Dabbler's Handbook Tour 2011 - Support: Dance On The Tightrope + Nima & Mike
Wer hätte das gedacht, dass wir am heutigen Abend sogar drei Konzerte zu sehen bekommen! Denn The Tunics aus dem Londoner Vorort Croydon haben zum einen die mittlerweile hochgelobten Berliner Newcomer Dance On The Tightrope (ebenfalls Manta Ray Music) und zum anderen ein noch unbekanntes Duo mit dem Namen Nima & Mike mitgebracht.
Auf ihrer kleinen Deutschlandtour stellt uns das noch junge und in England schon so erfolgreiche Quartett nach ihrem 2008 veröffentlichten Debütalbum "Somewhere In Somebodys Heart" sein 2010 in Berlin produziertes zweites Album "Dabbler's Handbook" vor. Sie machen im Hamburger Indra Halt, wo einst die Karriere der damals noch unbekannten Beatles begann. Ob die Auswahl genau dieser Location in ihren Vorbildern The Libertines und wiederum in deren musikalischer Beeinflussung durch die Beatles begründet liegt, wird wohl nur eine vage Vermutung bleiben. Spielten sie in den vergangenen Jahren selbst noch als Supportband bei Bombay Bicycle Club und Nada Surf sind sie dieses Jahr bereits mit ihrer eigenen Headliner-Show unterwegs. Im Berliner Lido präsentierten The Tunics als Auftakt für ihre vier Deutschlandkonzerte bereits am 26. März mit einer Record Release Show & Party das Ergebnis ihres kreativen Schaffens in der deutschen Hauptstadt.
Während sich die Mehrheit des sowohl alters- als auch typenmäßig angenehm durchmischten Publikums noch im gemütlichen Indra-Sommergarten den ersten Drink des Abends gönnt, fängt auf der Bühne bereits um kurz nach acht das Duo Nima & Mike an zu spielen. Wir werden von einem unglaublich guten Auftaktsong der etwas ruhigeren Kategorie (Gesang/Gitarre, Gitarre) überrascht und sofort hellhörig. Das musikalische Intermezzo zwischen melancholischem Gesang und den begleitenden E-Gitarren wirkt harmonisch, lediglich der seltsame modische Stil der beiden Jungs verwundert uns ein wenig. Ihr zweiter Song ist eine wunderschöne Interpretation des von Ewan MacColl geschriebenen und durch die Dubliners/The Pogues berühmt gewordenen Klassikers "Dirty Old Town". Gerade haben wir uns so schön in die Musik reingehört, ist ihr Set nach wenigen Titeln und zwanzig Minuten bereits vorbei. Ihre Musik hat offensichtlich nicht nur uns gefallen, daher fragen wir sicherheitshalber am Mischpult noch nach ihrem Namen, da sich die beiden anfangs gar nicht vorgestellt haben.
Kurz darauf betritt das bereits als Geheimtipp angekündigte Berliner Quartett Dance On The Tightrope die Bühne und steigt dynamisch mit einem satten Sound in sein Set ein. Das stylische Outfit des Sängers und auch das Gesamtbild der Band (Synthie, Drums, Bass, Gesang/Gitarre) sind in sich stimmig und lassen unsere Erwartungen weiter steigen. Sie performen einen perfekt arrangierten Alternative-Indie-Rock Song nach dem anderen, es gibt nicht einen Titel, der aus der Reihe tanzt oder vom Publikum nicht für gut befunden wird. Der Raum wird erfüllt von einem flotten, durchaus tanzbaren Sound, der durch knackige Trommelwirbel über alle Drums immer wieder unterbrochen wird. Schnelle und durchaus schwierige Taktwechsel variieren die Stimmung innerhalb der einzelnen Songs, dabei rundet der intensive Einsatz der teils sphärischen Synthie-Melodien das Gesamtgeschehen ab und prägt den Charakter ihres musikalischen Stils. Auch gesanglich läuft hier alles rund, es ist geradezu unheimlich, wie professionell sich Dance On The Tightrope als Gesamtgefüge präsentieren. Eine großartige experimentelle Performance liefern die vier Berliner gemeinsam am Synthesizer ab, welche melodisch Erinnerungen an die Instrumentalstücke aus den 80igern weckt, jedoch ad hoc durch eine ausgeprägte Trommeleinlage des Drummers unter vollem Körpereinsatz auf der Floor Tom wieder verworfen werden. Selten erlebt man bereits bei der Supportband so ein mitreißendes Konzert, welches die Leidenschaft jedes einzelnen Musikers direkt zum Publikum transportiert. Welch absolut würdige Vorband für The Tunics! Da müssen die jungen Briten sogar ein wenig aufpassen, dass Dance On The Tightrope ihnen nicht die (Headliner-) Show stehlen...
Nach einer kurzen Umbaupause kommen The Tunics um 22 Uhr auch endlich zu ihrem Auftritt. Die Band besteht aus dem Sänger, Gitarrist und Songwriter Joe Costello, Scott Shepherd (Bass), James Booth (Keyboard) und Simon Hargreaves (Drums), und legt direkt mit dem für sie typischen Britpop-/Gitarrenrock los. Der sympathische Frontmann Joe Costello begrüßt nach dem ersten Song ordnungsgemäß das Publikum und verkündet seine Freude über den erneuten Besuch in der Hansestadt. Leidenschaftlich gibt er sich schon im ersten Song seinem Gesang hin, singt teilweise sogar mit geschlossenen Augen, während hinter ihm bereits das Schlagzeug aufpeitscht, sich die Gitarren aufbäumen und er seine Stimme schließlich bis zu einer Art "aufschreiendem" Gesang steigert. Bei dem leicht vom Blues angehauchten Sound in "Winters Tale", sie widmen den Titel charmanterweise ihrer Vorband, kommt Joes charakteristische Stimme im Zusammenspiel mit den kraftvollen E-Gitarren hervorragend zur Geltung. Er beginnt jetzt aktiv die Fans zum Mitklatschen und Tanzen zu animieren, daraufhin steigt die Stimmung zusehends an, es wird fleißig getanzt und mitgeklatscht. Immer wieder wendet er sich zwischen den Songs dem Publikum zu, fragt nach unserem Wohlbefinden, kündigt einzelne Songs an, und fast nach jedem Song bedankt er sich höflich für den Applaus.
Ihr UK-Indierock-Konzept nach dem stilistischen Vorbild der Libertines bleibt stets ablesbar, die musikalische Orientierung erinnert stark an den Sound der Artic Monkeys. Vereinzelte Einflüsse aus dem Bereich der Folk Music vor allem bei "Slaves Ride On These Waves" mit Parallelen zum Klang Bob Dylans – sieht man von der Mundharmonika ab - sind nicht abzustreiten. Bedenkt man das sehr junge Alter der Band (im Schnitt 21), so könnte man behaupten, sie müssten sich noch ihren eigenen Weg durch den Brit-Pop-Dschungel bahnen, um ihr eigenes Profil zu festigen und ihren persönlichen Stil aus der Masse des Angebots und der Vorbilder weiter herauszubilden. Neben "Low", ihrer ersten Singleauskopplung aus dem neuen Album, fallen vor allem die Stücke positiv auf, in denen das E-Piano wie in "I´m Broke/You´re Bored" intensiv hörbar wird, ja sie brennen sich melodisch sogar beim erstmaligen Hören direkt in den Gehörgang ein. Durch die facettenreich gestalteten Stimmungswechsel im Gesang sowie in der instrumentalen Intensität innerhalb der einzelnen Songs, vom ruhigen Gitarrensolo bis hin zu tiefen Basslinien und fetzig-rockigen Drumbeats mit krachendem Schlagzeug ist alles mit dabei, wird der Ausdruck von Gefühlsschwankungen eindrucksvoll untermalt.
Zum Abschluss performen sie schließlich noch den von allen sehnsüchtig erwarteten Erfolgssong "Shine On", der in Deutschland schon 2009 durch die Platzierung auf Til Schweigers Soundtrack zum Film "Zweiohrküken" große Popularität erlangte und verlassen daraufhin zum ersten Mal die Bühne. Heftiger Applaus und ein begeistertes Publikum lassen The Tunics noch einmal zurückkommen, um für uns als Zugabe eine Coverversion von Erasures "A Little Respect" zu spielen. Gegen 23:15 Uhr bedanken sich die sympathischen Briten nochmals bei ihren Fans und wünschen allen einen schönen Abend. Daraufhin entschwinden sie direkt in den Backstagebereich und lassen sich zu unserem Bedauern erstmal nicht mehr blicken.
Mit ihren "Britrockperlen" im Ohr blicken wir äußerst zufrieden auf ein gelungenes und lebendiges Konzert zurück, welches absolut unseren recht hohen Erwartungen entsprechen konnte. Nicht unerheblich hierfür war die Vielseitigkeit der Supportbands durch die der Konzertabend zusätzlich an Qualität gewonnen hat. Wir sind gespannt auf die weitere musikalische Entwicklung von The Tunics und hoffen natürlich sehr, dass sie auch hierzulande auf den Festivals live präsent sein werden. HIER könnt ihr euch nochmal die stimmungsvolle Live-Performance ihres Erfolgstitels "Shine On" anschauen!
Setlist:
Help Is On It´s Way
Winters Tale
Cost Of Living
Slaves Ride On These Waves
Low
Wit And Acid
Do What You Did
Berlin
Radio
Turn Away
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I´m Broke/You´re Bored
You Already Knew
Waiting
Shine On