alex Naidus (Bass), Kurt Feldman (Drums) und Kip Berman (Gitarre/Vocals) sind schon lange gute Freunde. Der erste Auftritt fand im März 2007 an Peggys Geburtstagsparty statt und dauerte zehn Minuten. Anschließend veröffentlichte die Band die ersten fünf Songs selbst über das eigene Label Painbow. Mittlerweile hat das Indie-Label Slumberland Records die Newcomer unter Vertrag und 2009 erschien das erste, selbstbetitelte Album. Seitdem wird die Fangemeinde der New Yorker immer größer, vor allem amerikanische und britische Musikmagazine und die Blogosphäre überschlagen sich mit Lob.

Trotzdem werden einzelne Fans noch persönlich begrüßt: "Beim vierten Mal widmen wir dir einen Song, beim fünften Mal gibt es eine einstweilige Verfügung", witzelt Kip beim Anblick eines bekannten Konzertbesuchers, der bisher auf allen Shows der Pains in Köln war. Der Song "Young Adult Friction" fasst dann einfach alles vorher Empfundene zusammen und macht deutlich, dass der Hype um die Pains durchaus seine Berechtigung hat. Der (meiner Meinung nach) beste Song der Pains, "Contender", kommt dann erst zur Zugabe. Kip Berman singt und spielt ihn alleine, und das passt einfach.

Danach lädt er das Publikum ein, nach dem Konzert noch ein bisschen abzuhängen und gemeinsam ein paar Bier zu trinken. Dieses Angebot wird sicher der ein oder andere gerne annehmen. Aber eigentlich passt das gar nicht: Die Musik von The Pains Of Being Pure At Heart hat eher die Sehnsucht nach lauer Sommernacht geweckt als die nach dunkler Club-Atmosphäre. Also bis zum nächsten Mal, dann vielleicht Open Air!

Setlist:

Belong
This Love Is Fucking Right
Heart In Your Heartbreak
The Body
Heaven`s Gonna Happen Now
Stay Alive
My Terrible Friend
Come Saturday
Young Adult Friction
Too Tough
Everything With You
The Pains Of Being Pure At Heart
---------------
Contender Say No To Love
Strange

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