Tour 2010
Endlich ist es soweit. Der Aereogramme-Nachfolger The Unwinding Hours gastiert in Deutschland. Die kleine Werkstatt in Köln scheint nahezu ausverkauft zu sein. Die etwas drückende Temperatur unterstreicht dies. Die warmen Konzerte beginnen. Nicht nur rein äußerlich, sondern und vor allem heute Abend auch rein innerlich. Das Debüt-Album der Schotten steht seit Februar in den Plattenregalen. Also genug Zeit für die alten Aereogramme und die neuen The Unwinding Hours-Fans sich vorzubereiten.
Um zehn Uhr betreten Craig B und Iain Cook mit ihrer Live-Unterstützung die Bühne. "The Final Hour" macht den Anfang. Ein ruhiges, verschlafenes Intro, welches durch einen erschütternden Schlag aufgeweckt wird, so dass man kurz zusammenzuckt. Fast schon brachial und mit einer gewaltigen Lautstärke dreschen The Unwinding Hours auf ihre Instrumente ein. Gepaart mit dem wellenförmigen, himmlischen, in die Länge gezogenen Gesang des Craig B. Die ungestümen Sounds von Gitarre, Bass, Schlagzeug und Synthesizer werden durch den Gesang beieinander gehalten und formen sich zu einem großen Ganzen. Schon jetzt ist klar, dass hier und heute Abend jeder Song zelebriert wird. "Tightrope" entwickelt sich zu einem catchigen Popsong. "Peaceful Liquid Shell" ist dem nicht weit fern. Einer der stärksten Songs an diesem Abend. Den schon zauberhaften Songs "Little One" und "Annie Jane" folgt ein noch verträumteres "Traces". Nach "Traces" spricht Craig B sehr emotionsvoll zum Publikum und bedankt sich für die Stille während der dargebotenen Ballade. Neben den immer wiederkehrenden Schlafphasen, diesmal im positiven Sinne, gibt es aber auch genug Tracks zum rhythmischen Mitgehen - die Explosion in "There Are Worse Things Than Being Alone" oder das Ende von "Child". Das Mainset wird letztendlich mit dem Prelistening-Track des Debütalbums, "Knut", abgeschlossen. Atemberaubend! Die Wirkung dieses Sets setzt mit großer Sicherheit erst später ein – wenn den Songs vor der heimischen Stereoanlage aber und abermals gelauscht wird. "Knut" elektrisiert jedenfalls nochmals bis in die Spitzen. Verspielte Sphären, hinausgezögerte, verzerrte Klangfarben und eine zarte, umhüllende Stimme.
Natürlich kommen The Unwinding Hours zurück auf die Bühne, bzw. erstmal nur Craig B. Auf der Akustikgitarre lauschen die Kölner erst dem sehr eleganten "Solstice" und dann dem Moment, auf den viele gewartet haben. Nach einigen Zurufen entscheidet sich Craig B einen alten Aereogramme Song zu spielen. Die Wahl fällt auf "Descending". Für Alteingefleischte sicherlich ein weiterer Höhepunkt. Alle Tracks des The Unwinding Hours Debüts wurden bisher gespielt. Was soll denn da jetzt noch kommen, nachdem sich Craig B und Iain Cook früher schon mal dazu geäußert hatten, eigentlich keine alten Aereogramme Songs zu spielen, weil es sich ja bei The Unwinding Hours um eine neue und auch andere Band handelt?! So kommen die Zuhörer in der Werkstatt in den Genuss eine Coverversion des John Parr-Songs "Restless Heart" zu hören. Und nach diesem Ausflug kommt dann doch noch ein Ausflug in die alte Zeit, die eigentlich beiseite geschoben werden sollte. "The Art Of Believe", eine Rarität zu früheren Aereogramme-Zeiten, bildet den Abschluss eines fast anderthalb Stunden dauernden Konzertes.
The Unwinding Hours haben es die ganze Zeit über verstanden ihren gewaltigen Sound mit einer Leichtigkeit zu füllen, so dass man ganz und gar gefesselt wird. Viele Momente zum Träumen und Genießen vereinigen sich so mit Momenten voller Rhythmus und Energie. The Unwinding Hours sind noch im April auf Deutschlandreise – Tipp: Angucken!