Till Kersting

Schul-Tour 2010 - Support: Eldorado Cats

06.05.2010 Blue Shell / Köln

Von: Thomas Kröll

Till Kersting Köln

Als ich Till Kersting vor fast genau einem Jahr das erste Mal live gesehen habe, damals ebenfalls im Blue Shell, konnte man im T-Shirt durch die Luxemburger Strasse spazieren. Heute hingegen herrscht in Köln ganz bescheidenes Wetter und ohne dicke Jacke und Kapuze wäre ich diesmal wohl völlig durchnässt angekommen. Das Blue Shell hat an- und umgebaut und tatsächlich riecht es im Inneren noch ein wenig nach frischer Farbe. Leider ist eine der Konsequenzen, dass drinnen bis nach dem Konzert nicht geraucht werden darf. Also muss ich doch nochmal raus in den Regen. Am 12.05. wird die Neueröffnung dann ganz gross gefeiert. Mit Freibier, The Smack und Urlaub In Polen.

Erstmal aber ist Till Kersting angesagt und der hat hier heute quasi ein Heimspiel. Zwar kommt der 32-jährige ursprünglich aus Kassel, lebt aber schon seit seiner Zivildienstzeit in der Domstadt. Dementsprechend gut gefüllt ist das Blue Shell. Neben mir steht ein Typ, der aussieht wie Adel Tawil von Ich + Ich. Nach genauerem Hinsehen beschließe ich aber, dass er es doch nicht ist. Till Kersting ist noch bis Ende des Monats auf Schul-Tour. Das bedeutet, dass er in der jeweiligen Tourstadt vor dem eigentlichen Konzert eine Schule besucht und dort im offenen Dialog mit Schülern und Lehrern Workshops gibt und so den Alltag eines Musikers fernab des Casting Show-Hypes in die Klassenzimmer trägt. Ein tolles Konzept, das nach eigener Aussage auch begeistert aufgenommen wird! Bewerbungen unter www.tillkersting.de sind weiterhin möglich.

Unterstützt wird Till Kersting dabei ebenso wie im Blue Shell von Philipp Anton am Bass sowie Moritz Gross hinter dem Schlagzeug. Zunächst aber stehen die Eldorado Cats auf dem Programm. Eine gute halbe Stunde heizen Lucy Karashigo und Peggy Sugarhill den Anwesenden mit ihrem Space Pop und Electro Trash ein, gespickt mit allerlei Loops und Samples. Kaum zu beschreiben, weil herrlich verrückt. Zwischendurch gibts sogar zwei gepflegte Country-Einlagen. Im wirklichen Leben heißen die beiden übrigens Ilona Gerulat und Daniela Panteleit und haben auf dem (immer noch) aktuellen Till Kersting-Album "Waiting For Tomorrow" die Backingvocals übernommen.

Aus "Waiting For Tomorrow" speist sich dann auch der Großteil der Songs in Till Kerstings eigenem Set, der Titelsong als Opener. Die Mischung aus Pop, Rock und Americana geht sofort in die Beine und das Trio macht einen lockeren und symphatischen Eindruck. Es wird viel geflachst auf der Bühne. Till Kersting nutzt die Zeit immer wieder zu einigen ausgiebigen Soloausflügen an seiner Telecaster und kündigt nebenbei ein neues Album für das kommende Jahr an. Zwei neue Stücke hat er heute schon mit im Gepäck. "Das kleine Hippiemädchen" und die Hommage "Köln ist eine schöne Stadt". Die Fans dürfen ihm zurufen, was ihnen an Köln besonders gefällt und schließlich baut er den Rhein und den FC spontan in den Song mit ein. Eine gute Wahl! Andere Vorschläge sind noch die Südstadt, der Zoo, Ehrenfeld und... das Pascha (wer jetzt nicht weiß, was das ist, der kann es ja mal googeln). Offensichtlich hat Till Kersting beschlossen, zukünftig auf Deutsch zu singen. Wie auch immer, auf das neue Album darf man sich zweifellos freuen!

"Kersting live, das ist wie Schokosoße, Erdbeerquark und Chilischoten" heißt es in der Konzertankündigung und das trifft es ziemlich genau. Da groovt es an allen Ecken und Enden und artet auch mal in einen fetten Blues-Stampfer aus. Back to the roots sozusagen. Knapp anderthalb Stunden lang geben Kersting, Anton und Gross richtig schön Gas, sei es mit "Lie On Me" vom Debütalbum "Changing Faces" von 2006, dem sehr geilen "Melancholy Blue" oder "Try A Little Bit Harder". Längst ist das Blue Shell zu einer einzigen Tanzfläche mutiert. Da aber um 23 Uhr mit "Avantgarde Loves You" bereits der nächste Dance-Event ansteht, müssen die Drei pünktlich Feierabend machen. Langanhaltender Applaus ist der Lohn für eine energiegeladene Show, die leider viel zu früh endet. Ein Abend mit Abgeh-Nummern, aber auch einigen melancholischen Momenten, der richtig viel Spass gemacht hat. Und im nächsten Jahr treffen wir uns alle an gleicher Stelle wieder.

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