Veto

Everything Is Amplified Tour 2011 - Support: Panama Picture

23.05.2011 Uebel & Gefährlich / Hamburg

Von: Bettina Zimmermann

Veto Hamburg

Die dänischen Elektro-Indie-Rocker aus Aarhus haben nach ihren ersten Alben "There´s A Beat In All Machines" (2006) und "Crushing Digits" (2008) im Februar ihr mittlerweile drittes Album "Everything Is Amplified" released. Das letzte Mal waren sie bei uns 2009 zu Gast, heute spielen sie im Rahmen ihrer Europatour im Uebel & Gefährlich, um wieder einmal unter Beweis zu stellen, dass sie live einfach eine großartige Band sind. Wir sind gespannt auf die Performance der Songs ihres sehr ausgefeilten, geradezu perfektionistischen neuen Albums und lassen uns überraschen, ob sie diese ebenso perfekt auf der Bühne umsetzen können.

An diesem sonnigen Montagabend kann man sich irgendwie auch schöneres vorstellen, als seine Zeit im fensterlosen düsteren Bunker zu verbringen. Statt langer Schlangen vor dem Eingang gähnt uns folglich auch eine noch leere Location entgegen, die sich wirklich nur sehr langsam mit Leben füllt. Trotzdem beginnen um 21 Uhr fahrplanmäßig Panama Picture, eine extrem junge Hamburger Band. Umso überraschter sind wir, als sie mit einem erfrischend vielseitigen musikalischen Programm aufwarten. Stilistisch prallen innerhalb der Songs förmlich Welten aufeinander, Gegensatz ist hier "Progamm". Sie bieten uns eine weit gefächerte Mischung aus melodiösem Rock, massivem Schlagzeug mit druckvollen Doublebassdrums, jazzig angehauchten Zwischenparts, handgemachter Klatschrhythmik, schwierigen Takt-/Tempo- und Themenwechseln, progressiven Postrock-Energieschüben und dann doch wieder weichen mit seichtem Gesang hinterlegten Gitarrenklängen. Wir staunen nicht schlecht, wie sie mit nur wenigen Songs eine gute halbe Stunde zu füllen vermögen und stellen fest, dass das Erlebte nur schwer in eine musikalische Richtung einzuordnen ist. Aber gerade das macht Panama Picture so interessant. Das findet offensichtlich auch das mittlerweile zahlreich erschienene Publikum, was seine Begeisterung durch fleißiges Applaudieren kundtut.

In der Umbaupause kommen wir bei basslastigen Elektrobeats schon in Tanzstimmung und warten ungeduldig auf den Konzertbeginn. Schade nur, dass so wenige Leute den Weg in den Bunker gefunden haben, spielten Veto doch schon 2006 erstmals in Dänemark auf dem Roskilde Festival, wo sie auch dieses Jahr wieder zu sehen sein werden. Die vielseitigen Musiker aus Aarhus sind mit umfangreichem elektronischen Equipment angereist (Synthesizer/Laptops/Mischpulte), performen aber live stets mit Akustik-Schlagzeug, Gitarren und Bass, um so progressive Indie/-Rock Elemente gekonnt mit knarzigen Elektrobeats oder Synthie-Klangsequenzen zu einer Einheit verschmelzen zu lassen.

Um 22 Uhr betreten die Dänen die Bühne, woraufhin uns Frontmann Troels Abrahamsen zurückhaltend aber freundlich mit einem charmanten "Good Evening" begrüßt. Ihr Set eröffnen sie mit "We Are Not Your Friends" von ihrem Debütalbum. Live wirkt der Sound wesentlich breiter und tragender als in der Studioversion. Die darauf folgenden neuen Songs wirken insgesamt experimenteller, dabei teilweise ein wenig düster. "Is This Not" oder "Spun", die ersten Singles aus "Everything Is Amplified", erinnern in ihrer Schwermütigkeit und den charakteristisch reduzierten Drums an den Klang von Depeche Mode & Co, werden aber stets elektronisch variiert. Hier zeichnet sich stilistisch die neue musikalische Richtung der talentierten Jungs ab, die sich ganz offensichtlich von den doch sehr elektrogeprägten Dance-Sounds von "Crushing Digits" unterscheiden. Das zunächst verhaltende Publikum taut zum ersten Mal bei "Blackout" auf, einige fangen an wie in Trance zu tanzen. Auffallend sind Vetos teilweise recht textreichen Songs, Sänger Troels Abrahamsen scheint hier fast der einzige zu sein, der zum Singen hergekommen ist, ausgenommen Bassist Jens Skov Thomsen, der ihn mit Backing Vocals unterstützt. Der zeitweise hohe, fast anklagende Gesang in Verbindung mit den Tiefen der Bässe kommt dabei wirklich gut zur Geltung. Abrahamsen tritt immer wieder nach vorne an die Bühnenkante, nimmt Blickkontakt zu den Leuten auf und singt gestikulierend das Publikum an. Die Mehrzahl der Fans will zu den pulsierenden elektronischen Beats vorrangig Tanzen, nicht Singen. Dadurch wirkt die Stimmung nicht so euphorisch wie ich erwartet hatte.

Die Elektro-Synthie-Pop Klänge in "Digits" lassen in mir spontan Erinnerungen an "Axel F." von Harold Faltermeyer wach werden, welche dann aber meisterhaft mit treibendem progressivem Rock kombiniert werden. Titel wie "I Brought The BBQ" weisen sogar Drum & Bass Grooves auf. Diese experimentelle Vielfalt ist bei Veto eine echte Besonderheit, vor allem weil diese bis ins kleinste Detail abgestimmt sind und somit perfekt initiiert wirken. Die Band an sich bildet nicht nur musikalisch eine Einheit, sondern ist auch im Zusammenspiel miteinander äußerst harmonisch und ausgeglichen. Vermutlich ist auch dies ein Grund dafür, dass die Presse berechtigterweise vom dänischen "Künstlerkollektiv" spricht. Die Clubatmosphäre heizt schließlich Bassist Jens Skov Thomsen erst richtig an, als er das Publikum zum Mitmachen auffordert. Hände werden in die Höhe gestreckt, Pfiffe spornen die Musiker an, die Lightshow mit Stroboskoplicht unterstreicht das musikalische Konzept und auch die Band scheint langsam ein wenig lockerer zu werden. Die Stimmung erreicht bei "You Say Yes, I Say Yes" einen weiteren Höhepunkt des Abends.

Nach einer Stunde gehen Veto zum ersten Mal von der Bühne, lassen sich aber vom begeisterten Publikum nicht lange um ihre Zugaben bitten. Schließlich spielen sie noch drei Titel, bedanken sich anschließend herzlich beim Hamburger Publikum und beenden um 23:20 Uhr dann endgültig ihr Set. Veto hat uns zwar nur sechs Titel ihres neuen Albums vorgestellt, aber durchaus die Vielfalt ihres künstlerischen Könnens anhand ihres Gesamtrepertoires gut repräsentiert. Die Highlights des Abends waren hauptsächlich die Stücke vom zweiten Album, aber vielleicht muss man sich einfach noch ein wenig an den novellierten Sound des neuen Albums gewöhnen.

Der Saal leert sich nun recht zügig und erinnert mich daran, dass ja Montagabend ist. Um noch einmal Bilanz zu ziehen kann man mit Sicherheit sagen, dass ein Konzert dieser Art mit elektronisch-tanzbarer Ausrichtung an einem Freitag oder Samstag besser platziert und folglich auch besser besucht gewesen wäre. Trotzdem geht heute ein wirklich tolles Konzert zu Ende, mit genügend Platz zum Tanzen für alle... Wir hoffen, dass Veto uns ganz bald wieder beehrt und dann vielleicht auch einen besser geeigneten Wochentag "bespielen" darf. Schaut euch HIER die großartige Stimmung bei "You Say Yes, I Say Yes" noch einmal an.

Setlist:

We Are Not Your Friends
Already Ready
Blackout
Built To Fall
Spun
This Is Not
Crooks
Digits
Unite
It´s A Test
Duck Hush Be Still
I Brought The BBQ
You Say Yes, I Say Yes
Your´re Hard To Get
Am I Awake Or Should I Wake Up
---------------
Spit It Out
You Are A Knife
Take It Outside

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