The Thermals

Tour 2009 - Support: The Rosebuds und Telekinesis

23.10.2009 Kulturzentrum Bahnhof Langendreer / Bochum

Von: Simon Baranowski

The Thermals Bochum

Nachdem die Thermals bereits im Sommer in Deutschland unterwegs waren, sind sie nun im Herbst zurück - damals draußen auf den Festivalbühnen, jetzt in den Clubs. Der alte Bahnhof im Bochumer Stadtteil Langendreer ist gut gefüllt. Vor dem Gebäude versammeln sich die Raucher und diejenigen, die sich die beiden Vorbands The Rosebuds und Telekinesis schenken. Das mindert aber nicht die Unterstützung, die beide Bands vorher erhalten. Während The Rosebuds unterbesetzt auf der Bühne agieren und somit eine kleine Akustikshow absolvieren, tritt Telekinesis-Mastermind Michael Lerner mit zwei zusätzlichen Musikern auf. Das Rosebuds-Ehepaar - Kelly Crisp und Ivan Howard sind seit einigen Jahren verheiratet – kämpft noch um die Aufmerksamkeit vieler Besucher. Telekinesis machen mit gutem Power-Pop-Rock schon mehr Leute auf sich aufmerksam. Letztendlich warten aber alle auf den Auftritt der aus Portland stammenden Thermals.

Um kurz nach Zehn ist es dann auch endlich soweit. Gitarre, Bass, Schlagzeug – die passenden Riffs und Melodien, der straight gehaltene einfache Rhythmus, hüpfen, singen, schreien und alles mal bitte konsequent durchziehen! Mehr braucht man für eine Rockshow nicht. Ähnlich wie es die Ramones früher taten, reiht sich bei der Show der Thermals ein Song an den nächsten. Keine Zeit für viel Quarkerei mit dem Publikum. Hier wird die Musik zum einzigen Kommunikationsmittel zwischen Band und Zuschauer. "I Let It Go" macht den Anfang und wie es zu erwarten war geht der große Pogo und das wilde Tanzen direkt los. Wenn Hutch Harris schon vom "gehen lassen" singt, folgt man dem natürlich auch. Vergleicht man die CD-Songlängen des Sets, ist "I Let It Go" mit 3:35 Minuten der längste Song, der an diesem Abend gespielt wird. Mit dem anschließenden "How We Know" kommt schon früh im Set ein Kracher. Es soll nicht der letzte sein.

Das tolle "I Called Out Your Name" nimmt ein wenig Fahrt raus, schlägt dafür im Herzen doppelt so schnell. Das Set besticht durch eine gute Mischung aus Alt und Neu. Bei vier veröffentlichten Longplayern hat man wahrscheinlich genau die richtige Anzahl von Songs, um alles gut durchzumischen. Trotzdem kommen die Songs vom 2004er Album "Fuckin' A" zu kurz. Das Sonic Youth angehauchte "When I Was Afraid" lässt Bassistin Kathy Forster nicht aufhören zu tanzen. Es gibt glaube ich keinen Song bei dem die Daydream Factory-Besitzerin nicht ihre kleinen Locken durch die Luft wirbelt. "Here's Your Future" im Anschluss ist einfach wunderbar mit seinem "hutchigen" Intro. Bei "I Might Need You To Kill" fällt dann erstmal das Schlagzeug von Westin Glass auseinander und gibt dem Publikum somit eine amüsante Verschnaufpause. Letztendlich sollte es der einzige Fauxpas sein.

"Back To Grey", das zeitlose und kraftvolle "No Culture Icons" und "Goddamn The Light" bringen das 2003er Debüt "More Parts Per Million" zurück ins Spiel. "Test Pattern", St.Rosa And The Swallows" und vor allem das zum Thermals-Hit avancierte "A Pillar Of Salt" rufen das 2007er Werk "The Body The Blood The Machine" in Erinnerung. Rocker auf Rocker, Hit auf Hit. Die Stimmung ist immer noch auf demselben ausgelassenen Punkt wie zu Beginn. Die Meute tanzt und singt mit - kein Verschnaufen. "We Were Sick" knüpft an der Intensität des gesamten Sets an. So langsam kann man wirklich sagen, dass hier eine der besten Rockbands der 00er Jahre auf der Bühne steht. "Oh way-ow oh-whoa-oh" ertönt es dann und "Now We Can See" bildet den Schluss des Mainsets. Noch mal dürfen alle Kehlen im Saal mitgröhlen.

Die Zugabe kommt natürlich nach nicht aufhörendem "Oh way-ow oh-whoa-oh", fällt aber mit den drei Oldies "Our Trip", dem B-Seiten Song "Everything Thermals" und dem obligatorischen Klassiker "It's Trivia" sehr knapp aus. Und zack, das war es dann auch schon. Kathy Forster klatscht noch mit der ersten Reihe ab, während Hutch Harris und Drummer Glass schon verschwunden sind.

Die Fakten: 20 Songs, 1 Stunde Spielzeit, 16 Euro Eintritt, 5 Bier, 1 Erinnerungsbutton und das glorreiche Entdecken des Schienenersatzverkehrs! Der Abend ist ein voller Erfolg und bestätigt die Band in ihrem Zurückkommen nach Europa nach der bereits im Sommer erfolgreich bestrittenen Festivaltour. Einfach großartig. Tolle Songs, kein Geschnörkel, Rockmusik! Einziger Nervpunkt war vielleicht das nicht aufhörende Grinsen des erst 2008 eingestiegenen Schlagzeugers Westin Glass. Aber ich würde wahrscheinlich auch nicht aufhören zu grinsen, wenn ich bei den Thermals spielen würde. Ein gelungener Abend, der nach Wiederholung schreit.

Setlist:

I Let It Go
How We Know
I Called Out Your Name
A Passing Feeling
When I Was Afraid
Here's Your Future
I Might Need You To Kill
I Hold The Sound
Back To Gray
Returning To The Fold
No Culture Icons
Goddamn The Light
Test Pattern
St.Rosa And The Swallows
We Were Sick
A Pillar Of Salt
Now We Can See
-------------------
Our Trip
Everything Thermals
It's Trivia

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