The Police

Reunion Tour 2008 - Support: The Charlatans

08.06.2008 LTU Arena / Düsseldorf

Von: Thomas Kröll

The Police Düsseldorf

Der 8. Juni 2008 soll im Nachhinein gleich in zweifacher Hinsicht zu einem historischen Tag werden. Zum ersten holen The Police ihr im Oktober des letzten Jahres aufgrund einer Kehlkopfentzündung von Sting ausgefallenes Konzert in der Düsseldorfer LTU Arena nach. Schenkt man den Gerüchten Glauben, dürfte es wohl das vorletzte auf deutschem Boden in der Geschichte des Trios sein (am 28.06. ist noch Leipzig an der Reihe). Und zum zweiten hat die deutsche Fußballnationalmannschaft bei ihrem Auftaktmatch gegen Polen die Chance erstmals seit zwölf Jahren wieder ein EM-Spiel zu gewinnen. Dumm nur, dass beides heute zur gleichen Zeit stattfindet. Da muss ich dann wohl durch. Also mache ich mich pflichtbewusst auf den Weg in die (nach Kölner Maßstäben) "verbotene Stadt".

Vom Support The Charlatans bekomme ich leider nur noch die letzten 10 Minuten ihres rund einstündigen Auftrittes mit, da ich mir vorher zumindest noch die erste Halbzeit von Österreich gegen Kroatien angucken wollte. Das ist deshalb schade, weil sich die Band seit ihrem Album "Up To Our Hips" von 1994 nach wie vor gerne in meinen CD-Player verirrt und das durchweg überzeugend. Ihr aktuelles Werk heisst übrigens "You Cross My Path". Wer auf gutgemachten Britpop steht, der sollte auch mal in den Backkatalog des Quintetts reinhören! Die LTU Arena ist offiziell ausverkauft und doch sind einige Plätze leer geblieben. Offensichtlich hat in diesen Fällen der Fussball gesiegt. Die immer noch imposanten 45.000 die gekommen sind, sorgen dennoch für eine standesgemäße Kulisse. Darunter viele ältere Semester (ab 50 Jahren aufwärts) und - wie für Düsseldorf üblich - viel Schickimicki.

Um Punkt 20.30 Uhr sind sie alle im Jubel vereint. Aufmarsch von Gordon Matthew Sumner alias Sting, Gitarrist Andy Summers und Drummer Stewart Copeland, fast 25 Jahre nach ihrem letzten offiziellen Auftritt in Nordrhein-Westfalen (damals im Rahmen der Synchronicity-Tour in Dortmund). Man sieht ihnen die Zeit an. Sting ziert jetzt ein graues Barthaar und Copeland braucht mittlerweile eine Brille. Auch Stings Fender-Telecaster-Bass ist an einigen Stellen schon reichlich abgewetzt. Zu den Klängen von Bob Marleys "Get Up, Stand Up" betreten sie die überdimensionale Bühne und legen mit "Message In A Bottle" gleich fulminant los. Sting macht seine Ansagen alle auf Deutsch und das sogar recht passabel. Nur als er Copeland später mit "am Schlagstock" vorstellt, kann ich mir ein Lachen nicht verkneifen. Grosse Videoscreens rechts und links sorgen für eine gute Optik bis in die hinterste Reihe des Oberrangs.

Weiter geht es mit "Walking On The Moon" und "Demolition Man". Der Sound ist perfekt und Sting (inzwischen wieder) wunderbar bei Stimme. Bei "Voices Inside My Head" lässt Andy Summers erstmals sein Können aufblitzen. Es folgen "Don`t Stand So Close To Me" und "Driven To Tears" in einer etwas rockigeren Interpretation. Die Bühne ist abwechselnd in rotes, blaues und lilafarbenes Licht getaucht, ansonsten bleibt die Lightshow eher spartanisch. Grosses Brimborium haben die drei Hauptdarsteller aber auch gar nicht nötig. Die Musik spricht für sich und insbesondere Copeland trommelt als gäbe es kein Morgen mehr. Ansonsten hält sich der Aktionsradius auf der Bühne jedoch in engen Grenzen. Kurz vor "Hole In My Life" erreicht mich per SMS die Nachricht von Lukas Podolskis 1:0! So kann es weitergehen! In Düsseldorf und in Klagenfurt. Nach "Every Little Thing She Does Is Magic" sagt dann auch Sting netterweise den aktuellen Spielstand durch (verschweigt aber den Torschützen). Die Stimmung im weiten Rund ist entsprechend ausgelassen, was sicherlich nicht nur am Fussball liegt. Zumindest gilt das für den Innenraum, die Tribünen geben sich noch verhalten.

Dabei reihen sich die Klassiker wie Perlen an einer Schnur: "Wrapped Around Your Finger" (in einer sehr schönen, elegischen Version), währenddessen Copeland an Percussion und Vibraphon glänzt, "De Do Do Do, De Da Da Da" oder "Invisible Sun", der Song von 1981 über die Spannungen in Nordirland. Passend dazu flimmern Bilder von Flüchtlingskindern über die Videowalls. Mit "Can`t Stand Losing You" rocken The Police dann zum Ende des Mainsets nochmal richtig ab. Auch auf den Tribünen wird jetzt endlich getanzt. Lichtblitze durchzucken die Arena.

Den Zugabenblock eröffnet niemand geringeres als die gute alte "Roxanne". Die ganze Halle singt mit und ist komplett rot illuminiert. Auch bei diesem Stück wird wieder fleißig improvisiert, Stings Vorliebe für Jazzarrangements ist ja weithin bekannt. Es folgt "King Of Pain", das nahtlos in "So Lonely" übergeht. Andy Summers legt ein weiteres grossartiges Solo aufs Parkett und erntet stehende Ovationen, die sich noch steigern als anschließend "Every Breath You Take" ertönt. Zum Finale gibt es schließlich dann noch "Next To You". Ein durchaus symbolträchtiges Ende, war dieser Song doch gleichzeitig das allererste Police-Stück auf ihrem Debütalbum "Outlandos D`Amour" von 1978. So endet nach gut eindreiviertel Stunden eine Zeitreise in die musikalische Vergangenheit der 70er und 80er Jahre und hinterlässt nur zufriedene Gesichter. Pünktlich zum Schluss fällt dann auch in Klagenfurt das 2:0 durch Prinz Poldi.

The Police haben hier und heute eine solide und überzeugende Show abgeliefert. Exzellente Musiker sind die Drei ja sowieso, dazu eine schöne, fast schlichte Atmosphäre und eine Best Of-Setlist, die kaum Wünsche offen lässt. Der Besuch in Düsseldorf hat sich gelohnt, auch wenn mich das Konzert nicht durchgängig vom Hocker gehauen hat. Immerhin: Auf dem Weg nach draußen wird dann noch per SMS der 2:0-Sieg von Deutschland gegen Polen endgültig bestätigt. Der (historische) Tag ist gerettet! 

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