The Whigs

THE WHIGS & DEAD CONFEDERATE - Tour 2011

18.02.2011 Luxor / Köln

Von: Thomas Kröll

The Whigs Köln

Köln bildet den (deutschen) Abschluss der gemeinsamen Europatournee von The Whigs und Dead Confederate. Beide Bands sind im US-Bundesstaat Georgia beheimatet, genauer gesagt in Athens, der Stadt, die ja bekanntlich mit R.E.M. ein musikalisches Schwergewicht vorzuweisen hat. So weit wie die Kollegen um Michael Stipe sind The Whigs und Dead Confederate zwar noch nicht, aber trotzdem hat die Zweierkombination auch hierzulande schon auf sich aufmerksam machen können. The Whigs spielten bereits vor drei Jahren ein paar Häuser weiter im Blue Shell, begleiteten jüngst die Kings Of Leon auf deren Deutschland-Tour und haben im vergangenen November ihr drittes Album "In The Dark" veröffentlicht. Dead Confederate durften immerhin schon Genregrössen wie Dinosaur Jr. oder die Meat Puppets supporten und legten Anfang diesen Monats mit "Sugar" ihr zweites Album vor (neben zweier EPs).

Leider hält sich die "Menge" im Luxor heute abend in überschaubaren Grenzen. Auf der einen Seite schön, dass man den legendären Club an der Luxemburger Strasse zur Abwechslung mal gemütlich finden kann, andererseits aber sehr schade für das beteiligte Band-Doppelpack. So beginnen The Whigs ihr Set leicht verspätet, doch mit 19.15 Uhr immer noch recht früh für einen Freitagabend. Kein Wunder allerdings, wenn man weiß, dass ab 22 Uhr eine Ärzte-Fanparty auf dem Luxor-Programm steht. Parker Gispert (Gesang, Gitarre), Bassist Tim Deaux und Drummer Julian Dorio verlieren dann auch keine weitere Zeit und rocken mit "Like A Vibration" gleich richtig los. Bereits nach "Dying" (vom aktuellen Album) hat ihr Auftritt nur drei Buchstaben verdient: Wow! Ein dick waberndes Stück Stoner-Rock (früher Grunge genannt), mit einem hypnotischen Basslauf, der in einem nicht enden wollenden Jam förmlich explodiert! Überhaupt entwickeln die Songs live sehr viel mehr Druck und Dynamik als in der Konserve. Sei es "Already Young", "Hot Bed" oder "Right Hand On My Heart" (bei dem Parker Gispert kurzzeitig einen falschen Text singt), das alles ist pure Partymucke. Besonders Gispert hüpft wie angestochen über die Bühne, bearbeitet seine Gitarre im Liegen oder wechselt zwischendurch auch mal ans Keyboard. Die Fans lassen sich schnell von der guten Laune des Trios anstecken und tanzen sich die Füße wund, während The Whigs 45 Minuten lang Alternative Rock der Extraklasse zelebrieren. Ein viel zu kurzer, dafür aber grossartiger Auftritt! Und angesichts ihres Gitarrengewitters danke ich Gott im stillen, dass ich mir diesmal Ohrstöpsel eingepackt habe...

Nach einer kurzen Umbaupause tauchen anschließend Dead Confederate aus dichten Nebelschwaden auf und lassen erstmal eine Soundwand psychedelischen Ausmaßes vom Stapel ("By Design"). Gitarrist Walker Howle und Schlagzeuger Jason Scarboro scheinen nur aus Haaren zu bestehen und Sänger Hardy Morris hat live eine für seine Statur (Marke "Spargeltarzan") erstaunlich markante Stimme. Der Mann ist die Wiedergeburt von Kurt Cobain im Körper von Mudhoney`s Mark Arm. Auch Dead Confederate stampfen fett durch ihre Songs. Höhepunkte dabei sind der Titeltrack des neuen Albums "Sugar" oder das wunderbar sphärische "News Underneath". Im Gegensatz zu ihren drei Mitstreitern vorher verzichtet die Band allerdings bis auf ein paar gelegentliche "Thank You" weitestgehend auf Kommunikation mit dem Publikum. Das nickt nun auch eher bedächtig mit dem Kopf und lässt sich ansonsten von den voluminösen Klanggebilden des Quintetts wegblasen. Dead Confederate spielen exakt soviele Songs wie The Whigs (nämlich zehn), brauchen dafür jedoch um einiges länger, was schon den entscheidenden Unterschied zwischen beiden Bands deutlich macht. Auch wenn sie sich musikalisch nahe stehen, bringen The Whigs die Dinge eher auf den Punkt, während Dead Confederate gerne noch eine Zeitlang darum herumschweifen. Trotzdem ein nicht weniger überzeugender Auftritt der Mannen um Hardy Morris.

Alles in allem zwei sehr coole Gigs, die so manche Erinnerung an die guten alten Flanellhemd-Zeiten in den Neunzigern wachgerufen haben. Und ebenso wie jene, die damals Pearl Jam oder Soundgarden in irgendwelchen kleinen Clubs gesehen haben und dafür heutzutage von jedem beneidet werden, so können in ein paar Jahren auch alle, die heute im Luxor anwesend waren, stolz darauf sein, The Whigs und Dead Confederate in einem solch intimen Rahmen erlebt zu haben. Denn dass beide Bands über kurz oder lang in grösseren Hallen ankommen werden, daran besteht nach diesem Abend kein Zweifel mehr.

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