Tocotronic

Tour 2005

04.04.2005 Capitol / Hannover

Von: Liane Hübner

Tocotronic Hannover

Was haben wir erwartet, nichts! Das Nichts hatte Trainingsjacken und Schlaghosen an, entstammte vermutlich der Hannoveraner Jugend- Subkultur und saß im Schneidersitz vor der Bühne! Wartend auf das Happening und Tocotronic!

Doch vorerst, Synthie-Gitarren, melodiös seicht, die Vorband La Grande Illusion aus Hamburg. Ein Mann, eine Frau, Sie im zarten Sommerkleid, er mit Anzug rausgeputzt. 2 Gegensätze, auch stimmlich. Ruhiger deutscher Gitarrenpop.

Dann aber: 22.00 Uhr Live vor Ort, Mit einem Intro von Prokofiew eingeläutet: „TOCOTRONIC“ Ein ruhiger Song erklingt "Ich habe Stimmen gehört, ich habe Dinge gesehen, die waren so schön wie nichts auf dieser Welt", Dirk von Lowtzow, der Sänger, sieht so aus, als müsste er gleich weinen, ob die Musik bei ihm noch viel mehr Emotionen als beim Publikum auslöst? Rebellischer hingegen: „All das mag ich...Aber hier leben , Nein danke!“ Ein wenig Rock kann man nicht leugnen, auch das Publikum hat diesen Wink verstanden und ein leichter Ansatz des Pogens macht sich breit! Und die Mitte wird warm. Die erste halbe Stunde von Songs ist eine kleine Zeitreise durch die letzen 3 Alben.

„Und nun liebe Leute unter uns, das Narrenschiff sticht in See“, dabei ist nichts anderes gemeint als das Lied "der 8te Ozean!“ Von Sirenen ist die Rede! Erinnerungen über Sindbads Reisen machen sich breit, war da nicht auch eine Sirene im Spiel, welche ihn fast in den Wahnsinn trieb. Wahnsinnig ist auch das extreme Gefühl mit welchem sie ihre Texte zelebrieren. Leider war die Akustik nicht ganz auf Verständigung eingestellt, kennt man die Texte nicht schon vorher, ist hohe Konzentration angesagt! Küss mich, küss mich bis ich nicht mehr kann... Unzählige Mädchen lassen den Blick nun noch länger auf den 4 Jungs haften. Vielleicht ist es aber auch der pinke Buffy Print "the Vampire Slayer" der die Frauenwelt fesselt! Sie erinnern ein bisschen an ein 70er Jahre Movie. Mit ihrem Britpop-Haarschnitt, welcher damals in Deutschland eine wahre Hysterie auslöste und "Strähnen müssen ins Gesicht fallen" publik machte. Ihr Kleidungsstil hingegen ist größer geworden, weg von den Trainingsjacken, hin zu schwarzen Hemd und Sackohose... Sehr Uni. Die Musik ebenfalls Uni-kat, deutscher tiefgründiger Rock der von „Wir sind Helden Sympathisanten“ wohl genauso gern wie von „Sport Freunde Stiller Freunden“ als musikalische Leibspeise genehmigt wird.

Tocotronic lieben ihre Instrumente, und Rick Mc Phail, der Neue vom einstigen Dreiergespann liebt Tocotronic! Mit „ Pure Vernunft“ wird die Liebe für einen Montag Abend beendet! Oder doch nicht ganz? Arne Zank, Jan Müller und Dirk von Lowtzow kommen als die dreisten 3 zurück auf die Bühne! 3 Zugaben, ein wahrer Rock-Clash den sie darbieten. Der Verstärker wird malträtiert, der Bass vergewaltigt und das Schlagzeug verprügelt. Nebelschwanden umwarben den Raum! WIR WAREN, SIND UND BLEIBEN TOCOTRONIC! Trainingsjacken erheben sich aus ihrem Schneidersitz, und zurück bleibt ein gelungenes Konzert! Na denn, bis zum nächsten Mal

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