Tour 2007 - Support: Jonas Goldbaum, House And Parish
Nach drei Jahren und dem Gastauftritt auf der 2006er Grand Hotel van Cleef Festival-Reihe tourten die Weakerthans mit neuem Album im Gepäck endlich wieder ausgiebig bei uns. Und das nicht zu knapp. Durch viele Touren unter anderem mit Tocotronic und Tomte hatte man schon seit dem Debut Album "Fallow" (1998) eine besondere Beziehung zu Deutschland. Am Sonntag waren die Kanadier aus Winnipeg, aus dem übrigens auch Neil Young ursprünglich herkommt, dann zu Gast im Wiesbadener Schlachthof.
Im Vorprogramm der Weakerthans befanden sich die Wiener Jonas Goldbaum, die mit ihrem deutschsprachigen Rock nahe an die schon zum Mainstream abgedrifteten Sportfreunde Stiller erinnerten. Etwas mehr auf den Rock konzentriert und Verschnörkelungen beiseite gelegt, machten die Ösis einen guten Opening Act. Wahrscheinlich allein schon durch den Wiener-Schmäh eine durchaus sympathische Erinnerung. Neben Jonas Goldabum hatten die Weakerthans noch House And Parish mit an Bord geholt. Eine zusammengewürfelte Band aus Mitgliedern von The Promise Ring, Texas Is The Reason, The Gloria Record und The Love Scene. Ihr aktuelles Album „One, One-Thousand“ ist gerade erst bei Arctic Rodeo Recordings erschienen und von keinem Geringeren als Ian Love (Rival Schools) mitproduziert worden. Man erkennt deutlich die Einflüsse der genannten Bands. Dem alternativen Rockzuhörer dürfte dies gefallen. Melodisch rockig bringen House And Parish mit dem Song „What Am I Still Waiting For?“ ihr Set zu Ende.
„Psalm For The Elks Lodge Last Call“ machte dann den Anfang des Weakerthans Auftritts. „Aside“, „Confessions Of A Futon-Revolutionist“ oder „Civil Twilight“ vom aktuellen Album „Reunion Tour“ folgten und ließen im ersten Moment die Ohren der Zuhörer im Schlachthof förmlich wegsprengen. Denn der Sound im ehemaligen städtischen Schlachthaus war nicht der allerfeinste. Doch der zustimmende Applaus der Wiesbadener und der Angereisten aus der Umgebung zeigte, dass dem Großteil das schlichtweg egal war. Der Mix aus Alternative, Punk und Folk bis hin zu Singer-/Songwriter Melodien verbreitete einfach ein sehr harmonisches Gefühl und ließ mal für anderthalb Stunden den etwas zu kratzigen Sound vergessen. Schließlich konnte man sich bei Songs wie „Pamphleteer“, „Left And Leaving“ oder „Sun In An Empty Room“ auch zurücklehnen und die leisen Töne auf sich wirken lassen.
Ich weiß nicht was es ist, was die Weakerthans so unglaublich sympathisch macht. Man glaubt einfach das, was man sieht. Ich habe mal zu einem Kollegen gesagt, dass man als Fan, und als solcher würde ich mich jetzt mal bezeichnen, keine Reviews seiner Lieblingsgruppen machen sollte, weil es einfach an der Neutralität fehlt. Jedoch bezweifle ich, dass es irgendwo Kritiker gibt, die nicht in irgendeiner Art und Weise von den Weakerthans berührt werden. Der Musiker Olli Schulz sagte mal, wenn einer eine Weakerthans CD kauft und ihm die nicht gefällt, dann soll er zu ihm kommen und er bekomme sein Geld zurück. Irgendwo gefallen wird diese Musik jedem, behaupte ich jetzt einfach mal.
Skeptisch war der ein oder andere bestimmt nach den ersten Durchläufen des neuen Albums „Reunion Tour“. Man hatte schließlich gute vier Jahre gewartet und mittlerweile waren nicht wenige Ansprüche entstanden. Nach drei wirklich zauberhaften Platten, „Fallow“ (1998), „Left And Leaving“ (2000) und „Reconstruction Site“ (2003), auch kein Wunder. Doch live machten sich die neuen Songs sehr gut und schufen teilweise genauso ein vertrautes Verhältnis zu einem wie die älteren Songs. Dabei stach der zweite Teil der Geschichte um die Katze Virtute, „Virtute The Cat Explains Her Departure“, sicherlich heraus und rührte schon fast wie bei „Left And Leaving“ zu Tränen. Doch nicht nur die gefühlstechnische Umsetzung war gegeben, auch choreographisch hatten die Weakerthans einen drauf gelegt. Mit Jim Bryson, einem kanadischen Singer-/Songwriter, hatten die Weakerthans tatkräftige Unterstützung und somit eine zusätzliche Gitarre und ein Keyboard, das so manche Songs, wie bei „Reconstruction Site“, fülliger erschienen ließ. Bei „The Reasons“ wirbelte man somit synchron mit vier Gitarren.
Mittlerweile nicht mehr Ganz-so-neu Bassist Greg Smith, der 2004 für John P. Sutton einsprang, hatte deutlich erkennbar am meisten Spass. Gitarrist Stephen Carroll, der hin und wieder auch mal zur Lap-Steel-Gitarre wechselte, entzückte mit seinem Whirly-Wind, ein so genanntes Heulrohr, bei „Elegy For Elsabet“ und Sänger und Frontmann John K. Samson hinterließ bei „One Great City!“ seine Hommage an die Stadt Winnipeg. Nach 22 Songs inklusive zweier Zugaben verabschiedeten sich die Kanadier mit „Everything Must Go!“.
Selten habe ich mich bei Musik so wohl gefühlt. Einige sprechen von guten Freunden, andere von nach Hause kommen. Ich weiß nur, dass es einfach schön ist, zeitlos. Liebevoll im Umgang mit der eigenen Musik und vor allem mit den Menschen drum herum. Bitte noch ganz oft wiederkommen. „Singing the sound that you found for me“.