Guitar Gangsters On Parole Tour 2009 - Support: Ektomorf
Als „Country Metal" bezeichnet zu werden würde nicht jeder als Kompliment sehen. Doch im Falle Volbeat stellt genau diese Mischung aus lockerem Country und harten Metaltönen ein Erfolgsrezept dar, das den Dänen in den letzten Jahren zu immer größerem Ansehen verhalf. Nicht zum ersten mal stand die Band dieses Jahr auf den Bühnen von Wacken und Rock am Ring. Auch Supportshows für Metallica können Volbeat bereits für sich verzeichnen. Und der Aufstieg auf der Karriereleiter scheint kein Ende zu nehmen.
Im Winter schauten die Jungs für wenige Daten in Deutschland vorbei und sagten auch Hannover hallo. Das bereits im Vorfeld ausverkaufte Capitol füllte sich bis unter das Dach. Der Innenraum als auch der Balkon beherbergte Fans unterschiedlichsten Altersstufen, die voller Vorfreude auf die Show warteten.
Im Vorprogramm sollten Ektomorf die Menge aufwärmen. Die Ungarn hätte man wahrscheinlich eher bei einer Band wie Machinehead als Support erwartet. Für Volbeat erschien es im ersten Moment etwas unpassend… doch andererseits, was passte schon zu Volbeat? Der einzigartige und eigenwillige Stil des Hauptacts machte es nicht leicht. Doch überraschenderweise schienen Ektomorf genau die richtige Wahl gewesen zu sein. Die Zuschauer jubelten auf, als die Band um Frontmann Zoltán „Zoli" Farkas das Rampenlicht betrat und gleich mit „Show Your Fist" startete. Gitarrist Tamás Schrottner schwang unermüdlich seine Dreadlocks an der linken Seite der Bühne. Mit Songs wie „Raise Your Fist" und „What Doesn’t Kill Me" zeigten sie sogleich wo es bei ihnen lang ging. Und ihr Weg war weder sanft noch eben. Steinig und hart bretterten Ektomorf über das Capitol hinweg und das Publikum zeigte sich erstaunlich textsicher und die Stimmung raste mit halsbrecherischer Geschwindigkeit in die Höhe. Und auch Ektomorf peitschten ungebremst ihre Songs raus. „Outcast", „We Rise", „ Fuck You All" und bis zu einer Stunde voll mit weiteren Brechern ließen keine Minute der Erholung zu. Die Menge schien auch keine Atempause zu wollen. Mit „Scream" beendeten Ektomorf ihr Set und entließen die Fans in die kleine erholsame Umbaupause.
Die Temperaturen im Capitol waren immens angestiegen und man war froh, dass beim Umbau hin und wieder die Hintertür geöffnet werden musste und etwas Frischluft sich hineinschlich. Doch bald schloss sich diese Tür wieder und es war Zeit für die Stunden auf die alle gewartet hatten. Das Intro „End Of The Road" der aktuellen Scheibe „Guitar Gangsters & Cadillac Blood" sorgte für die passende Atmosphäre und man konnte förmlich fühlen wie der Wüstenstaub in der Nase kitzelte und die Sporen am Boden klingen hören. Doch das einzige was danach tatsächlich erklang waren die Gitarren der Dänen von Volbeat. Ein lauter Jubel brach aus, als die vier Mannen das Bühnenlicht betraten und gleich mit „Hallelujah Goat" das vorangegangene Stimmungshoch aufrecht erhielten.
Nach dem folgenden „Guitar Gangsters & Cadillac Blood" und „Boa" begrüßte Frontmann Michael Poulsen die Anwesenden und beteuerte, dass er des morgens vor Heiserkeit nicht einmal sprechen konnte, ihn jedoch nichts von diesem Auftritt abhalten konnte. Dies bewies er dann auch sofort tatkräftig bei dem nächsten Stücken „Radio Girl" und „Caroline" bei denen das Publikum stellenweise so laut mitsang, dass man eine Gänsehaut bekam. Als „Sad Man’s Tongue" angestimmt wurde, klatschte der gesamte Saal im Takt mit – auch auf der Bühne hatte man sichtlich Spaß. Gut gelaunt und stets grinsend wechselten Michael Poulsen, Gitarrist Thomas Bredahl und Bassist Anders Kjølholm häufig die Positionen an den Mikrofonen ohne aus dem Takt zu geraten. Lediglich Schlagzeuger Jon Larsen blieb von der „Reise nach Jerusalem" ausgeschlossen und blieb Wacker hinter seinem Instrument auf einem separaten Podest sitzen. Nach dem Verklingen des letzten Tones von „Sad Man’s Tongue" zückte Michael galant den Taschenkamm und richtete seine Rockabilly Haartolle, die mit reichlich Pomade gestylt zu sein schien. Die frisch gezähmte Haarlocke hielt auch gerade mal bis zur Hälfte des nächsten Songs „A Moment Forever" bevor sie sich wieder verselbstständigte. Doch dies störte nich im Geringsten die „unordentliche" Frisur war oftmals sowieso schwer zu erkennen bei dem Stroboskop-Alarm, der von dem ersten Song an herrschte.
Dem Aufruf zur „Wall Of Death" wurde auch auf engstem Raum artig Gefolge geleistet und ein Misfits Cover fand sich bei „Angel Fuck" wieder. Zu „Garden’s Tale" zückte Akustikgitarre Michael Poulsen die Akustikgitarre und erneut erschallte der Gesang der Zuschauer lautstark im Capitol.
Dann verließen Volbeat vorerst die Bühne. Doch natürlich stand noch eine Zugabe auf dem Plan. Zum Intro von „The Human Instrument" klatschte die Menge anfeuernd mit und die Dänen griffen zum zweiten Mal an diesem Abend zu ihren Instrumenten. Als nach dem Song ein T-Shirt auf die Bühne segelte, benutzte Anders Kjølholm dies dankbar als Handtuch. Ob Absicht oder nicht, der Besitzer dieses Shirts wird es ihm sicherlich nicht übel genommen haben, nach der Anstrengung der gesamten Band.
Nach „We" und „Still Counting" war dann jedoch endgültig Schluss und Volbeat wurden in ihren wohlverdienten Feierabend entlassen. Publikum als auch Band hatten sich tatsächlich sehr verausgabt. Band offensichtlich etwas mehr, immerhin erlitt Michael Poulsen einige Tage später bei einer Show in Niederlande einen Zusammenbruch, der auf Erschöpfung und eine Grippe zurückzuführen war. Doch an dem Abend in Hannover wurde die Grippe zum Glück noch erfolgreich unterdrückt und ein jeder ging zufrieden nach Hause.