Up, Guards And At Them! - Tour 2011 - Support: Courtesy Flash
The Pigeon Detectives sind nach ihren ersten Alben "Wait For Me" (2007) und "Emergency" (2008) bei uns auf Tour, um nach drei Jahren kreativer Schaffenspause ihr drittes Album "Up, Guards And At Them" vorzustellen, welches Anfang Mai 2011 veröffentlicht wurde. Das Quintett aus der Indierock-Schmiede Leeds ist nach den Gigs in Köln, München und Berlin im Hamburger Molotow zu Gast und spielt hier sein letztes Deutschlandkonzert vor der Festivalsaison.
Den Abend eröffnet um 21 Uhr die Supportband Courtesy Flash aus Hamburg. Das Molotow ist zu diesem Zeitpunkt schon gut gefüllt, wenn auch der "Sicherheitsabstand" zur Bühne noch gewahrt bleibt. Viele vorrangig englische Teenie-Fan-Cliquen haben sich rechtzeitig hier eingefunden, um bei den Pigeon Detectives ganz vorne mit dabei zu sein. Bereits nach dem ersten Song ist klar, dass sich das Publikum mit der eher klassisch anmutenden Rockmusik nicht recht identifizieren kann. Verhaltenes Applaudieren bestätigt, dass bei dieser musikalischen Darbietung keine Begeisterung aufkommt. Die stilistische Musikrichtung, irgendwo zwischen Jimi Hendrix, AC/DC und Joe Cocker, gepaart mit einigen Indie-Klängen, will einfach nicht hierher passen. Schließlich erklärt der Bassist, dass der angekündigte Support der Band Breitenbach aus gesundheitlichen Gründen abgesagt wurde. Ich hätte mir jedoch gewünscht, dass dies direkt auch so angekündigt worden wäre. Direkt nach Ende ihres Sets um 21:35 Uhr wird die Bühne sofort von zahlreichen jungen Fans belagert, die die Umbaupause noch nutzen, um sich über die Konzerte der kommenden Festivalsaison auszutauschen.
Um 22:10 Uhr ist es dann soweit, schon während das Licht abgedimmt wird, springen sofort die noch am Boden sitzenden Fans auf und drängen sich dicht an die Bühnenkante. The Pigeon Detectives eröffnen ihr Set schwungvoll mit "I Found Out" und bieten gleich zu Beginn optimale Mittanz- und Mitsingmöglichkeiten. Frontmann Matt Bowman versteht es vom ersten Augenblick an das Publikum zum Mitklatschen, Mitsingen und Tanzen zu animieren. Es scheint, als ob er alle von Anfang an vollkommen "im Griff" hätte. Schon beim zweiten Song hält niemand mehr still, da pogt bereits die gesamte Crowd, während Sänger Matt sich die erste erfrischende Wasserdusche gönnt und in gewohnter Manier sein Mikro über der Bühne kreisen lässt. Im mittlerweile rappelvollen Molotow heizt sich die Stimmung immer mehr an, vor allem weil Matt wie ein Flummi vom einen Bühnenende zum anderen tanzt, auf die Monitorboxen springt und die Nähe zu seinen enthusiastischen Fans sucht. Mir wird schnell klar, warum sie als Live Band in Großbritannien bereits so erfolgreich sind, und es sogar auf die ganz großen Bühnen geschafft haben. The Pigeon Detectives verstehen es perfekt, mit ihren flotten Gute-Laune-Britrock-Indie-Klängen Partystimmung herbeizuzaubern. Tiefsinnige und weltpolitische Texte spielen hier keine Rolle, Feiern und Spaß haben steht im Vordergrund und genau das schaffen die Pigeon Detectives! Matt Bowmann kommuniziert mit dem Publikum, stellt die Musiker vor, animiert die Menge und versprüht Wasser über die nass geschwitzten Fans. Kleine persönliche Bemerkungen und Anekdoten steigern dabei die Sympathie für die jungen Briten zusehends. Matt entpuppt sich also als hyperaktive "Rampensau", während sich Drummer Jimmi eher konzentriert durch die schwierigen und schnellen Sechzehntelnoten auf seinem opulenten Drumset kämpft. Er liefert eine großartige Performance ab, seine Bandkollegen (Oliver Main, Rian Wilson/Gitarre, Dave Best/Bass) halten sich dabei eher im Hintergrund.
Treibende Beats in der Kombination aus schnellen Drums und rockigen Gitarrenriffs bringen die tanzwütige Menge zu einer sportlichen Höchstleistung. Vor allem bei den älteren Hits zeigen sich die Fans textsicher, aber auch bei den neuen Songs wird zumindest der Refrain eifrig mitgegrölt. Bei "Romantic Type" wagt Matt schließlich den Sprung auf die Crowd, die ihn sicher auffängt und nach vorne trägt. Das pausenlos enthusiastisch herumspringende Publikum hat bei "Turn Out The Lights" kurz Gelegenheit zum Luft holen, bevor es mit den nächsten Britrock-Krachern weiter geht. "Done In Secret", die erste Singleauskopplung aus ihrem neuen Album, und "What You Gonna Do" haben bei den Fans offensichtlich schon Ohrwurmstatus erreicht, und auch bei mir bleiben sie durchaus lebhaft im Ohr. The Pigeon Detectives performen insgesamt sieben Titel ihres neuen Albums und präsentieren uns einen gut ausgewählten, abwechslungsreichen Mix aus allen drei Alben.
Bei der Ankündigung der letzten beiden Songs bedanken sich die sympathischen Briten schon bei ihren treuen Fans und laden alle zu Autogrammen und Fotos an den Merch Stand ein. Nach der finalen Tanzrunde zu "I'm Not Sorry" werden noch fix die Drumsticks und Setlists verschenkt und ehe es der noch um Atem ringende Fankreis realisiert hat, ist das Konzert um 23:20 Uhr tatsächlich aus und vorbei. Etwas verwundert ist man schon, dass keine Zugabe gespielt wird, aber das Publikum scheint dies von früheren Gigs bereits gewohnt zu sein.
Für alle Indierock- und Britpop Fans geht ein perfekter Abend zu Ende, sie sind in jeder Hinsicht auf ihre Kosten gekommen, auch wenn ein Minuspunkt für die Auswahl der Vorband an diesem Abend zu vermerken bleibt. Wer das mitreißende Konzert mit seiner fantastisch ausgelassenen Stimmung noch einmal Revue passieren lassen möchte, kann das HIER tun.
Setlist:
I Found Out
What Can I Say?
I´m Not Gonna Take This
Don't Know How To Say Goodbye
The Is An Emergency
Lost
Romantic Type
You Better Not Look My Way
Turn Out The Lights
Say It Like You Mean It
Go At It Completely
I´m A Liar
Need To Know This
Making Up Numbers
Done In Secret
Everybody Wants Me
Take Her Back
What You Gonna Do?
I'm Not Sorry