Trashfest

Trashfest II mit Mortiis, Dope Stars Inc., Private Line, Stereo Junks! uvm.

20.03.2009 Gloria / Helsinki

Von: Melanie Schupp

Trashfest Helsinki

Hinsichtlich Festivals und Konzerte der düsteren Sparte stellt Helsinki schon seit langem ein internationaler Treffpunkt dar. Doch dies weniger bei den geladenen Bands, die meist eher aus den eigenen Reigen oder aus Europa stammen, sondern mehr was das Publikum anbelangt. Dieses kommt regelmäßig aus allen Herren Länder angereist um diversen Events beizuwohnen. Was diese Stadt und vor allem Veranstaltungen IN dieser Stadt so besonders macht, hieß es heraus zu finden.

Geeignet dafür schien das Trashfast, das im Jahr 2009 in seine zweite Runde ging – also noch recht frisch. Organisatorisch steckte hinter der ganzen Sache Mama Trash (darum auch der Name des Festivals), die sich aufopfernd für Bands einsetzt und offensichtlich ihr Leben der Musik verschrieben hat. Kein Wunder, dass die Musiker auch sofort an Stelle waren, als sie zum Festival aufrief. Das Besondere an dem Festival ist, dass kaum weltweit bekannte Headliner auftreten, sondern mehr kleine aufstrebende Bands ihre Chance bekommenÂ… und mindestens ebenso willkommen sind wie namhafte Idole.

Aus den kalten, windigen Gassen Helsinkis trieb es die Konzertbesucher ins Gloria. Eine nette mittelgroße Location über zwei Stockwerke. Wie immer gab es auch hier keinen Alkohol im Erdgeschoss und nur Zutritt ab 18 Jahren ins obere Stockwerk wo sich der Alkoholausschank befand. Doch auch von oben bot sich die Möglichkeit den Konzerten beizuwohnen. Über den großen innen liegenden Balkon, der sich ringsum zog konnte man gemütlich Bands als auch Publikum zusehen. Und zu sehen gab es genug. Am ersten Tag, dem 19.03. läuteten die New Generation Superstars aus England das Fest ein. Leider fanden sich zur frühen Stunde noch nicht so viele Leute ein und auch das Aufwärmen des Publikums gestaltete sich etwas schwierig. Doch die Jungs von NGS spielten ihr Set trotz allem voller Energie und als sei die Halle voll bis unters Dach. An Professionalität mangelte es ihnen nicht, ebenso wenig an musikalischem Können und Glaubwürdigkeit.

Dann folgte der Schlagabtausch mit Violent Divine. Diese hatten einen nicht ganz so langen Reiseweg. Aus Schweden, das ja direkt um die Ecke liegt, brachten die vier Musiker knackige Riffs und Rocksound mit, dass der Boden bebte. Mehr und mehr Zuschauer trudelten nach und nach ein, denn im Anschluss wurden Dope Stars Inc. aus Italien erwartet. Auch wenn diese nicht den offiziellen Headliner darstellen, so konnte man dein Eindruck gewinnen sie seien eben dies. Zum Beginn der Show war das Gloria komplett mit Zuschauern gefüllt. Die Spannung und Vorfreude im Saal war förmlich greifbar. Als die Italiener die Bühne betraten erklang auch schon erwartungsvoller Applaus. Und vor Videoprojektionen vom Feinsten starteten DSI auch sogleich durch und rissen ihre Fans mit. Das neue Gesicht hinter dem Mischpult, das zu Ash Rexy gehörte, fügte sich perfekt in das Gesamtbild neben Sänger und Gitarrist Victor Love, Bassist Darin Yevonde und Gitarrist La Nuit ein. Das Gloria bebte – von der ersten Sekunde an tanzten die Leute zu den elektronisch gepägten Songs und die Band spiegelte die großartige Stimmung auf der Bühne wider. Die Setlist enthielt eine gute Mischung aus vielerlei Hits der alten Tage als auch der brandneuen EP, so dass die Masse nicht aus dem Tanzen rauskam. Die blitzartigen Projektionen im Hintergrund hätten unter Umständen epileptische Anfälle verursachen können. Dope Stars Inc Alben kann man lieben oder hassen, doch eines beweist die Band immer wieder aufs Neue: ihre qualitativ sehr hochwertige und mitreißende Liveshow. Kein Wunder, dass die meisten Leute offensichtlich den ersten Tag des Festes hauptsächlich wegen dieser Band besuchten.

Die folgenden beiden Bands hatten somit eine schwere Vorlage bekommen. Doch das Publikum in Finnland blieb standhaft und die Schweizer Jungs von Stoneman konnten sich noch über eine ansehnliche Zuschauerschar freuen. Und Stoneman gaben ihr Bestes um die Menge bei Laune zu halten, was ihnen auch ziemlich gut gelang. Gut möglich, dass ihre Fangemeinde an diesem Abend ein ganzes Stück gewachsen ist. Doch soviel Frontmann Mikki Chixx auch ins Mikro growlte, Dave und Fly die Saiten bearbeiteten und Rico auf die Drums drosch, nach und nach trieb der Durst die Leute ins Obergeschoss. Trotz alledem ernteten die Jungs einen wohlverdienten lauten Applaus, bevor sie die Bühne frei gaben für den eigentlichen Headliner Private Line.

Dafür dass diese einheimische Band als Headliner ausgeschrieben waren, schien der Saal nun erschreckend leer. Aber wahrscheinlich lag das auch an der relativ späten Stunde und den immer betrunkener werdenden Gästen. Private Line ließen sich davon jedenfalls nicht beirren und präsentierten ihr Set höchst professionell und gut gelaunt. Und die Anzahl der Anwesenden erwies sich als egal, da auch eine kleinere Masse augenscheinlich um einiges mehr rocken konnte als eine große. Die Stimmung war jedenfalls auch bei der letzten Band des Abends gewaltig und nachdem der letzte Ton von Private Line verklungen war, bedeutete das noch lange nicht das Ende der Nacht. Nun konnte weiter gefeiert werden und selbst die Musiker mischten sich unter das Volk und erfüllten geduldig neben Small Talk die eingehenden Autogrammwünsche. Eine herzliche und lockere Atmosphäre zur After Show ließen den ersten Tag des Trashfest II perfekt ausklingen.

Und nordisch begann auch der zweite Tag. Amy’s Ashes aus Schweden machten den Anfang – und zwar einen überraschend guten und schnell aufputschenden Anfang! Die noch nicht allzu bekannte Band lieferte einen Rocksound, der zum Mitsingen aufforderte. Die cleane Stimme von Sänger Aram pendelte problemlos in Höhen und Tiefen und traf sofort die Gehörgänge und das Publikum war sofort aufgewärmt und rockte mit. Amy’s Ashes – eine Band von der man in Zukunft hoffentlich mehr hören wird! Und mit Schweden ging es auch weiter. Defueld überzeugten mit mehr amerikanisch angehauchter Rockmusik, die stellenweise an Tool, Alice In Chains oder auch Disturbed erinnerte. Alles gute alte Musik, doch erklang Defueld eher ein wenig kopiert als original. Doch das Publikum applaudierte und feierte mit. Es schien als gäbe es am zweiten Tag bei keiner Band einen schleppenden Beginn, das Publikum war wahrscheinlich noch vom Vortag aufgewärmt.

Spätestens der Auftritt der Finnen von Stereo Junks! riss auch noch den letzten aus seinen Träumen. Purer Rock n Roll und eine von Herzen kommende, schweißtreibende Liveshow fetzte den Zuschauern entgegen. Sänger Mr. Anzi Destruction fegte wie ein Derwisch über die Bühne und scheute sich auch nicht mitten in den Zuschauerraum zu springen. Bei dieser atemberaubenden Show, übersah man auch gerne mal die mittelmäßigen Songs, denn die Glaubwürdigkeit der Jungs lag in ihrer Bühnenpräsenz. Das Publikum tat es ihm gleich und rastete seinerseits aus – ein gegenseitiges Anstacheln quasi aber im positiven Sinne. Jeder hatte bei diesem Auftritt seinen Spaß – Musiker als auch Zuschauer. Als dann auch noch zwei Fans im knappen Dead-Bunny-Kostüm auf die Bühne gebeten wurden und ihre Tanzkünste zeigten, schien es als stünde eine Größe wie Marilyn Manson im Rampenlicht und nicht Stereo Junks! Eine perfekte Show! Zu schade dass Stereo Junks! viel zu früh stoppen mussten, um ihren einheimischen Kollegen von Iconcrash die Bühne zur Verfügung zu stellen. Die Jungs von Iconcrash, deren zweites Album bald veröffentlicht werden soll, brachten die aufgewühlte Menge nun mit ihrem ruhigeren Wave-Rock-Elektro-Mix wieder etwas zurück auf den Boden. Ohne großen Energieaufwand konnte man Iconcrash genießen. Leider hatten diese allerdings das Pech zwischen zwei Krachern an Bands zu spielen, so dass sie ein wenig untergingen und ihr Sound mehr wie Begleitmusik in der Pause erschien. Schade darum. Doch nicht allen ging es so. Es drängten sich noch genug Leute vor der Bühne und wiegten sich im Takt der Musik.

Auch die Musiker der anderen Bands des Vortages und des laufenden Tages ließen sich zur Freude der Fans immer öfters blicken und sahen sich die Shows der anderen an.

Doch es war eindeutig, dass die Zuschauer ungeduldig auf Mortiis warteten. Als die schwarz angemalten Musiker die Bühne betraten gab es auch kein Halten mehr. Bedrohlich standen die düsteren Gestalten auf der Bühne und lieferten eine Show vom Feinsten. Bretternder Sound, hier und da ein paar Headbanger im Publikum doch hauptsächlich Geschrei. Die Rufe und der Jubel der Fans wollte überhaupt kein Ende nehmen. Professionell und doch publikumsnah rockten Mortiis mit ihren Zuschauern das Gloria. Die Atmosphäre, die im Raum herrschte, konnte man als ehrfürchtig beschreiben – jedes Wort der Musiker und jeder optische Eindruck schien sofort aufgesogen zu werden. Ein toller Abschluss des abends... oder FAST ein toller Abschluss, denn das Programm sollte noch nicht zu Ende sein! Mama Trash höchstpersönlich kündigte das nächste Ereignis an: die Mama Trash Allstar Band 2009! Diese bestand aus einem wilden doch äußerst sympathischen Haufen ausgelassener Rocker. Im Detail handelte es sich um Members von Cold Cold Ground, Hellfire Society (alle zwei Bands hatten bereits am abend zuvor bei der Trashfest II Kick Off Party teilgenommen), Stereo Junks! und war das der Drummer Patrik Jansson von DefueldÂ….? Die Kontaktlinsen waren schon beschlagen und der Schein konnte mich trügen, aber ich könnte schwören, er war es. Die zusammengewürfelte Band rockte mit Velvet Revolvers „Slither“ über Buckcherry zu Panteras „Walk“. Natürlich durfte auch kein Ramones Song fehlen, der mit „I Wanna Be Sedated“ geliefert wurde. Dann kündigte Mr. Anzi Destruction einen weiteren Special Guest der Allstar Band an. Aus Germany eingeflogen sprang Big Boy himself auf die Bühne. Geschmückt mit Hasenöhrchen, die er offensichtlich zuvor einem der Dead Bunnys abgenommen hatte. Zusammen ließen sie nochmals den Boden erbeben. Und auch die restlichen Bands ließen es sich ganz zum Schluss nicht nehmen die Bühne zu stürmen, sich befeiern zu lassen und selbst ausgiebig zu feiern. Ein Riesenspaß die Freude der Künstler zu sehen und den Jubel der Fans zu hören, der lange nicht abklingen wollte.

Das Trashfest II ging somit langsam aber sicher zu Ende... auch wenn an der Bar noch lange mit Fans und Bands gefeiert wurde. Ein erfolgreiches, harmonisches und lohnenswertes Event für Musiker, Zuschauer und Organisatoren. Wir freuen uns bereits jetzt auf das nächste Jahr wenn es heißt: Bühne frei für das Trashfest III.

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