Till Kersting

Waiting For Tomorrow Tour 2009 - Support: ElDorado Cats

20.04.2009 Blue Shell / Köln

Von: Thomas Kröll

Till Kersting Köln

Till Kersting muss heute gegen den undankbaren Montagabend und die frühsommerlichen Temperaturen ankämpfen. Zwei Umstände, die den Besuch einer Kneipe oder eines Clubs nicht gerade reizvoller erscheinen lassen. Dennoch ist das Blue Shell gut gefüllt. Till Kersting hat hier quasi ein Heimspiel und so haben viele Freunde des Wahl-Kölners trotzdem den Weg in die Luxemburger Strasse gefunden. Ende März veröffentlichte er sein zweites Album "Waiting For Tomorrow" (hier ein Review), mit dem er jetzt also auf Tour ist. Begleitet wird er dabei von Bert Smaak (u.a. Purple Schulz) am Schlagzeug und dem Bassisten Gregor Kerkmann (u.a. Erdmöbel). Till Kersting selbst spielt Gitarre und singt.

Bevor das Trio jedoch startet, kommen die Fans zunächst in den Genuß der ElDorado Cats, bestehend aus Ilona Gerulat und Daniela Panteleit, die auch die Backingvocals auf Till Kerstings aktuellem Album übernommen haben. Eine fünfzehnminütige Mischung aus Space Pop und Electro Trash, gespickt mit allerlei Loops und Samples. Da werden die Anwesenden auch mal gerne als Percussionisten verpflichtet, wenn die Loop-Machine streikt. Chaotisch, schräg, skurril, aber nett und mit viel Witz. Sogar ein Gremlin ist mit auf der Bühne (es ist der gute alte Gismo).

Die gehört dann für die nächsten knapp anderthalb Stunden Till Kersting, Bert Smaak und Gregor Kerkmann. Die Drei legen gleich mit viel Power, der Single "Try A Little Bit Harder" und "Cat Got My Tongue" los. Der Sound ist laut, aber so soll es schließlich sein. Neben den vielen rockigen Momenten ("Lie On Me"!) kommen auch Pop ("She Wants You") und Soul ("Who Are You") zu ihrem Recht. Zwischendurch wird immer wieder ein gepflegter Jam eingestreut und Till Kersting zeigt seine Klasse an der Telecaster, wofür er wiederholt verdienten Szenenapplaus erntet. Auf welch vielseitige Art und Weise er sein Handwerk versteht beweisen auch die Countryballade "Why" oder der reinrassige Bluesstampfer "Girls Girls Blues". Davon, dass er darüberhinaus über jede Menge Gefühl verfügt, zeugt das sehr schöne "Room At The Pub".

Stimmlich erinnert Till Kersting ein wenig an einen anderen grossen Kölner Musiker. Wenn man die Augen schließt, hat man insbesondere bei seinen Ansagen das starke Gefühl, auf einem Wolf Maahn-Konzert zu sein. Die Setlist beinhaltet natürlich das komplette "Waiting For Tomorrow"-Album, dazu einige Songs des Debüts "Changing Faces" von 2006 wie "Girls, Girls, Everywhere" oder "Loving You Is A Wonder" und "If You Ever Had It Better" im Zugabenblock. Das alles wird mit viel Spielfreude und handwerklicher Perfektion vorgetragen. Das Trio hat sichtlich Spass an dem was es da tut und kommt dabei sehr sympathisch rüber. Die Fans jedenfalls lassen sich von der abwechslungsreichen Mischung vor ihnen auf der Bühne zu Recht mitreißen. Spätestens nach diesem Konzert kann man sicher davon ausgehen, dass wir von Till Kersting noch viel Gutes hören werden. Im wahrsten Sinne des Wortes!

Als ich später über die Severinsbrücke nach Hause fahre und auf das Panorama von Köln mit seinem beleuchteten Dom blicke, bin ich froh, dass ich dem Blue Shell trotz Montagabend und Biergartenwetter einen Besuch abgestattet habe. Ansonsten hätte ich einen absolut überzeugenden Auftritt verpasst.

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