The Prodigy

Invaders Must Die - Tour 2010 - Support: South Central

29.05.2010 Philipshalle / Düsseldorf

Von: Karsten Kraemer

The Prodigy Düsseldorf

Eins vorweg: Untätigkeit und langes Warten in Bezug auf Live-Auftritte kann man The Prodigy derzeit keinesfalls vorwerfen. Galt es zwischen "The Fat Of The Land" (1997) und "Always Outnumbered, Never Outgunned" (2004) nicht zuletzt auch aufgrund interner Querelen albumtechnisch eine lange Durststrecke zu überwinden (die Band trat in diesem Zeitraum fast nur auf Festivals und Showcases auf), kann man sich über Output und Bühnenpräsenz von Liam Howlett & Co. momentan nicht beschweren. Böse Zungen mögen jetzt behaupten, dass die Herren ständig Bares brauchen, um ihren exzessiven Lebenswandel zu finanzieren - aber vielleicht hat das britische Trio auch einfach Spass daran zu performen. Und The Prodigy waren schon immer ein Act, der besonders im Live-Kontext hervorragend funktioniert.

Somit also die Fortsetzung der bereits Anfang letzten Jahres begonnenen "Invaders Must Die"-Tour und der zweite Auftritt in der Düsseldorfer Philipshalle binnen sechs Monaten. Was gleich zu Beginn auffällt, ist die Verkleinerung des Innenraums. Waren im November 2009 vor ausverkauftem Haus noch beide Seitentribünen herausgefahren, gibt es diesmal nur eine Sitzplatztribüne hinten. Offensichtlich wurden im Vorfeld weniger Karten abgesetzt und Kurzentschlossene haben das heimische TV-Gerät aufgrund Lenamania und Fussball-Nationalmannschaft vorgezogen, denn auch der Andrang ist gegen 19 Uhr sehr überschaubar.

Um kurz nach acht entern zunächst South Central aus Brighton die Bühne. Zwei Jungs mit aufgezogener Kapuze, die mit Mischpult, Keyboard und Laptop den Auftrag haben, die Halle auf Betriebstemperatur zu bringen. Und das gelingt Keith Camilleri und Robert Chetcuti, so ihre bürgerlichen Namen, richtig gut. Im Stile von Justice oder Daft Punk gibt es knarzende Electrobeats und Coverversionen von allseits bekannten Gassenhauern von Chemical Brothers, Rage Against The Machine und Nirvana. Endlich wurde hier mal vom Prodigy-Management die richtige Wahl getroffen, nachdem bei den beiden letzten Gigs, denen ich an gleicher Stelle (22.11.09) bzw. dem Kölner E-Werk (03.03.09) beiwohnen durfte, sowohl Enter Shikari als auch (DJ) Tanith in ihrer Rolle als Einheizer nicht überzeugen konnten.

Fast pünktlich wie auf dem Timetable angekündigt und nach relativ kurzer Umbaupause dann der Auftritt der Herren Howlett, Flint und Palmer nebst Supportmusikern. Und alles wie gewohnt - schon bei den ersten Takten vom Opener "Worlds On Fire" ist die Masse wie elektrisiert und der ganze Innenraum samt Sitztribüne am Hüpfen. Noch gefüllte Bier- (oder im günstigeren Falle Wasser-)Becher fliegen von vorne nach hinten, von links nach rechts und umgekehrt, fast jeder der knapp 4.000 Besucher tanzt seine ganz eigene Art von Pogo oder schreit die Refrains der Songs mit. Daneben das obligatorische Stroboskop-Gewitter und derartig vibrierende Bassläufe, die einem fast schon körperliche Schmerzen im Brustbereich bereiten.

Immer wieder folgt der Mob ("my people", wie Maxim uns nennt) den Anweisungen der beiden Sänger und bietet beim seinerzeit berüchtigten "Smack My Bitch Up" eine Choreografie der besonderen Art. Fast alle setzen sich hin und springen auf Kommando in die Höhe, ein bemerkenswertes Bild. Das bekannte Repertoire ("Breathe", "Firestarter", "Poison", "Voodoo People") wird komplett abgearbeitet und als Zugabe gibts dann noch u.a. "Take Me To The Hospital" und ihr Kult-Remake des Reggae-Klassikers "Out Of Space", sodass die rasante Achterbahnfahrt dann nach knapp neunzig schweisstreibenden Minuten um circa zehn vor elf endet.

Als ein vielleicht einziger (kleiner) Kritikpunkt des Abends ist die renitente Security zu erwähnen, die immer wieder die Randbereiche der Halle abschreitet, um mithilfe von Taschenlampen den exakten Inhalt von gerade konsumierten Glimmstengeln zu überprüfen - man kann es auch übertreiben. Ansonsten bleibt die Feststellung, dass "das Wunderkind" (laut englischer Originalübersetzung) nichts von seiner Aggressivität und Dynamik eingebüßt hat und von einem möglichen Overkill wegen fehlendem neuen Songmaterial nicht die Rede sein kann - dafür besitzt das alte einfach noch genügend zeitlose Power.

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