The Weakerthans

Tour 2008 - Support: Felix Gebhard (Home Of The Lame), Christine Fellows

07.06.2008 Zakk / Düsseldorf

Von: Simon Baranowski

The Weakerthans Düsseldorf

Nachdem im Winter 2007 die Weakerthans schon durch Europa tourten, sind sie nun in diesem Sommer wieder zurück, um neben ausgewählten Festivals auch in einigen Clubs zu spielen. So durften sich abermals die Düsseldorfer freuen, denn im Zakk gastierten die vier Kanadier schon öfter. Als Support waren diesmal Christine Fellows mit dabei und vom Hamburger Grand Hotel van Cleef Label Felix Gebhard, der sonst mit seiner Band Home Of The Lame unterwegs ist.

Das Konzert fing für viele überraschend sehr früh an. Schon um halb acht betrat Christine Fellows die Bühne und spielte ihr zwanzigminütiges Warmmachset. Das hing vor allem damit zusammen, dass der Veranstalter, das Düsseldorfer Zakk, um zehn Uhr die samstägliche Disco nicht nach hinten verlegen wollte. So gab es also etwas früher als geplant Songwriter-Folk ebenfalls aus Kanada. Christine Fellows ist übrigens die Ehefrau von Weakerthans-Frontmann John K. Samson, der etwas versteckt im hinteren Teil des Zakks seiner Frau zuschaute. Eine sehr klare Stimme zeichnet Fellows aus, textlich sehr poetisch. Melodisch experimentierfreudig, ausgestattet mit Synthesizer oder aber auch einer Ukulele. Unterstützt wurde Fellows bei einigen Stücken von Weakerthans-Schlagzeuger Jason Tait. Man merkte, dass das alles irgendwie eine Familie ist. Neben ein paar Songs des aktuellen Albums „Nevertheless“, fiel vor allem der Song „Migrations“ aus dem Jahr 2005 auf.

Zwischen den Musikern aus Winnipeg schlich sich dann Felix Gebhard auf die Bühne. In letzter Zeit war Felix Gebhard wohl intensiver als zuvor mit seiner Band Home Of The Lame unterwegs, so dass es nicht mehr oft dazu kam, dass er alleine mit Akustikgitarre nun ein Publikum unterhalten musste. Zudem kam seine Phobie für die Bühne im Zakk dazu, wie er selber zugab, da er hier mal einige Textunsicherheiten zeigte. Diese wurden dann auch noch von einigen schreibenden Journalisten gnadenlos ausgenutzt und Gebhard kam nicht gut weg. Doch in den knapp fünfundzwanzig Minuten, die er nun zur Verfügung hatte, sollte er es wieder gut machen. Textsicher, bei neuen und älteren Songs. Trotz fehlender elektrischer Unterstüzung, wie bei „Big Machines“ oder „Engine“. Eine gute Mischung gelang dem Wahl-Hamburger zwischen rockigen Nummern, falls man davon reden kann, wenn jemand alleine mit der Akustikgitarre auf der Bühne steht, als auch von langsameren Stücken wie es vor allem „Girl, Park, Cigarette Machine“ oder auch der Closer „Habitat“ zum Ausdruck brachte. Stimmlich sehr klar und intensiv. Sicherlich dürfte Gebhard die eine oder andere CD verkauft haben nach diesem soliden und guten Auftritt.

Um halb neun dann betraten die Weakerthans die Bühne. Das Zakk füllte sich erst so langsam. Insgesamt waren nicht ganz so viele Besucher da wie vielleicht erwartet. Die Weakerthans haben eigentlich gerade in Deutschland immer einen guten Stand gehabt und ihre Konzerte waren bis dato immer recht gut besucht. Aber diesmal konnte man bequem durch die ersten Reihen gehen und sich ein gutes Plätzchen aussuchen. Das tat der Qualität des folgenden Auftritts aber keinen Abbruch. Im Gegenteil. Die Weakerthans präsentierten sich gekonnt sicher auf der Bühne. Sie machten keinen Heckmeck und versuchten in der knappen Zeit, die ihnen bemessen wurde, viele Songs unterzubringen. So wurden die Zuschauer mit dahin fließenden Balladen und knackigen Rock-Songs von vorne bis hinten versorgt. Eine gute Mischung aus den letzten drei Alben der Kanadier. Es fällt auf, dass aus dem Debütalbum „Fallows“ von 1997 immer weniger Songs gespielt werden. Bis auf „Confessions Of A Futon-Revolutionist“ schafft es kaum ein Song ins Mainset. Schade eigentlich, denn „Fallows“ steht den anderen Alben in Nichts nach. Der 2000er Klassiker „Left And Leaving“, „Reconstruction Site" (2003) und "Reunion Tour" (2007) werden und wurden so wesentlich mehr berücksichtigt. Mit „Our Retired Explorer“, „Aside“ oder „The Reasons“ wird gerockt und mit der immer wiederkehrenden Rockerpose von Gitarrist Stephen Carroll und Basser Greg Smith geprahlt. Übertrieben symphatisch. Ruhige Songs wie „Left And Leaving“ sind mittlerweile Klassiker. Ebenso der Einsatz des Heulrohrs bei „Elegy For Elsabet“. Die Weakerthans lassen nichts anbrennen, beide Songs über die Katze Virtute („Plea From A Cat Named Virtute“ und „Virtute The Cat Explains Her Departure“) sind genauso im Set untergebracht wie die beiden von Maler Edward Hopper inspirierten Songs „Sun In An Empty Room“ und „Night Windows“. Christine Fellows machte bei vielen Songs aus dem Vierer einen Fünfer und unterstütze mit Background-Gesang und Tasteneinsatz die Band ihres Gatten. Die Weakerthans bringen mit „One Great City“ die Zuschauer zum dahinschmelzen und schließen ihr Mainset mit „Without Mythologies“, im Gegensatz zum Titel, ganz und gar nicht ohne einen mythischen Ausdruck. Gänsehaut.

In den folgenden zwei Zugabenteilen kommen vor allem mit „Watermark“ und „Pamphleteer“ wohl zwei der beliebtesten Weakerthans Songs zum Vorschein. „Pamphleteer“ ist auch gleichzeitig der musikalische Schlusspunkt, zumindest bei den Weakerthans. Pünktlich um zehn Uhr ist es dann auch schon wieder vorbei. Das Zakk lässt es sich nicht nehmen und besteht auf die Mainstreamrock-Unterhaltung im Anschluss. Musikalisch gesehen ist nichts auszusetzen. Der Sound war gut abgemischt und die Musiker gaben sich gekonnt professionell, locker und spielfreudig. Allerdings könnte man an der Planung, zumindest was die Wochenend-Shows anbetrifft, etwas ausgefeilter ans Werk gehen. Auf vielen Eintrittskarten stand nämlich immer noch 20:00h Beginn, so dass bei dem Vermerk von zwei Vorbands viele nur die Hälfte dessen mitbekamen, was eigentlich im Zakk los war.

Die Weakerthans sind noch bis einschließlich Hurricane und Southside Festival in Deutschland unterwegs. Hingehen, lohnt sich.

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