Tour 2007 - Support: Racoon
Es ist sieben Uhr an einem netten Spätsommerabend vor dem Prime Club in Köln. Meine Entscheidung, schon eine Stunde vor Öffnung der Türen vor Ort zu sein, war richtig. Aus allen Richtungen finden sich kanadische Fans der „Hip“ ein, die viel zu erzählen haben. Die meisten sind nach Europa gekommen, um alle sieben Shows zu sehen, von denen Köln Station Nr. 6 ist. Sie schwärmen insbesondere vom zweiten Konzertabend der beiden Shows im Amsterdamer Paradiso, nicht zuletzt wegen einiger selten gespielter Songs. Ein Grüppchen schleppt bei Einlass ein Video-Equipment mit rein, für das sie beim Rückflug wohl einige zusätzliche Euros für Übergepäck zahlen müssen. Fragende Blicke beim Primeclub-Personal machen deutlich, dass dies auch für erfahrene Securitys nicht alltäglich ist. Die Videotaper, die sich über hipfans.com organisieren, benötigen dann auch fast eine Stunde, um die beiden Kameras samt aufwändigem Sound-Aufnahme-Verfahren aufzubauen. Als der erste bei seinem durchstudierten Part eine Pause einlegt, frage ich ihn, die wievielte Show der „Hip“ diese für ihn sei. Die Antwort „twohundredfiftynine“ muss ich erstmal mit Hilfe eines kühlen Biers verkraften.
Dabei hilft mir der erfrischende Pop-Rock des Supports „Racoon“ aus Holland. Dass diese Combo Potential hat, haben auch schon andere erkannt: Ab November touren sie mit den „Lemonheads“ durch die Staaten. Gegen 22 Uhr betreten „The Hip“ die für fünf Musiker fast schon zu kleine Bühne des Prime Clubs. Mit „Yer Not The Ocean“ eröffnen sie ihr Set mit dem wohl schönsten Song ihres aktuellen Albums „World Container“. Mit dem Klassiker „New Orleans Is Sinking“, dessen Titel angesichts des Hurricanes Kathrina beängstigend visionäre Züge erhalten halt. Das Publikum, das sich wohl zu einem Drittel aus Kanadiern zusammensetzt, freut sich auch über das gleichmäßig dahin gleitende „Escape Is At Hand For The Travellin' Man“. Eine Überraschung im Set erleben selbst die weitgereisten Fans mit „Gus: The Polar Bear from Central Park“. Meinen ersten Favoriten erlebe ich mit dem wunderbar melancholischen „Bobycaygeon“.
Besonders während der Songs, in denen Sänger Gordon Downie ohne seine Gitarre auf der Bühne steht (und manchmal auch liegt!) beweist er seine erstklassigen Entertainer-Qualitäten. Er ist es, der während der gesamten Show den Kontakt zum Publikum hält. Das schätzen besonders seine kanadischen Landsleute, da sie ihn in ihrem Heimatland nur in großen Arenen erleben können. Außerhalb Kanadas genießen sie die Intimität solcher Clubshows.
So richtig ab geht es bei „Courage“ und „At The Hundredth Meridian“. Zeit zum durchatmen lässt das wunderschöne „Ahead By A Century“, bevor das Erregungslevel wieder steigt und mit dem Abschluss des Mainsets in „Little Bones“ seinen Höhepunkt erreicht. Zur Zugabe kommen die „Kanadischen Stones“ mit „nur“ zwei Songs zurück auf die Bühne: „The Lonely End Of The Rink“ und „Fireworks“ beschließen ihr 90-minütiges Gastspiel in Köln.
Beim Verlassen des Prime Clubs ärgere ich mich kurz über die happigen T-Shirt- und besonders Hockey-Shirt-Preise (bis 100,- Euro), freue mich dann aber auf das Video dieser schönen Show, das die Experten wohl nächste Woche, übrigens mit voller Unterstützung der Band, ins Netz stellen werden. „Good bye, music-lovers!“,... um mich mit Gordon zu verabschieden.
Setliste:
01: Yer Not The Ocean
02: New Orleans Is Sinking
03: Escape Is At Hand For The Travellin' Man.
04: Gus: The Polar Bear From Central Park
05: In View
06: Bobcaygeon
07: Nautical Disastar
08: Courage
09: Pretend
10: Family Band
11: At The 100th Meridian
12: Ahead By A Century
13: Luv (sic)
14: My Music At Work
15: Little Bones
Encore
16: At The Lonely End Of The Rink
17: Fireworks