Tour 2009 - Support: Frau Potz
Trotz des Schneechaos vom Wochenende, welches Bremen offensichtlich nicht auszulassen scheint, schließen Turbostaat hier und heute ihre Tour ab. Vom Wetter unbeeindruckt finden viele Fans ebenfalls den Weg ins Lagerhaus, was sich auch auf jeden Fall lohnen soll. Trotzdem ist man ständig von der Angst begleitet, das Auto nach dem beendeten Konzert unter einem riesigen Schneehaufen nicht mehr zum Laufen zu kriegen, aber egal. Punkrock ist angesagt und das haben hier wirklich alle verstanden.
Im Publikum finden sich sämtliche Altersgruppen und während einige im Erdgeschoss noch die Vorzüge der multikulturellen Küche genießen, stehen sich die anderen schon mal direkt vor der Bühne die Beine in den Bauch. Den Abend eröffnet die Band Frau Potz aus Nordelbien und rein musikalisch ist die Wahl äußerst gut getroffen. Recht schüchtern kommen sie daher, zu unrecht aber, wie das Bremer Publikum unüberhörbar findet. Interessant ist vor allem die Stimme des Sängers und die Tatsache, dass sie nach dem Auftritt überhaupt noch gegenwärtig ist. Fest steht, dass die drei Jungs dem Publikum ordentlich einheizen und jegliche Winterstimmung vertreiben. Nach einer halben Stunde ist wieder Zeit für ein Bier, denn die Band ist genau so schnell von der Bühne verschwunden, wie sie gekommen ist.
Als Turbostaat auf die Bühne kommen, steigt die Stimmung weiter. Dass im Lagerhaus das gesamte Publikum vor der Bühne steht ist selbst bei ausverkauften Shows nicht schwer, denn wenn man sich etwas von der Bühne entfernt, ist man auch fast schon wieder aus dem ganzen Club heraus, ohne es wirklich zu merken. Aber selbst wenn der Raum dreimal so groß gewesen wäre, würde niemand der hier anwesenden Fans es wagen, abseits zu stehen, zu groß ist die Lust auf das Konzert. Wie schon die Vorgruppe ankündigte, bestätigt Gitarrist Rotze, dass die Band zu mindestens 3/5 sichtlich der Grippe verfallen ist und spricht die Hoffnung aus, dass die Stimme von Sänger Jan Windmeier bis zum Ende durchhält. Man darf gespannt sein. Fest steht, dass sie (die Stimme) gut loslegt und mit ihr der Rest der Band. Zwar ist das Motto in diesen Tagen wohl Kräutertee statt Bier, denn lediglich Schlagzeuger Peter Carstens gönnt sich sein Bier und wird dafür von den Fans umjubelt. Von den Getränken abgesehen verbreitet sich eine Art Back-to-the-Roots Atmosphäre, die beim näheren Hinsehen eher durch kleinere Details entsteht: Teppichboden auf der für fünf Bandmitglieder viel zu kleinen Bühne, eine Bassdrum ohne Bandlogo auf dem Fell und Instrumente, die allesamt den Eindruck machen, als wären sie vom Musikerflohmarkt. Aber die Hauptsache ist, wie man darauf spielt, und da kann von Anfängern nicht die Rede sein.
Routiniert spielen die Flensburger ihr Set, ohne Rücksicht auf den Verlust der Stimme. Teilweise fühlt man echtes Mitleid mit der Band, denn man wird den Eindruck nicht los, dass die Krankheit schon etwas länger an ihnen zehrt. Umso erstaunlicher, wie viel Stimmung sie verbreiten. Praktisch, wenn das Publikum so textsicher, wie bei kaum einer anderen Band und gerne bereit ist, auch mal die gefühlte Hälfte der Lieder selbst zu singen. Auch die niedrige Deckenhöhe und das damit verbundene Risiko, sich den Kopf anzustoßen, hält den ein oder anderen Stagediver nicht von einem Sprung von der Bühne ab. Die gute Laune jedenfalls leidet keineswegs.
Ein paar Songs vom neuen, bald erscheinenden Album werden zum Besten gegeben, und natürlich der Klassiker "Harm Rochel" darf da natürlich nicht fehlen, genausowenig wie die Singles "Haubentaucherwelpen" und "Insel". Als Zugabe gibt es nach einer guten Stunde und weiteren zwei Tees noch drei Songs, mehr ist offensichtlich für die Stimme nicht drin, aber das muss es auch nicht. Die Fans sind begeistert und nach dem Auftritt macht sich wohl jeder, der eine etwas weitere Anfahrt hinter sich hat, eher Sorgen darum, wie und ob er heil nach Hause kommt. Naja, so schlimm sollte es dann doch nicht aussehen, aber das Konzert hat sich in jedem Fall gelohnt, trotz angeschlagener Band.