Vodafone Music Unlimited feat. Gentleman, Ebony Bones, Dizzee Rascal, The Killers, Massive Attack, Matthew Herbert
Nach O2 verstärkt nun auch vodafone seine Aktivitäten im Musikbereich – durch Betreiben des erfolgreichsten mobilen MusicDownload-Shops und drittgrößten digitalen Musik-Shops in Deutschland eine durchaus folgerichtige Strategie. Die einzelnen Acts zwar nicht wie unter einem bekannten Slogan des Konkurrenten zum Nulltarif, aber in puncto Popularität hinsichtlich der Zielgruppe und musikalischer Vielfalt mindestens ebenso hochkarätig und partytauglich, zumal die Eintrittspreise hierbei recht fair angesetzt waren.
Und somit fiel der Startschuss zum ersten „Music Unlimited Festival“ in unserer schönen Stadt am Rhein und bot vier Tage lang ein genreübergreifendes Programm von Jazz bis Electro, von Techno bis Rock, von Pop bis Hip Hop.
Eröffnet wurde die Veranstaltung am Donnerstag vom englischen Produzenten Matthew Herbert und seiner zwanzigköpfigen Big Band. Als ideale Location wählte man dafür das gemütliche und intime Gloria aus, das mit etwa 800 Gästen auch recht gut gefüllt war.
Und der umtriebige Elektronik-Tüftler, der neben seinen Soloprojekten unter Pseudonymen wie Doctor Rockit, Wishmountain, Mr. Vertigo oder Radio Boy auch als DJ und Remixer aktiv ist, stellte einmal mehr seine Experimentierfreudigkeit und musikalisches Querdenken unter Beweis. So wurde zum Beispiel das Zerreißen einer Tageszeitung als Klanggebilde mit aufgenommen und auf der Bühne zelebriert. Ansonsten stand die Band unter der ständigen Begleitung ihres „Dirigenten“, der durch gesammelte Samples weiterhin einige ungewöhnliche Geräusche mit in den Sound einfließen ließ. Zudem kamen auch die Vocals nicht zu kurz - veredelt wurde das Ganze mit Hilfe der temperamentvollen Stimme von Leadsängerin Eska Mtungwazi. Alles in allem ein gelungener Auftritt, der diverse Stilarten mit akustischer Leichtigkeit zusammenführte und dem Publikum vermittelte, dass hier ein wirklicher Musiker am Werk ist, der mit den technischen Medien einfach nur spielt, um sein Repertoire zu erweitern.
Die anschliessende Party im Alten Wartesaal stand dann im Zeichen von Baile Funk und Rock (Bonde do Role aus Brasilien), Electro (Busy P. alias Pedro Winter, dem Manager der Gruppen Daft Punk, Justice und Cassius und Chef des hippen Pariser Ed Banger-Labels) und gutem, klassischem French House von Etienne de Crécy.
Am zweiten Abend dann der Auftritt der britischen Trip Hop-Pioniere Massive Attack (im Vorprogramm: Coldcut presents Journeys by VJ) – endlich mal wieder ein Live-Gig der stilbildenden Band aus Bristol, um die es in den letzten Jahren doch merklich ruhiger geworden ist. Als standesgemäßem Ort wurde hierfür der Roncalliplatz im Schatten des Doms ausgewählt. Wie immer mit Gepäck von Grant Marshall alias Daddy G und Robert „3D“ del Naja ein beeindruckendes Soundsystem und eine fantastische Lightshow. Hauptelement war ein riesiges elektronisches Laufband, das sich im hinteren Bühnenbereich befand und mit dem die Gruppe durch das Einspielen politischer Schlagwörter und Zitate die tausenden Fans auf dem Platz ständig an ihre Grundsatzerklärung erinnerte. Unterstützt wurde ihr Sound wie gewohnt von Gastsänger(innen), so u.a. durch ihren langjährigen Wegbegleiter Horace Andy und der zauberhaften, ganz in weiß gekleideten Stephanie Dosen, die beide ebenfalls auf dem heiß ersehnten, fünften Studioalbum mitwirken, das für Anfang 2009 angekündigt ist. Auch das Tracklisting ließ keine Wünsche offen – so bekamen die Fans altbekannte Songs wie „Teardrop“, „Angel“ oder „Safe From Harm“ genauso zu Ohr wie bisher noch unbekanntes Material, das dann auf dem bereits erwähnten neuen Longplayer zu hören sein wird. Passend zum Abschluß ihr All Time-Klassiker „Unfinished Sympathy“, gesungen von der stimmgewaltigen Yolanda Quartey, das die Menge somit vollends befriedigt nach Hause strömen ließ.
Wer allerdings nicht müde war und noch Lust hatte, das Tanzbein zu schwingen, konnte dies zu fetzigen Housebeats bei der „Get Physical Night“ im Stadtgarten tun. Das gleichnamige Berliner Elektro-Label hatte hierfür auch seine besten DJ’s in die Domstadt geschickt. Neben dem Miteigentümer und ehemaligen Groove-Herausgeber Thomas Koch aka DJ T. , der im Studio 672 bei Funky Techno den Dancefloor zum Beben brachte, sorgten vor allem die drei Duos Booka Shade und M.A.N.D.Y. sowie Matchbox als Einheizer für pure Ekstase im darüberliegenden, proppenvollen Konzertsaal. Eine solche Stimmung hatte der mit über 800 Gästen ausverkaufte Stadtgarten, der sich ja sonst überwiegend durch eher zurückhaltende Begeisterung auszeichnet, mit Sicherheit schon lange nicht mehr erlebt.
Der dritte Tag war dann für The Killers (Vorgruppe: The Rascals)reserviert – für viele mit Sicherheit der Höhepunkt der mehrtägigen Veranstaltung. Ihr Open Air-Auftritt auf dem Roncalliplatz sahen über 7.000 Zuschauer nebst etwa 3.000 Zaungästen auf der Domplatte.
Die unglaubliche Bühnenpräsenz der vierköpfigen Gruppe aus Las Vegas war überall auf dem Platz zu spüren. Auf ihrer Setlist standen zunächst die unumgänglichen Klassiker von ihrem viel gefeierten Debüt „Hot Fuss“, Titel vom Nachfolger „Sam’s Town“ sowie auch neue Produktionen ihres dritten Studioalbums, das Anfang Oktober in die Läden kommen wird. Als das Publikum nach einer Zugabe verlangte, gab es eigentlich nur einen Song, der der aktuellen Situation gerecht wurde: Frontmann Brandon Flowers sang die ersten Zeilen von „All these things that I have done“, und auf der Bühne ging ein Feuerwerk los, das den Kölner Nachthimmel erleuchtete.
Für Freunde aktueller britischer Dancemusic wie Grime, Garage und 2Step war im Anschluss im Alten Wartesaal gesorgt, wo das vielfach ausgezeichnete Rap-Talent Dizzee Rascal seine Vocals zum Besten gab. DJ Semtex besorgte das musikalische Artilleriefeuer für den Senkrechtstarter aus East London (u.a. schon Preisträger des „Mercury Music Prize“ und des „NME Award“) , so dass dieser alles in seine wortreichen Attacken stecken konnte. Die ekstatische Menge tobte, als dann die schweren Grime-Beats von „Fix Up Look Sharp“ aus den Lautsprechern krachten.
Zuvor hatte bereits die charismatische Ebony Bones mit einer Mixtur aus Ska, Post Punk und Afrobeat den Dancefloor warmgespielt. Für den mit über 900 Gästen ausverkauften Wartesaal alles in allem ein mehrstündiges Breakbeatgewitter der Extraklasse.
Praktisch zeitgleich waren etwa 400 Besucher zu einer zweiten Afterhour-Party im Stadtgarten anwesend, wo Zombie Nation, Punks Jump Up und The Glimmer Twins auftraten.
Zum krönenden Abschluss des Festivals stand dann am Sonntag Tilmann Otto alias Gentleman auf der Bühne am Roncalliplatz. Nachdem er bereits am Eröffnungstag einen kurzen „Secret Acoustic Gig“ für die Vertreter der Presse gegeben hatte, sorgte der gebürtige Kölner mit Unterstützung seiner zehnköpfigen Far East Band nebstbefreundeten Künstlern wie Soulstimme Diana King und den stets energiegeladenen Jack Radics und Daddy Rings nochmalsfür offene Münder und zahlreiche pulsierende Hände vom heftigen Klatschen. Animation ist alles und so verstand auch der 33-jährige Roots-Reggae-Musiker das Publikum mit einzubeziehen. Wer will nicht einmal Teil der Show sein und irgendwie kann Reggae und Dancehall auch tierisch ansteckend sein.
Ein würdiges Finale des Vodafone Music Unlimited Cologne!