Tour 2009
Wer hätte damit gerechnet, dass die letztes Jahr noch völlig unbeschriebenen The Pains Of Being Pure At Heart irgendwann mal Halt in Deutschland machen würden. Aus einer spontanen Aktion heraus entstand diese Band auf einer Party, nahm prompt ein, zwei Songs auf und erreichte zur Überraschung aller innerhalb kürzester Zeit einen gewissen Status im Untergrund des Shoegazerbereichs. Die verzerrten und geschrammelten Drei-Minuten-Perlen bestehen aus vier Akkorden und einer in der Tonlage sich kaum veränderten Stimme. Dabei plätschern sie in keinster Weise monoton dahin, sondern erinnern an die Einfachheit mancher Smiths oder Jesus & The Mary Chains Songs. Wunderbar!
Als ich vor einem dreiviertel Jahr Sänger und Gitarrist Kip Berman angeschrieben habe, wann denn das Album rauskommt und es möglich wäre eine Kritik für ein deutsches Onlinemagazin zu schreiben, war erstens noch kein Veröffentlichungsdatum bekannt und ob eine Tour durch Deutschland kommen würde war noch gar nicht im Gespräch. Im Dezember bereits tourten die Pains Of Being Pure At Heart dann durch England und einen Monat später hatte ich endlich das Debüt Album in der Hand. Man konnte gar nicht anders, als sich zu verlieben. Und dann ging doch alles ziemlich schnell. Anfang Februar standen dann die Deutschlanddaten fest und bis Juni zu warten kam einem ellenlang vor. Jetzt ist schon wieder ein Tag danach und die Zeit verfliegt wie von selbst.
Das Luxor ist gut besucht. Viele drängeln sich schon vor dem endgültigen Einlass vor der Schwingtür in dem kleinen Kölner Club. Das Blue Shell wäre schon längst geplatzt. Eine gute Entscheidung das Konzert kurzerhand ins Luxor, also in die Nachbarschaft zu verlegen. Die Protagonisten des Abends stehen allesamt am Merchandisingstand und geben mit breitem Grinsen ein Autogramm nach dem anderen. “Wir sind wirklich total begeistert und es gefällt uns in Deutschland echt super“, sagt mir Sänger und Gitarrist Kip. Ihm fehlen nahezu die Worte und sein breites Grinsen bekommt er gar nicht mehr weg. Keyboarderin Peggy Wang checkt noch mal Emails auf ihrem Mac und lächelt zwischendurch immer mal wieder den Besuchern zu, die einfach nur quatschen wollen oder CDs, Vinyls oder Eintrittskarten signiert haben möchten. Die Band gibt sich in den ersten Minuten sehr kontaktfreudig und äußerst sympathisch.
Nach einer kleinen aber üblichen Verzögerung beginnen The Pains Of Being Pure At Heart mit ihrem Set. “Doing All the Things That Wouldn't Make Your Parents Proud“ von ihrer Debüt EP aus dem Jahre 2007 macht den Anfang. Man merkt dem Publikum eine gewisse Anspannung an. Die Zuschauer wirken etwas verhalten. Doch vielleicht genießt auch jeder nur diesen Moment der ersten Töne, der ersten Verzerrungen aus Brooklyn die durchs Luxor sausen. Neben den vier Mitgliedern der Pains, bestehend aus Sänger und Gitarrist Kip Berman, Bassist Alex Naidus, Keyboarderin und Background-Sängerin Peggy Wang und Schlagzeuger Kurt Feldman, steht mit Christoph Hochheim ein weiterer Gitarrist auf der Bühne. Zurzeit gilt Hochheim nur als Liveunterstützung, einige Medien vermelden aber schon die feste Zugehörigkeit des Gitarristen.
“This Love Is Fucking Right!“ und der folgende Track “Yound Adult Friction“ sprengen dann die etwas zurückhaltende Atmosphäre. Schade, dass “Yound Adult Friction“ zu einem so frühen Zeitpunkt im Set auftaucht. Meist wünscht man sich die starken Songs eher gen Ende einer Show. Die Gitarren krachen, der Hall der Snear ist unüberhörbar, der Sound hat einfach eine Menge Wucht. Das Keyboard geht ein bisschen unter und man hört die leise Synthiebegleitung nur in ruhigeren Parts. Alles in allem ist es laut und trotzdem klar. Erstaunlich, wollen die Pains alles andere als perfekt wirken, tun sie es aber doch fast mit der Livedarbietung ihrer Songs. “Come Saturday“ kommt sehr stark rüber. Das energische Applaudieren der Zuhörer bestätigt die Musiker. Die Band ist sichtlich gerührt und bedankt sich artig. Die Songs fließen ineinander über. Es gibt kaum Pausen. “Stay Alive“ entpuppt sich als richtiger Kracher. Ein Highlight, welches nicht aufzuhören scheint. “103“ ist bisher unveröffentlicht, aber schon fest im Liveprogramm integriert. “Everything With You“ bringt jedes Hirn zum mittanzen. Ein Song, der verdammt ist ein Hit zu sein.
“The Pains Of Being Pure At Heart“ bildet dann den Abschluss des Mainsets. Krachend aber immer noch lieblich, düster und doch schön. Das Grinsen, welches Kip Berman vor dem Konzert schon hatte, scheint mittlerweile in sein Gesicht eingraviert zu sein. Die Fünf verlassen nach einer guten halben Stunde die Bühne. Ratzfatz ging das. Der brandneue Track “Higher Than The Stars“ macht den Anfang im Zugabenteil. Der Song knüpft schnörkellos an die älteren Songs der New Yorker an. “Gentle Sons“ bildet dann das Ende. Ein Ende welches in einem Wirrwarr an verzerrten Gitarren kaum mehr einen Rhythmus geschweige denn eine Melodie erkennbar macht. Feldman trommelt einsam seinen Takt herunter, während die besaiteten Herren im Vordergrund alles tun um einen gewissen Soundbrei zu erzeugen. Dann ist Schluss. Nach einer dreiviertel Stunde ist der Besuch der Pains Of Being Pure At Heart in Köln zu Ende. Sehr kurz, aber dafür knackig frisch. Letztendlich gibt es auch nicht mehr all zu viele Songs die die Pains noch hätten spielen können. Ein, zwei Lieder mehr hätten es vielleicht noch sein dürfen, aber nach dieser beachtlichen Performance im Kölner Luxor ist man auch mit dem kurzen Set zufrieden. Draußen begegne ich noch mal Kip, der schon wieder fleißig am Signieren ist. Das Grinsen hat er immer noch drauf und man verabschiedet sich in der Hoffnung sich bald wieder zu sehen. Verdammt um größer zu werden!
Setlist:
Doing All the Things That Wouldn't Make Your Parents Proud
This Love Is Fucking Right!
Young Adult Friction
Come Saturday
The Tenure Itch
Stay Alive
103
Everything With You
The Pains Of Being Pure At Heart
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Higher Than The Stars
Gentle Sons