Exklusives Deutschlandkonzert
So auch zum wiederholten Male in Berlin am 1. März 2011. Eine bis unters Dach gefüllte Columbiahalle wartet nach Einlass auf den Beginn der Show. Keine einzige Vorband verkürzt die Wartezeit und als um 20:45 Uhr auch noch ein kleiner Soundcheck startet, werden ungeduldige Pfiffe und Rufe laut. Fast eine Stunde nach auf Karte angekündigtem Showbeginn wird um 20:56 Uhr die berüchtigte Nebelmaschine gestartet. Unruhige Vorfreude macht sich breit, doch noch ist kein Bandmitglied in Sicht. Der Grund für das Nicht-Erscheinen ist glasklar: noch nicht genug Nebel! Darum bekommt der Saal keine 10 Minuten später die volle Ladung Nebel des Grauens bis unter die Decke.
Und nun ist die Bühne auch der Sisters Of Mercy würdig. Ein rhythmisches Bongointro begleitet die Gitarristen Chris Catalyst und Ben Christo sowie Eldritch als sie die Bühne betreten. Unvermittelt geht das Intro von "Doctor Jeep" in "Detonation Boulevard" über. Das Schlagzeug wird 100% im 80er Stil vom guten alten Drumcomputer geliefert (naja nicht ganz, ein wenig gehen SOM doch mit der neuen Technik und ein Apple leuchtet auf der Bühne). Leider geht der Gesang bei den ersten Stücken stellenweise unter und nur der vom Background unterstützte Refrain hört sich voll an und lässt "Amphetamine Ligic" erahnen.
Im Publikum zeigt sich keinerlei Bewegung, alle starren gespannt zur Bühne oder meditieren mit geschlossenen Augen selig vor sich hin während sie den Predigten der Sisters lauschen. Pinkes knalliges Licht weckt die Meditierenden spätestens zu "Marian" und die Discokugel strahlt vor violettem Hintergrund. Dies ist auch fast schon der Höhepunkt der visuellen Effekte, denn genauso old fashioned und unfertig wie die Homepage von Sisters Of Mercy (Vergleiche: http://www.the-sisters-of-mercy.com/) sieht das Bühnenbild aus. Ein Baugerüst, das eher den Eindruck erweckt, Eldritch sei während des Bauphase der Kulisse das Geld ausgegangen und er habe es einfach dabei belassen, prangt im Hintergrund.
Seit den 80ern hat sich neben dem Bühnenbild auch die Show nicht viel verändert: Eldritch gibt sich verschlossen und wortkarg. Doch nachdem auch das Problem mit der zu leisen Gesangsspur gelöst ist, erkennt man, dass seine Stimme kein bisschen des düsteren Charmes verloren hat und immer noch Gänsehaut hervorrufen kann. Es folgt eine ausgewogene Songmischung: "On The Wire", "First And Last And Always" bis hin zu "Dominion / Mother Russia". Man kann manchmal den Unterschied zwischen Soundeffekt und der unablässig im Hintergrund arbeitenden Nebelmaschine ausmachen. Doch nicht nur Nebel auch eine überraschende Strobo- und Glitzerlichtattacke unterstützt das sonst magere Bühnenbild – zwar nicht immer ganz im Takt aber trotzdem schön fürs Auge.
Zu "Dominion" kommt dann doch noch ein wenig Bewegung in die Bude... Vorne links um genau zu sein. Doch am Applaus spart das Publikum nicht. Eldritch dankt dies seinen Fans; er zeigt sich vielleicht nicht gerade körperlich, dafür aber stimmlich in guter Form und das ist alles was die Menge verlangt, gepaart mit einer Reihe von Hits. Auf "Anaconda" folgt sogleich "Lucretia My Reflection" und danach erreicht die Setlist mit "This Corrosion" ein absolutes Stimmungs-Hoch. Der chorale Background der Albumversion wird live von der Gitarre in instrumentaler Form übernommen, ebenso wie die Pianoklänge. Hier singt der gesamte Saal einstimmig mit. Es scheint als wollten SOM das ganze "Floodland" Album präsentieren, als auch noch "Flood II" erklingt. Doch bei diesem Song stellt sich der Halleffekt in der Stimme als viel zu laut heraus, was fast Ohrenschmerzen hervorruft und den manchmal ins Jaulen ausartenden Gesang unvorteilhaft unterstreicht.
Danach macht sich Leere breit auf der Bühne. Doch nach drei Minuten kommt um 22:08 Uhr auch schon die ersehnte Zugabe. Nach einem "Kiss The Carpet" und "Vision Thing" gibt es erneut eine Verschnaufspause. Die Sisters wissen wie man das Publikum auf die Folter spannt. Schließlich warten jetzt alle nur noch auf den einen Song. In der zweiten Zugabe nach "More", "Pipeline" und ewig langem Instrumentalpart erklingt dann auch endlich "Temple Of Love", bevor das Konzert um 22:28 Uhr endgültig zu Ende geht.
Alles in allem ein kurzer und schmerzloser Auftritt mit allen Hits, die das Publikum erwartet und von guter Qualität. Die Bühnenshow und die Interaktion mit den Fans ist sehr zurückhaltend doch scheint sich niemand der Anwesenden im geringsten daran gestört zu haben.