Uriah Heep

Acoustically Driven 2006, Support: Jan Akkerman

23.11.2006 Live Music Hall / Köln

Von: Ingrid Silvasi

Uriah Heep Köln

Ankunft am Palladium – alles ist dunkel. Ein an der Tür angebrachter Zettel verweist mich auf das E-Werk gegenüber. Huch.... doch nicht so viele Tickets verkauft wie geplant und das bei der ersten Show dieser Tour in Deutschland?

Jan Akkerman als Support-Act ist für mich ein Unbekannter. Wie ich herausfinde, war ich noch nicht geboren als er seine größten Erfolge feierte und muss Schlussfolgern, dass ich entweder zu jung bin oder er zu alt ist. Der Funke spring nicht ganz auf das Publikum über; ob dies nun an dem gesetzterem Alter des Publikums oder an der Gemütlichkeit und Trägheit liegt, die sich durch die bestuhlten (!) Reihen zieht, ist noch nicht ganz klar. Der Niederländer gibt sich alle Mühe mit seinen Gitarrenklängen und der vielseitigen Mischung aus Blues, Rock und Jazz das Publikum zu begeistern. Ohne Vocals wirken die Songs jedoch nach längerem Zuhören langweilig. Erst zu den schnelleren Tönen wird seine Mühe mit mehr Applaus honoriert.

Als eine der wenigen Twens im Publikum gehöre ich nicht mehr zur Zielgruppe Uriah Heep´s, jedoch habe auch ich mit dem Zwei-Akkorde-Song „Lady In Black“ meine ersten Erfolgserlebnisse auf der Gitarre gefeiert. Und ich gestehe, dass ich mir die Gelegenheit diese „Pioniere des Hardrock“ live zu sehen, nicht entgehen lassen möchte, auch wenn mir die Revival-Welle all der 70er Jahre Bands langsam auf den Keks geht.

Acoustically Driven – so das Motto dieser Tour – eine Art „Unplugged“-Konzert im intimen Rahmen. Die Bühne ist in ein Lichtermeer aus Kerzen und Leuchten getaucht, Notenständer und 3 weiße Barockstühle für Sänger, Bassist und Gitarrist stehen bereit. Sänger Bernie Shaw kann sich jedoch kaum auf seinem verschnörkeltem Stuhl halten, wippt ständig mit seinen Beinen im Takt. Bereits beim ersten Song „Question“ wummert die Akustikgitarre von Mick Box und die auffallend guten und starken Backingvocals von Schlagzeuger Lee und Keyboarder Phil kommen hier bereits sehr gut zur Geltung und ziehen sich durch die ganze Show. Bernie, hin und wieder deutsche Brocken in seine Ansagen werfend, und die Band präsentieren sich gut gelaunt.

Mir fällt das zunächst verhaltene Publikum auf. Es wird bei wenigen Liedern mitgesungen, eher die Atmosphäre genossen und leise dem guten Sound der Band gelauscht. Der frenetische Jubel wird erst nach den Songs ausgelebt. Trotzdem fordert Bernie – erstmals bei „Come Back To Me“ – die Menge immer wieder auf mitzusingen und auch aufzustehen. Zum richtigen Mitgrölen und Mitklatschen kommt es endlich bei „Free Me“. Als Midtempo-Songs kommen „Logical Progression“ und „Pilgrim“ ebenfalls gut an. Schade, dass das Ende von „July Morning“ für mich durch die wirren und die viel zu sehr in die Länge ziehenden Keyboardklänge zum Tiefpunkt der Show wird.

Erstmals meldet sich Gitarrist Mick mit seinem britischen Akzent zu Wort und erklärt die Entstehungsgeschichte des hohen Intros von „The Wizard“, welcher mit Hilfe eines Teekochers aufgenommen wurde! Zu „Sunrise“ mit dem Kontrast zwischen tieferen Vocals und den höheren Backingvoclas, schweifen riesige Sonnenschablonen als Lichteffekt über die Bühne. Sehr schön anzusehen, wie auch der Rest der Lightshow an diesem Abend. Gänsehaut-Feeling entsteht bei dem Coversong „Come Away Melinda“, seitens Mick wieder vorgestellt mit einer kurzen Anekdote.

„Sympathy“ rockt und repräsentiert hervorragend die klare und kräftige Stimme Bernie Shaws. Mick erklärt als nächstes, dass es drei Songs gibt, die in Geschäften nicht gespielt werden dürften. Drei Songs „Smoke On The Water”, „Stairway To Heaven” und eben der Zwei-Akkorde-Song, wie Mick diesen selbst vorstellt, “Lady In Black”. Und so gelingt es Bernie erst fast am Ende der Show mit dem deutschen Ausruf „alle!“ die Menge bei „Lady In Black“ von den Sitzen zu reissen und zum mitsingen zu bewegen. Die Band geht von der Bühne, um mit „ah ah ah“-Rufen wieder zurückgeholt zu werden.

Mit „Easy Livin´“ rockt die Band das Publikum nochmals gut durch, um nach einer gut 100minütigen Show die Bühne zu verlassen, jedoch nicht bevor die Bandmitglieder noch mit einigen Fans Hände schütteln.

Uriah Heep haben auch mich als Laie und Neuling mit ihrer durch und durch professionellen Show begeistert. Die Band hat die Menge erfolgreich durch ihre Alben geführt. Noch gemütlicher und intimer in dem „acoustic“-Rahmen wäre jedoch eine kleinere Halle ohne Bestuhlung gewesen. Vielleicht wäre dort der Funke schneller von Band auf Publikum übergesprungen.

Setlist:
Question
Wise Man
Circus
Heartless Land
Come Back To Me
Why Did You Go
Free Me
Firefly
Logical Progression
Pilgrim
Echoes In The Dark
July Morning
The Wizard
Sunrise
Come Away Melinda
Tales
Sympathy
Lady In Black
---------------------
The Dance
Easy Livin´

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