Summer Open Air 2005 Support: Tom McRae
"I´m meltin´ away...", ist die treffendste Textzeile, die den Abend in der Bonner Museumsmeile beschreiben kann. Das lag zum einen an den mehr als 30 Grad Celsius, die noch um 19 Uhr herrschten und zum anderen an der sehr gefühlvollen Musik, die Tori Amos vorgetragen hat.
Beim breiten Publikum zählt sie wohl zu den unbekannten Berühmtheiten der Musik. Vielen ist einzig ihr Name und das Cornflake Girl, mit dem sie 1994 in Großbritannien einen Top-Ten-Hit landete, ein Begriff. Schade eigentlich, denn musikalisch ist sie vielleicht nicht massenkompatibel, aber dennoch sehr zu empfehlen. Gut ausgewählt ist der musikalisch artverwandte Support von Tom McRae. Er spielt seine Lieder auf der Akustikgitarre und hat zur Unterstützung noch einen Cellisten dabei. Ruhig und schön, auch wenn ich mir keine einzelnen Titel merken konnte.
Tori Amos betritt die Bühne in einem wallenden blassrosa Kleid und begrüßt die Gäste mit einem lockeren Spruch über das heiße Sommerwetter und dass es selbst ihr als Hitzeerfahrene einen Tick zu warm sei. Sie fordert das Publikum auf, die Augen zu schließen und während der Musik an kühles Wasser zu denken. Opener des Abends ist "Original Sinsuality". Richtig gut ist ihre Einlage bei dem Song "Martha´s Foolisch Ginger". Sie nutzt ihren Flügel als Percussion und trommelt singend zu dem Stück. Das sind so die kleinen Dinge, die ein Konzert ausmachen. Originell, improvisiert und gut.
Ihr nächstes Stück "Happy Phantom" unterbricht sie nach kurzer Zeit um zwei Fans auf noch freie Plätze in der ersten Reihe zu lotsen. Die naturgemäß etwas schüchtern reagierenden Fans (wann wird man schon einmal persönlich von seinem Star in die erste Reihe gebeten?) werden von ihr mit den Worten "I won´t bite you" gelockt. Ein wenig weihnachtlich wird es im Anschluss mit dem Cover-Song "Vincent". Tori spielt das Lied an, unterbricht aber nach kurzem wieder. Sie hat sich offenbar verspielt (mir wäre es nicht aufgefallen) und will vom Publikum wissen, was "I fucked up" auf Deutsch heißt. Unter allgemeinem Gelächter spielt sie den Song erneut und zwar so gefühlvoll, dass man einfach nur hingerissen sein kann.
Einen äußerst sympathischen Eindruck hat Tori Amos bei ihrem Konzert hinterlassen und damit mit Sicherheit nicht nur die eingefleischten Fans zufrieden gestellt, sondern auch eine Menge neuer Freunde ihrer Musik gewonnen. Mit kleinen Einlagen und Geschichten zum Beispiel aus ihrer Zeit als Pianospielerin in einer Washingtoner Bar lockerte sie den Abend immer wieder auf und beeindruckend ist ihr unkonventionelles Spiel. In manchen Songs spielt sie mit der rechten Hand auf der Orgel und mit der linken auf dem Flügel. Ungewöhnlich an ihrem Auftritt ist ebenfalls, dass sie auf der Bühne alleine die Konzertlänge bestreitet. Ungewöhnlich und gut. Die Musik selber lädt immer wieder zum Loslassen und Dahinschmelzen ein. Unter persönliches Schicksal muß ich dann wohl verbuchen, dass meine Begleitung ebenfalls männlich ist und somit der Kuschelneigungs-Faktor beim Öffnen der Augen auf einen Wert gegen Null fällt...