Turbonegro

Tour 2007 Support: Boozed

13.05.2007 Live Music Hall / Köln

Von: Shirin K

Turbonegro Köln

Wenn irgendwo ein Turbonegro Konzert ist, dann erkennt man das meistens an den zahlreichen Turbojugend Mitgliedern in der Nähe der Veranstaltungsstätte. Kein anderes Bild bietet sich mir, als ich mich an diesem Sonntagabend der Live Music Hall nähere. Auf den Straßen gibt es ein heilloses Durcheinander von uniformierten Turbojugend Anhängern, gut zu erkennen an ihren blauen Jeans-Jacken mit der Lederkappe als Logo und dem Schriftzug der jeweiligen Stadt, aus der sie kommen. Es ist recht leicht herauszufinden, wie weit die einzelnen Fans angereist sind, um ihre Helden zu sehen. Auffällig ist jedoch die recht niedrige Anzahl von Frauen mit Turbojugend Kutten. Überhaupt gibt es hier insgesamt nur wenige Frauen, aber ob das daran liegt, dass uniformiertes, scheinorganisitiertes Rudelsaufen eher wenige Frauen anspricht, kann ich nicht beurteilen.

Wie auch immer, zu einem richtigen Turbo-Konzert gehört nun mal das Saufen, und so ist die Straße vor der LMH schon voller liegen gelassener Bierdosen und anderem Müll. In der Halle selbst ist es bereits super stickig, sie ist rappelvoll, obwohl erst die Vorband – Boozed – spielt. Und es stehen noch eine Menge Leute vor der Halle. Boozed spielen AC/DC für Arme und verschwinden recht schnell, so dass die Hauptband pünktlich um Viertel nach neun spielen kann. Nach einem kurzen Intro betritt die Band die Bühne und eröffnet die Show mit einem der neuen Songs – „We’re Gonna Drop The Atom Bomb“. Wie erwartet tritt die Band in voller Montur auf. Euroboy, den ich am frühen Nachmittag interviewt habe, trägt jetzt eine Turbojugend Jacke und einen Offiziershut der SS, Hank, der vollbusige Sänger ist in einem hauchdünnen Kostüm mit einem Druck der amerikanischen Flagge gekleidet, sein ausladender Bauch hängt über den engen Leggings, Happy Tom trägt einen sexy Matrosenanzug, der Rest ist in Leder und Denim gekleidet. Und natürlich sind alle Bandmitglieder geschminkt. Die Band ist also schon mal eine Augenweide! Es ist demnach kein Wunder, dass Turbonegro mit ihrer Optik immer wieder provozieren und anecken.

Schon beim ersten Song ist die Stimmung im Publikum gut, aber beim Klassiker „All My Friends Are Dead“ geht es richtig ab. Der erste mit Blut verschmiertem Gesicht kämpft sich aus der Masse heraus, Bierbecher fliegen Richtung Sänger (scheint Turbojugend-Sport zu sein) und man pogt und surft, was das Zeug hält. Hank ist so entzückt, dass er auf gar nicht mal so schlechtem, etwas geschwuchteltem Deutsch verkündet, dass er sich „scheisengeil“ fühle mit der ganzen Turbojugend um sich herum. Parolen wie „fuck school“ und „fuck mom“ werden vom Publikum dankbar nachgegrölt, es ist eben eine Kinderparty. Sie macht ja auch Spaß, wenn man ehrlich ist. Hank zieht dann auch über das Bier aus Köln her, was sei denn so falsch daran, normales Pils zu trinken, aber egal, Köln wäre ja auch die „City of Satan“. Schon geht auch der gleichnamige Song los, das Publikum grölt wieder mit und klatscht brav zum Takt. Herrlich hier! Schön ist an diesem Abend Euroboys Gitarrenarbeit, aber ansonsten muss man sagen, dass hier weniger Show geboten wird, als man denkt. Die Luft ist auch irgendwann beim Publikum raus, Hank ist eher träge und bewegt sich nicht viel, der Rest der Band hüpft ab und zu über die Bühne. Nur als aus den beiden Kanonen seitlich von der Bühne die Turbodollars in die Menge geschossen werden, kommt noch mal Stimmung auf. Drei oder vier der Songs aus dem neuen Album „Retox“ werden gespielt, darunter „Garbage Dump“ und „Do You Do You Dig Destruction“.

Bei „Get It On“, einem der wirklichen Ohrwürmer der Band, geht das Publikum wieder mit. Alle rufen unisono „Gimme friction baby, and I like it, love it“ und „get it ooooooon“. Dieses Lied ist ein wirklicher Klassiker und wird sicherlich in die Rockgeschichte eingehen, keine Frage. Viel kommt hiernach allerdings nicht mehr, „Wasted Again“und „Fuck the World“ werden noch zum Besten gegeben, aber es gibt nur noch eine Zugabe, obwohl die von mir ausgespähte Setliste des Mischers mehr Songs enthält. Beim Verlassen der stickigen Live Music Hall muss man aufpassen, dass man nicht in Kotze tritt. Die Turbo-Party ist für mich vorbei, für viele Fans wahrscheinlich noch nicht, denn wie sagte Hank so schön: When it’s Sunday, the week-end is not over yet!

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