Tricky

Tour 2010

21.11.2010 Bürgerhaus Stollwerck / Köln

Von: Karsten Kraemer

Tricky Köln

Dass Adrian Thaws aka Tricky in der Branche als sehr eigenwillig gilt, ist altbekannt. Auch an diesem Abend liefert der 42jährige aus Bristol den besten Beweis dafür - er lässt seine Fans eine geschlagene Stunde warten, was bei dem ein oder anderen, zumal an einem Sonntagabend und ohne Vorprogramm (nur artverwandte Musik aus der Konserve), schon ein wenig für Unmut sorgt. Vereinzelte Pfiffe sorgen dafür, dass es gegen 22 Uhr dann endlich losgeht.

Und auch beim ersten Stück ist alles wie gehabt: Der Urvater des Trip Hop, einen Glimmstengel im Mundwinkel, entledigt sich seines Longsleeves und das Publikum bekommt lediglich den sehnigen Rücken samt Tattoos zu Gesicht. Exakt in dieser Haltung hat Thaws schon einmal vor mehreren Jahren ein komplettes Konzert in der Live Music Hall absolviert. Doch heute trifft dies gottseidank nur auf den (instrumentalen) Opener "You Don't Wanna" zu.

Unterstützt von einer vierköpfigen Band und seiner neuen Muse, der Sängerin Franky Riley, zeigt sich Tricky dann aber in den nun folgenden knapp eineinviertel Stunden überraschenderweise ziemlich volksnah. Zum allseits bekannten Motörhead-Cover "Ace Of Spades" lädt er die vorderste Front dazu ein, die Bühne zu entern (was diese auch bereitwillig annimmt und später sogar nochmals wiederholt), bei der einzigen Zugabe sucht er den direkten Kontakt zu seinen Fans, streift durch die Reihen, schüttelt Hände und umarmt wildfremde Menschen.

Hinsichtlich seines Markenzeichens treu geblieben ist er sich auf alle Fälle in seiner stilistischen Vielfalt und Experimentierfreude - egal ob Dancehall-Reggae, Hip Hop, Rock, eine Prise Soul, sogar eine kleine Attitüde Punk - die dunklen Wurzeln des Bristol Sounds schimmern zwischendrin jedoch immer wieder durch. Mit dem barjazzig angehauchten "Puppy Toy", dem langsamen "Pumpkin" und vor allem dem rockigen "Black Steel" präsentiert er drei meiner Lieblingsnummern, auch wenn "Hell Is Round The Corner" vom Debüt "Maxinquaye", nach wie vor der Meilenstein seiner Diskographie, an diesem Abend in der Setlist leider fehlt.

Wirklich schade ist allerdings die stets kurze Dauer seiner Show - analog zu seinem neuen Album "Mixed Race" mit gerade mal einer halben Stunde Gesamtspielzeit bedeutet dies im Live-Kontext: Nach maximal 75 Minuten inklusive Zugabe ist meistens Schluß. Dabei kann das künstlerische Multitalent mittlerweile aus mehr als einhundert Songs von neun Longplayern auswählen - eine durchaus beeindruckende Referenz.

So bleibt am Ende das etwas zwiespältige Gefühl, dass irgendwie mehr drin gewesen wäre, auch wenn der Auftritt keineswegs enttäuschend verlaufen ist. Ein sehr eigenwilliger Künstler halt, dieser "Knowle West Boy" von der englischen Westküste.

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