The Labour Of Love Tour 2009
Hannover ist eine von drei deutschen Städten, in denen UB40 auf ihrer aktuellen Tour Halt machen. Die äußerst erfolgreiche Reggae-Band aus England erfreut sich auch nach über dreißig Jahren Bandhistorie der Tatsache, noch immer von vielen Fans bejubelt zu werden. Das Capitol in Hannover ist dementsprechend gut besucht und unterschiedlicher hätte das Publikum nicht sein können.
UB40 beginnen pünktlich ohne Rücksichtnahme auf das Fußballspiel Bayern München gegen Hannover 96 und so kommt es schon zur Überfüllung der ein oder anderen Stadtbahn, weshalb einige Fans erst längst nach dem Beginn der Show nach und nach eintrudeln. Die Halle ist technisch sehr gut ausgestattet und der Klang kommt absolut klar rüber, die dreißig Jahre Bühnenerfahrung zeigen sich in der Sound- und Tonqualität dankbar. Da man normalerweise mit drei bis fünf Musikern pro Band rechnet, ist die große Anzahl verschiedener Künstler schon eine kleine Besonderheit, auch wenn die Mitglieder ständig wechseln, zuletzt im vergangenen Jahr. Trotzdem klappt das Zusammenspiel sehr gut, man sieht sich Musikern gegenüber, die ihr Handwerk sehr gut verstehen und es ist auch für jemanden, der für gewöhnlich etwas andere Musik bevorzugt, eine tolle Erfahrung. Das zugegeben etwas ältere Publikum lässt sich schnell begeistern, jeder in der Halle bewegt sich im Takt zur Musik und weiter vorne wird sogar getanzt. Es fällt auf, dass recht viele Pärchen anwesend sind und ich habe sogar meinen Hausmeister zwischen den Fans entdeckt. Davon abgesehen sind teilweise sogar ganze Familien angereist, hin und wieder sieht man auch mal Kinder im Publikum und manche scheinen sogar geradewegs aus dem Büro zu kommen, haben es aber trotzdem geschafft, sich unterwegs des Schlips zu entledigen.
Visuell ist die Band auch recht auffällig, einer der Sänger hat ein Glitzer-T-Shirt an und trägt einen Zylinder. Davon abgesehen ist das Konzert insgesamt ein wenig steif und die Show wirkt durch und durch einstudiert. Aber nach dreißig Jahren erwartet auch niemand, dass man sich immer wieder neu erfindet und eigentlich haben UB40 das auch nicht nötig, findet zumindest das Hannoveraner Publikum. Die Stimmung ist fantastisch und das ist schließlich worauf es ankommt. Einige Fans halten sogar selbstgebastelte Poster hoch um den Musikern (und schließlich auch allen anderen im Publikum) ihre ganz persönliche Nachricht zu überbringen.
Musikalisch sind UB40 gut sortiert. Ihre Klassiker wie "Kingston Town","Can’t Help Falling In Love" (im Original von Elvis) und "Red, Red Wine" stehen natürlich auch auf der Setlist. Letzteres soll schließlich auch das Highlight der Show werden, verständlicherweise, es ist ja auch der Song, mit dem UB40 identifiziert werden. Passend zum Song wechselt die bisher bunte Bühnenbeleuchtung in ein dumpfes Rot und auch das Publikum wird komplett rot ausgeleuchtet. Die Stimmung passt zum eher ruhigen Song und die exzellent abgemischte Tontechnik tut ihr übriges. Wer es bisher nicht geschafft hat, sich von den immer wieder von den Fans umjubelten Tanzeinlagen des zweiten, etwas proppigen Sängers anstecken zu lassen, kann sich an der Cocktailbar mitten im Konzertsaal bedienen lassen und von hier aus die Show genießen.
Dass weniger junge Fans anwesend sind, fällt auch nach dem Konzert am Merchandise-Stand auf. Zwei verschiedene T-Shirts stehen im Angebot und der Umsatz wird sich vermutlich auch in übersichtlichen Grenzen gehalten haben. Nach ungefähr zwei Stunden ist das Konzert vorbei und niemand scheint unzufrieden zu sein. Man darf gespannt sein, wie lange die Band, die den Reggae in die Pop-Welt einführte, noch ihr Publikum begeistern wird, aber soviel steht fest: Wenn es nach den Fans in Hannover ginge, dann darf die sympathische Kombo aus England gerne wiederkommen.