The Prodigy

Invaders Must Die Tour 2009 - Support: Tanith

03.03.2009 E-Werk / Köln

Von: Karsten Kraemer

The Prodigy Köln

Es mag Bands geben, denen immer mal wieder der Vorwurf gemacht wird, sich auf ihren bereits erworbenen Lorbeeren auszuruhen und deren bestehendes Image und eine markante Bühnenshow wesentlich wichtiger sind als der musikalische Output, da es einfach an Kreativität und neuen Ideen mangelt.

In gewisser Weise traf und trifft dies auch auf die britischen Breakbeat-Pioniere The Prodigy zu. Da war zunächst der kläglich gescheiterte Comeback-Versuch mit der Single „Baby’s Got A Temper“ im Jahr 2002, der schon den Hang zur Selbstparodie hatte. Es folgte 2004 ein Album mit dem in diesem Zusammenhang vielsagenden Titel „Always Outnumbered, Never Outgunned“, das durchaus neue Einflüsse und namhafte Gastmusiker präsentierte, bei Fachpresse und Fans dennoch nur ein geteiltes Echo hervorrief. Alles schien so, dass die überall gehypten Songs von „The Fat Of The Land“ von 1997 das Maß aller Dinge waren und damit die Latte für nun alles Folgende in fast unerreichbare Höhen gelegt hatte. Vor gut zwei Wochen nun die neuen Lebenszeichen von Liam Howlett & Co. in Form des fünften Longplayers „Invaders Must Die“ und – quasi ohne jegliche Vorlaufzeit – die dazugehörige Tour mit lokalen Gastspielen in Berlin, Köln und München.

Auch wenn die drei Jungs von der Insel wie eingangs erwähnt polarisieren mögen und vielleicht auch nicht mehr die Genialität ihres frühen Schaffens besitzen – den Ruf als ausgezeichnete Liveband eilt ihnen nach wie vor voraus, denn das E-Werk im Kölner Norden ist schon seit Wochen restlos ausverkauft. Vereinzelt sieht man auf dem Weg durch die Schanzenstrasse hoffnungsvoll dreinblickende Personen mit selbstgebastelten und bemalten Pappschildern mit der Aufschrift „Suche Karte“, vor der Location selbst haben sich schon lange Schlangen gebildet. Es erinnert vieles an den letzten Besuch im November 2004 im direkt gegenüberliegenden Palladium, damals der einzige Deutschland-Auftritt und ebenso ausgebucht. Und gestern wie heute darf er nicht fehlen, der obligate Hinweis am Einlass, dass der Einsatz von Stroboskop-Licht epileptische Anfälle auslösen könnte. Alles wie gehabt also.

Als Einheizer hat man mit Tanith einen (deutschen) Techno-DJ der ersten Stunde verpflichten können, der ab 20h vom Balkon über dem Konzertraum versucht, mit Breakbeat und Acid House das Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen. Tanith und Prodigy, das macht durchaus Sinn, da beide ihre Wurzeln in der Punkmusik haben und auch in der Gegenwart stilistisch etwa auf einer Wellenlänge liegen. Zudem gelten sie seit Beginn der neunziger Jahre als Mitbegründer der Technokultur und sind sich höchstwahrscheinlich auf irgendeinem Rave mal über den Weg gelaufen. Dem zustimmenden Kopfnicken einiger Besucher nach zu urteilen kommt sein Set auch an, persönlich hätte ich allerdings die Live-Performance einer artverwandten Newcomer-Band (z.B. vom momentan omnipräsenten französischen Ed Banger-Label) auf der Bühne besser gefunden, da die harten Beats vom Plattenteller für die relativ frühe Uhrzeit doch sehr gewöhnungsbedürftig, fast unpassend erscheinen.

Gegen halb zehn verdunkelt sich das Innere des E-Werks und vier große, ovale Scheinwerfer, die wie zwei bedrohliche Augenpaare wirken und in der oberen Hälfte der Dekowand montiert sind, tauchen die Stage in ein gleißendes Rotlicht. Unter erwartungsvollem Jubel der Menge betreten Howlett/Flint/Palmer nebst Verstärkung durch Begleitmusiker die Bühne. Mastermind Howlett verschwindet wie erwartet umgehend hinter seiner Burg von Synthesizern, während die beiden MC’s sogleich mit ihren Raps beginnen.

Die nun folgende Setlist lässt keine Wünsche offen – relativ früh wird bereits der absolute Klassiker „Breathe“ in einer extended version zum Besten gegeben, es folgen „Their Law“ und „Poison“, dann einige Stücke des neuen Albums inklusive dem Titelsong „Invaders Must Die“, im weiteren Verlauf dürfen „Wake Up Call“ und „Voodoo People“ natürlich ebenso wenig fehlen wie der Hit „Firestarter“ aus dem Jahr 1996 und das skandalträchtige „Smack My Bitch Up“ bei der Zugabe.

Zwischen den Tracks sucht Flint immer wieder den Dialog mit dem Publikum und provoziert mit kleineren Einlagen, bis er später der Crowd mit einem „Cologne you’ve got it“ auch den verdienten Ritterschlag verpasst. Es ist immer wieder erstaunlich festzustellen, dass sich bei Konzerten dieser Combo tatsächlich etwa neunzig Prozent der Besucher (bis auf wenige Ausnahmen an den Randbereichen) in unterschiedlicher Art und Weise bewegen, im mittleren Bereich und direkt vor der Bühne stets heftig gepogt wird.

Nach insgesamt siebzig Minuten ist die Show dann zu Ende, wie üblich also recht kurz und schnell vorüber – da diese Zeit aber auch immer ohne Atempause auf dem gleichen Level durchgerockt wird und die Jungs schlicht und einfach nicht über „ruhigere“ Nummern verfügen, geht das schon in Ordnung so.

Es bleibt festzuhalten, dass The Prodigy wohl eine der wenigen Bands sind, die Electroliebhaber und Rockfans gleichermassen vereinen und den Ruf als eine außergewöhnliche Liveband stets vollauf bestätigen - sozusagen ein Erlebnis der besonderen Art.

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