European Tour 2008 - Support: Mark Geary, The Uglysuit
Der Winter naht. Und obwohl wir es ja eigentlich noch gar nicht so kalt haben, ist es uns in dem herbstlichen Nieselregen des Nachts immer frostig. Aber es wird ja noch kälter. Erfreuen wir uns daran, dass es die kalte Jahreszeit ist, die es uns besonders zugänglich macht, warmherzige, besinnliche und melancholische Musik in uns aufzunehmen. Man braucht nicht viel, um dies an diesem Abend zu erreichen. Eine alte Akustikgitarre, bei der das Holz so langsam seinen Geist aufgibt, ein paar Tasten und zwei harmonierende Stimmen, die einem den Boden unter den Füßen wegziehen.
The Swell Season, das sind der irische Sänger und Gitarrist Glen Hansard, der unter anderem Frontmann der Band The Frames ist, und die junge tschechische Pianistin Markéta Irglová. Beide spielten die Hauptrollen im Film „Once“ und lieferten auch die Songs für den Soundtrack. Anfang 2008 wurden bei der letzten Oscar-Verleihung beide für den besten Song, „Falling Slowly“, ausgezeichnet. Ein unglaublicher Erfolg und für die Singer-/Songwriter Szene eine mehr als würdige Auszeichnung. Neben dem Oscar bekam der Film vor allem viele Publikumspreise auf anderen internationalen Filmfestspielen, für Regie, männliche und weibliche Hauptrolle und für den Soundtrack. Aber schon vor dem Projekt „Once“ entstand, was viele gar nicht wissen, The Swell Season. 2006 nahm man das erste Werk unter gleichem Namen auf. Erst die verwendeten Songs zum Film machten Glen Hansard und Markéta Irglová bei einem breiteren Publikum bekannt.
Das Kölner E-Werk ist ein passender Ort für das was kommen sollte. Das Konzert ist bestuhlt und ein Glück, dass man diesmal früher da ist. Es herrscht freie Platzwahl und die ersten 10 Reihen sind schon mehr als gut gefüllt. Eine Viertelstunde früher als geplant beginnt die erste Vorband, The Uglysuit. Die aus Oklahoma City stammende Band wirft mit ihrem Akustikset schon eine hohe Hausnummer ins Rennen. Die Mischung aus Indie-Folk und einem poppigen Akustiksound beeindruckt sicherlich mehrere im Kölner E-Werk. Titel wie „…And We Became Sunshine“ oder „Everyone Now Has A Smile“ verdeutlichen schon den Wohlfühlfaktor. Der Song „Chicago“ ist als kleines Highlight in dem sehr einträchtigen Set herauszupicken.
Der zweite Act des Abends heißt Mark Geary. Ein Singer-/Songwriter aus Dublin, der mit seiner sehr sympathischen Art und der Einfachheit seiner Songs ebenfalls zu überzeugen weiß. Ein wenig Bob Dylan und Ray Davies inspiriert, betonen seine Songs vor allem perönliche Erfahrungen. Kneipenmusik, im positiven Sinne, auf einer anderen Ebene.
Nach ein paar Minuten schließlich betritt Glen Hansard die Bühne. Alleine. Er beginnt das Set mit dem wuchtigen, herausschreienden „Say It To Me Now“. Ohne Mikro und Verstärker. Er schreit es durch das Kölner E-Werk und bringt nach nicht einmal drei Minuten das erste WOW! zum Vorschein. Was kann der Kerl schreien. Markéta Irglová schreitet zu ihrem Klavier und es folgt der Song „Lies“. Was soll denn jetzt noch folgen, nachdem man nach den ersten beiden Songs schon im Boden versunken ist. Dadurch, dass das Konzert bestuhlt ist, empfindet man eine ganz andere Atmosphäre. Man hat Ruhe und kann der Musik folgen. Man wird nicht durch umherirrende Konzertbesucher angerempelt, es ist still. Man hört keine störenden Gespräche. Die Musik zieht alle in den Bann. Es hat was Andächtiges und hebt sich in dieser Form von anderen Konzerten ab. So gehen einem Songs wie „Falling Slowly“, „Leave“ oder „Broke Back“ sichtlich unter die Haut. Die Welt um sich herum vergessen, abschalten, zuhören, lächeln. „Cause this is what I’ve waited for“. Das unantastbare „The Hill“, welches den Encorepart eröffnet, solo gespielt von Markéta Irglová am Flügel. Es gibt so viele Momente, das ganze Konzert durchgehend. „Into The Mystic“, „The Moon“, „If You Want Me“. Fast zwei Stunden spielen The Swell Season, die von E-Gitarre, Bass, Schlagzeug und Violine zudem noch unterstützt werden. Matt Geary bekommt im Zugabenteil noch einen Gastauftritt. Hängen geblieben ist vor allem der im Film "Once" schon Wirkung hinterlassende Song „When Your Mind’s Made Up“. Ach, es ist einfach bezaubernd und jedem Gefühlsmenschen, der sein Herz am rechten Fleck trägt, zu empfehlen. Was tut es gut solch Ehrlichkeit und Lieblichkeit zu genießen. „Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist, spielt weiter!“ sagte schon Shakespeare.
The Swell Season sind dabei einen Nachfolger für das selbstbetitelte Debüt aus dem Jahre 2006 fertig zu stellen. Sicherlich wird dann auch wieder der ein oder andere Auftritt in Deutschland folgen. Als kleinen Tipp kann man sich unter www.playedlastnight.com ausgewählte Shows via Download zu sich ins Wohnzimmer holen. Ob das Konzert im Kölner E-Werk dort auftaucht bleibt abzuwarten. Aber sicherlich findet man bei der Auswahl zur Not auch Ersatz und für knappe 10 US Dollar ist es allemal wert da reinzuhören.
Setlist:
01. Say It To Me Now
02. Lies
03. This Low
04. The Moon
05. When Your Mind's Made Up
06. I Have Loved You Wrong
07. Falling Slowly
08. Leave
09. Back Broke
10. Astral Weeks (Van Morrison Cover)
11. Happiness
12. Maybe I Was Born To Hold You In These Arms
13. Low Rising
14. Once
15. The Hill
16. If You Want Me
17. The Court Of New Town
18. It Beats Me
19. Your Face
20. Fitzcarraldo
21. Hey Day (Mic Christopher Cover)