Uli Jon Roth

Uli John Roth & Sky Band Live In Concert Tour 2006 / Support: Punk Floyd

09.11.2006 Klangstation / Bonn

Von: Ingrid Silvasi

Wiedersehen in Bonn Bad Godesberg nach 32 (!) Jahren. Uli hat ein gutes Gedächtnis, erinnert sich an Ort und Jahr und dass er damals im Jahre 1974 noch mit den Scorpions unterwegs war. „Einige von Euch waren noch gar nicht geboren!“, bemerkt er. Doch bevor wir ihn mit seiner Sky Guitar auf der Bühne bewundern können, unterhalten Punk Floyd mit 70er und 80er Jahre Cover Songs der Doors und Deep Purple die kleine Menge in der Klangstation, die kleine Rock-Szenekneipe am Bad Godesberger Bahnhof.

Da es keinen Backstage-Bereich gibt, kämpfen sich Uli und Band von draußen durch das Publikum auf die Bühne. Ich bin überrascht, welch kleiner und hagerer Mann Uli doch ist. Mit den schweren, türkisfarbenen Steinen behangen, dem obligatorischem Kopftuch als Erkennungszeichen, der engen Leggins und den Federn an seinen Kleidungsstücken, ähnelt er mit seinen langen ergrauten Haaren entweder einem Hippie oder einem Indianer.
Seit 2005 tourt Uli mit seinem ehemaligen Kollegen der Scorpions Francis Buchholz (Bass) durch die Welt. Die Vocals überlässt Uli auf dieser Tour größtenteils einem Profi – Olaf Senkbeil steht für die meisten Songs am Mikro. Keyboard und Schlagzeug werden von Ferdy Doernberg und Michael Ehré übernommen.

Obwohl Uli & Co. die neue Doppel-CD „Best Of Uli Jon Roth“ im Gepäck haben, spielen sie nur wenige Stücke dieses Albums – gespickt ist die Show zusätzlich mit einigen Raritäten und neuen Songs, die sie zum Besten geben.

Selbstverständlich beginnt das Konzert mit „Sky Overture“, Delphine flimmern im Hintergrund über die Leinwand, teilweise werden Ausschnitte eines vormals aufgezeichneten Konzertes reingeschnitten. Schon bei diesem ersten Song wird auch den letzten Unwissenden unter den ca. 100-150 Anwesenden – altersmäßig überwiegend um die 40 – in der Klangstation klar, welch großartigen Gitarrenvirtuosen wir hier vor uns haben. Gespannt richtet das Publikum die Blicke auf Uli´s eigens entworfene„Sky Guitar“, der er die höchsten, spielbaren Töne entlockt und damit wohl alle Beschaffenheiten einer normalen Gitarre sprengt. Seine begnadeten Finger scheinen mit einer einzigartigen Leichtigkeit über den Gitarrenhals zu fließen und zu fliegen. Es ist die reinste Freude, ihm beim Gitarrespiel zu beobachten, egal, ob man selbst Gitarre spielt oder unmusikalisch ist.

„Land Of Dawn“ wird als neuer Song angekündigt, dieser Song soll auf dem nächsten Album erscheinen und Olaf kann zeigen, welch ausdrucksstarke und melodische Stimme er besitzt. Klassiker wie „Firewind“ und Raritäten wie „We´ll Burn The Sky“ entzücken das Publikum; das rhythmisch angehauchte „Why“ erfreut meine Ohren ganz besonders, da es mal einen kleinen Stilbruch zu Ulis neoklassischen Gitarrenstil darstellt.
Brav kündigt Uli jeden Song an, kurze Erklärung auf welchem Album sich der Song befindet. So auch bei „Hiroshima Today?“ – Uli tritt von der Bühne, um Platz für einen kurzen Film zu machen und zum Nachdenken anzuregen.

Während Olaf und Uli eine Pause genießen, ziehen sich die Soli der einzelnen Bandmitglieder für meinen Geschmack leider zu sehr in die Länge. Bedingt durch die fehlenden Räumlichkeiten, staunt die Band nicht schlecht, als diese durch die Hintertür verschwindet und auf ‚Zugabe’-Rufe wartend plötzlich in der Bahnhofshalle steht.

Uli lässt sich sogar durch Technikprobleme nicht aus der Ruhe bringen. Mal ist es sein Verstärker, der kurzerhand ausgetauscht wird, mal kümmert sich sein Roadie um das Gitarren Pedal. Uli scherzt mit dem Publikum und geht auf Zurufe ein. „Früher war alles besser“, merkt er an und witzelt, dass er mit akustischer Gitarre fortfährt. Mir würde es nichts ausmachen lediglich Uli´s Gitarre zu lauschen; die Band ist ohnehin für mich nur ein nettes Extra. Ich bin überrascht, wie locker, gut gelaunt und bodenständig er rüberkommt und verspreche mir, dass ich wieder mal meine Gitarre in die Hände nehmen werde.

Und beim nächsten Uli Jon Roth Konzert tue ich es ihm gleich: ich werde die Augen schließen und mich völlig der Gitarrenmusik hingeben...

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