The Rolling Stones

A Bigger Bang Tour 2007

13.08.2007 LTU Arena / Düsseldorf

Von: Thomas Kröll

The Rolling Stones Düsseldorf

Vor neun Jahren waren die Rolling Stones im Rahmen ihrer "Bridges To Babylon"-Tour letztmalig zu Gast in Düsseldorf. Trotzdem hielt sich die Kartennachfrage für das heutige Konzert in Grenzen. Kein Wunder bei Ticketpreisen zwischen 80 und 180 Euro. Also machten Veranstalter und Band aus der Not eine Tugend. Um Platz zu sparen bauten sie die Bühne nicht in einer der Kurven, sondern vor der Geraden auf und begründeten dieses erstmals eingesetzte "Panorama Set Up" damit, dass auf diese Weise alle Fans ihren Idolen ein gutes Stück näher rücken würden. Gut 25.000 von ihnen nahmen das Angebot an, darunter Lokalprominenz wie WDR-Sportreporterlegende Manni Breuckmann, Henning Krautmacher (De Höhner) oder Roncalli-Chef Bernhard Paul.

Als wir in der LTU Arena eintreffen, gibt es gleich das nächste Novum: Der Innenraum ist komplett bestuhlt! Auch mal ganz angenehme Arbeitsbedingungen so ohne Gedrängel und Geschubse. Die Vorgruppe The Answer rockt sich gerade die Seele aus dem Leib. Ihr Bluesrock Marke Aerosmith stößt jedoch kaum auf Resonanz, auch wenn sich Sänger Cormac Neeson nach Kräften bemüht, das Publikum wenigstens zu einem Klatschen zu bewegen. Die Iren sind kurzfristig für Amy Winehouse eingesprungen, die den Support wegen "schwerer Erschöpfung" absagen musste. Auf der überdimensionalen Bühne wirken die Jungs reichlich verloren. Mit ihren 32 Metern Höhe und 100 Metern Länge erinnert das Ding auch eher an ein Mehrfamilienhaus. Zum letzten Mal habe ich solch eine riesige Konstruktion 1990 gesehen - bei den Stones. Wenigstens werden wir in der mehr als einstündigen Umbaupause nett unterhalten. Mit Werbung für Klingeltöne und die neue DVD "The Biggest Bang" (Review). Die Gigantomanie will schließlich bezahlt sein.

Als um kurz nach 21 Uhr das Riff von "Start Me Up" erklingt und zwei Böllerschüsse für reichlich Qualm sorgen, ist das alles vergessen. Für die nächsten 135 Minuten brennen die vier Stones ein musikalisches Feuerwerk vom Allerfeinsten ab. Der Sound ist perfekt und über den mächtigen Videoscreen ist selbst die letzte Furche in Keith Richards Gesicht deutlich auszumachen. Von Ermüdungserscheinungen keine Spur. Die Band versprüht bei aller Routine aus über 40 Jahren Bühnenerfahrung eine gehörige Portion Spielfreude. Ron Wood schafft es sogar angesichts der Ovationen bei seiner Vorstellung noch peinlich berührt zu wirken. Mick Jagger, immerhin auch schon 64, ist schlank und vital wie eh und je. Allerdings ist er auch der einzige, der sich ununterbrochen bewegt und die Fans zum Mitsingen animiert. Richards und Wood geben sich betont cool (mal mit, mal ohne Zigarette im Mundwinkel) und Charlie Watts sieht wie immer so aus, als sei er nur zufällig anwesend.

Die Fans jedenfalls kommen voll auf ihre Kosten. Erstaunlicherweise ist mit "Rough Justice" nur ein Stück des aktuellen Albums "A Bigger Bang" im Programm. Erste Höhepunkte sind "Let It Bleed", das Mick Jagger alleine an der Akkustikgitarre singt und "Can`t You Hear Me Knocking", bei dem nicht nur Wood und Jagger (mit Mundharmonika) als Solisten glänzen, sondern vor allem Bobby Keys am Saxophon. Keys ist mit Unterbrechungen bereits seit Anfang der 70er in der Stones-Begleitband. Ebenso überzeugend: Background-Stimme Lisa Fisher, die Jagger beim James Brown-Cover "I`ll Go Crazy" an die Wand singt. Auch Keith Richards darf sich gleich zweimal an den Leadvocals versuchen. Während "You Got The Silver" noch halbwegs gut gelingt, geht "I Wanna Hold You" gründlich daneben. Ebenfalls für ein paar Lacher gut sind immer wieder Jaggers Ansagen auf Deutsch ("Sind die Schuhe von Deichmann?").

Die Setlist lässt kaum Wünsche offen. Alles dabei: "You Can`t Always Get What You Want", "It`s Only Rock`n Roll", "Satisfaction", "Honky Tonk Woman", "Sympathy For The Devil", "Paint It Black" oder "Jumpin Jack Flash". Zwischendurch wird der vordere Teil der Bühne inklusive Schlagzeugpodest hinein in die Menge und bis unmittelbar vor die Gegengerade gefahren. Die Fans dort empfangen die Stones mit einem Jubelsturm. Das nenne ich entgegenkommend. Auf der eigentlichen Bühne erscheint derweil eine fette aufblasbare Stones-Zunge. Mit "Brown Sugar" und einem Stakkato aus Böllerschüssen und Feuersäulen setzt die Band dann einen fulminanten Schlusspunkt unter eine überraschend beeindruckende Show.

Überraschend deshalb, weil die Stones nach mittlerweile zwei Jahren "A Bigger Bang"-Tour immer noch erfreulich frisch rüberkommen und den Eindruck vermitteln, als hätten sie selbst den meisten Spass an der Sache. Früher brauchten sie schonmal eine Abordnung der Hells Angels um ihre Fans im Zaum zu halten. Das ist heute zwar nicht mehr nötig (mit Ende 30 gehöre ich eindeutig zu den Jüngeren), aber jeder der 25.000 geht mit der beruhigenden Erkenntnis nach Hause, dass altes Eisen eindeutig anders aussieht. 

Twitter

Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download

Amazon.de Musicload

Mehr zum Thema:

Musicheadquarter Twitter RSS Feed abonieren! Musicheadquarter bei Facebook
Rhingtön
Digg Reddit Del.icio.us Facebook Twitter Google Yahoo! MyWeb Furl" BlinkList Technorati Mixx Windows Live MySpace Mister Wong
Sebastian Black