Beyond Hell/Above Heaven Tour 2011 - Support: Clutch
Natürlich lässt sich nicht verschweigen, dass Volbeat auf Johnny Cash und Co. stehen. Das merkt man auch wieder an ihrem neuesten Album "Beyond Heaven Above Hell". Und das lieben auch die Fans. Fast alle der sechs Deutschlandkonzerte sind ausverkauft. Bei den Jungs stimmt aber auch alles: Bühnenshow, Sound, Titelauswahl und nicht zuletzt die Stimmung, die die Band auf ihren Konzerten verbreitet. Blues und Country gepaart mit einer guten Portion Hardrock geben die vier Dänen auch an diesem Samstagabend mal wieder in der ausverkauften König Pilsener Arena in Oberhausen zum Besten. Aber nicht nur die beliebtesten Lieder des neuen Albums hauen sie raus, sondern auch die besten der vorigen Alben. Klassiker wie zum Beispiel "Still Counting" oder "A Warrior’s Call" bringen die Fans besonders zum Kreischen.
Nachdem die Stonerrock-Band Clutch eine vergleichsweise ruhigere Support-Show hingelegt hat und mit eher mäßiger Zustimmung verabschiedet wird, lassen die Techniker ein riesiges Volbeat-Banner die Bühne herunter. Das Publikum wird daher nur noch mehr auf die Folter gespannt und kaum einer kann es erwarten, dass die Bühne endlich ihre Hüllen fallen lässt. Nach einer geschlagenen halben Stunde Umbaupause wird die auf das Banner-starrende Masse endlich von einem harten Gitarrensound wachgerüttelt und die anfängliche Trägheit ist von jetzt auf gleich verflogen.
Das Banner fällt und Sänger und Gitarrist Michael Poulsen begrüßt das Publikum mit einem lauten: "Are you ready?!". Schon nach den ersten Akkorden von "Hallelujah Goat" haben die vier Dänen die Masse im Griff. Wenn man so in die Reihen blickt sieht man überwiegend nur schwarz. T-Shirts natürlich. An Haarfarben ist jedoch von grau bis dunkel alles dabei. Es ist eher schwer zu sagen, welches Alter der klassische Volbeatfan hat, klar ist nur, er ist schwarz angezogen. Zehn Jahre stehen die Jungs aus Kopenhagen nun schon auf der Bühne. Und haben immer noch den gleichen Spaß daran. Das lassen sie die Fans in jedem Song spüren.
Vor allem Bassist Anders Kjølholm liebt es geradezu mit dem Publikum zu spielen. Ständig starrt er angestrengt in die Menge, um mit jedem einzelnen Besucher persönlich Blickkontakt aufzunehmen. Sänger wäre er wohl auch gern geworden, denn fast jedes Lied singt er ausdrucksstark, mit aufgerissenem Mund, mit. Poulsen jedoch lenkt die Aufmerksamkeit auf sich, indem er auf der Bühne hin und her und vor allem rauf und runter läuft. Die Bühne hat nämlich einige Stages, worauf die Band auf verschiedenen Höhen spielen und singen kann, sodass auch mal Schlagzeuger Jon Larsen nicht im Hintergrund steht. Der hinter seinem nicht unbescheidenen Schlagzeug sowieso kaum zu sehen ist. Beleuchtet wird die Band mit unzähligen Punktstrahlern, sodass die Bühne ständig in hellem Licht und wechselnden Farben erstrahlt.
Natürlich können es Volbeat auch nicht lassen, einen Song von Johnny Cash zu spielen, schon allein die Frisur von Michael Poulsen erinnert an die Zeit der Countrylegende. Nur ist seine Tolle schwarz wie die von Elvis und nicht braun. Nichtsdestotrotz lässt die Band ihre Blues- und Countryeinflüsse das Publikum immer wieder spüren. Die Fans sind ohnehin begeistert von den Akkustikintros. Als "Sad Man’s Tongue" angespielt wird, werden die sanften Akkustikklänge nämlich von dem Gegröle des Publikums übertönt. Auch die Band kann die Begeisterung kaum glauben: "You’re really the best. The best crowd of the tour so far". Bei der Frage, was die Band als nächstes spielen solle, ist das Publikum jedoch überfragt. Nachdem die vier Musiker keine Antwort bekommen, spielen sie kurzerhand "We Will Rock You" an, was sich zu einem kurzen Queen-Medley entwickelt und mit "I Want To Break Free" endet.
Die Zugabe wird natürlich mit dem Superhit aus dem Tour-Album "Beyond Hell Above Heaven" gestartet: "Fallen". Den Song widmet der Sänger seinem verstorbenen Vater. Zu den letzten Liedern zählen selbstverständlich auch noch Thanks", um dem Publikum ihren Dank auszudrücken und natürlich der Klassiker "I Only Wanne Be With You", was den Fans nochmal den Rest gibt. So richtig losreißen kann sich die Band allerdings nicht von der grölenden Masse. Erst nachdem fast das halbe Equipment (Plektren, Becken, Sticks) in die tobende Menge geschmissen wurde, lassen sich die vier Dänen nochmal so richtig feiern und verabschieden sich mit einer höflichen Verbeugung. Die Fans strömen nach draußen und quetschen sich summend (Thank you people, for being around...) in die Bahn.