Tour 2011
Schweineheiß ist es! Open Air wäre mal wieder was, denke ich mir und laufe etwas abgehetzt und durchgeschwitzt über die Reeperbahn zum Grünspan. The Weakerthans, eine Band, auf die ich schon seit Jahren warte, lässt sich endlich wieder mal in Norddeutschland blicken. Das letzte Mal waren sie zwar vor zwei Jahren in der Nähe, aber das war auf dem Hurricane Festival. Als ich am Grünspan ankomme, sehe ich schon die Band durch den Maschendrahtzaun lachend im Garten auf Biertischgarnituren sitzen. Erleichterung macht sich fürs erste in mir breit, denn ich bin mal wieder viel zu spät und hatte bereits die Befürchtung, ich würde etwas verpassen.
Als ich vor dem Betreten der Halle nochmal schnell auf Toilette sprinte, höre ich jemanden, der sehr nach Thees Uhlmann klingt und auch so aussieht, wie er sich mit einem Freund über nackte Weakerthanssongs- spielende Kerle unterhält. WTF denke ich mir und versuche in der eng stehenden Menge zur Theke und möglichst nah an die Bühne zu kommen. Zum Übel von Fotograf Stefan gibt es heute keinen Graben vor der Bühne, und so kämpft er sich mit Mühe durch die nicht weichende Menge in der Hoffnung, Bilder zu machen.
Um 21:00 Uhr beginnt das Konzert. Mit schlichtem Bühnenbild stehen die fünf auf die 40 zugehenden Männer auf der Bühne und spielen den Opener "Reunion Tour" vom aktuellen Album. Anschließend geht’s nach einem kurzen "It’s great to be here" auch schon weiter mit "Tournament Of Hearts". Der Sound ist ausgewogen, die Jungs sind gut gelaunt, spielen sauber, die Menge steht eher starr, applaudiert nach den Songs aber immer brav und zeigt ihre Begeisterung. Als der fünfte Song "Aside" vom Album "Left And Leaving" ertönt, scheint sich jeder im Raum zu freuen. Ein wenig Bewegung geht kurz durch die Menge, auf der Bühne scheinen sich Gitarrist Stephen Carroll und Basser Greg Smith prächtig zu amüsieren. Die beiden wirken eher wie Anfang 20, wenn man sie zusammen herumalbern sieht. Ebenso entspannt wirkt auch Sänger John K. Samson, der grinsend vor dem Mikro steht und gelegentlich zwischen den Songs Witze macht, die beim Publikum gut ankommen. Jedes Mal lauschen die Gäste anmutig, wenn er beginnt etwas zu erzählen, um dann wie nach einer Rede eines Politikers zu applaudieren.
Und plötzlich läuft auch schon der achte Song. Samson steht allein mit Gitarre auf der Bühne und präsentiert "Big Foot!". Anschließend kommen die anderen vier Musiker wieder zurück und es geht weiter. Wer der fünfte Mann in der Runde ist, wird jedoch nicht geklärt. Weder auf Myspace, noch auf Wikipedia oder sonstigen Internetseiten wird er vorgestellt. Aber schön, dass er dabei ist und die Band mit Gitarre, Orgel und Trompete bereichert. Sowieso begeistern The Weakerthans durch ihre vielseitige Instrumentenwahl mit Keyboard, Akustikgitarre, E-Gitarren, Slideguitar, Schlagzeug und Mundharmonika. Und dann kommt auch noch ein weiterer Musiker auf die Bühne. Samson stellt ihn als seinen besten Freund vor. Gemeinsam spielen sie im Duett "Pamphleteer".
Das gesamte Konzert wird durchzogen von Humor, wunderschönen Songs, viel Schweiß, auch wenn eigentlich alle Anwesenden entspannt stehen und lauschen. Es fühlt sich an wie ein Treffen mit einem guten alten Freund, den man nach langer Zeit wieder trifft und bei mehreren Flaschen Wein die Nacht durch plaudert. Mit vier Zugaben, die letzte davon "Night Windows", schließt das Konzert dann um 22:30 Uhr ab und hinterlässt ein Wohlgefühl bei wahrscheinlich jedem Zuschauer, ob eingefleischter Fan oder mitgeschleppter Unwissender.