Vreid / Kampfar / Krakow

The Black Path Tour 2011

27.05.2011 Turock / Essen

Von: Benjamin Jung

Vreid / Kampfar / Krakow Essen

Unter dem Banner "The Black Path Tour" sind drei norwegische Bands zu Gast im Ruhrpott. Ursprünglich sollte das Konzert in der Zeche Bochum stattfinden, wurde aber kurzfristig nach Essen ins Turock verlegt. Dafür ist der Eintritt frei, es gibt nur den üblichen Mindestverzehr. Da dies alles recht kurzzeitig angekündigt wurde und offensichtlich noch einige Konzertbesucher auf dem Weg nach Essen sind, müssen die Bergener Krakow nur vor einigen Dutzend Leuten spielen.

Punkt 20 Uhr betritt die Band die Bühne und startet mit ihrem ersten Song vom bis jetzt ersten und einzigen Album. Nach einem sehr langen Intro plätschern die Songs recht uninspiriert vor sich hin. Basser und Sänger Frode Kilvik wird vom Gitarrist Kjartan Grønhaug mit cleanen Vocals unterstützt, was dem Stoner Metal der Vier etwas Abwechslung verleiht. Durch zu viele triste Instrumentalparts können die Jungs jedoch nicht wirklich punkten und der Funke springt beim Essener Publikum nicht über. Trotz des ohnehin schon sehr lauten Sounds im Turock prügelt Drummer Christopher Swahn Zibell ohne Gnade in langsamen Takten auf sein Drumset ein, was zur Folge hat, dass sich ein Beckenständer von der Bühne verabschiedet. Das ist leider das einzige Highlight, denn nach drei Liedern und knappen 25 Minuten verlassen Krakow mit einem Anstandsapplaus die Bühne. Es kann also nur besser werden.

Und das wird es – Kampfar stehen in den Startlöchern. In der Umbauphase wird die Bühne mit Bannern des Artworks vom aktuellen Album "Mare" geschmückt, zudem prangt ein großes Backdrop hinter der Bühne. Mittlerweile ist die Halle auch voller als beim Supportact. Um 20:45 Uhr wird es dunkel in der Halle, Nebel steigt auf und die Instrumentalfraktion betritt bei einem Herr der Ringe–Intro und dunkelrotem Licht die Bühne. Beim Opener "Mare" entert dann auch Sänger und einziges Gründungsmitglied "Dolk" die Bühne. Der Musikstil von Kampfar bewegt sich zwischen rohem Black / Pagan Metal und klassischer (nordischer) Folklore. Die Band aus Fredrikstad hat das Publikum bereits nach einigen Takten voll im Griff, die Menge bangt und zelebriert jeden Song voller Inbrunst mit. Der sympatische Sänger samt Nieten- und Baunägelarmbändern postet was das Zeug hält und feuert das Publikum an. Livegitarrist Ole Hartvigsen und Bassist Jon Bakker wechseln permanent die Seiten, während Drummer Ask mit seinem bombastischen Schlagzeugspiel sowie Backingvocals das Turock zum Staunen bringt. Die Band spielt ein rundes Best-Of-Programm, wobei der Großteil der Songs aus den beiden letzten Alben besteht. Nach dem munteren Mittelteil im vierten Song "Norse" vom 1999er Album "Fra Underverdenen" gibt es kein Halten mehr. Die Menge schunkelt und bangt sich in Rage, alle Musiker haben sichtlich großen Spaß an diesem Abend. Und dieses Level wird bis zum letzten Song "Ravenheart" auch beibehalten. Man lobt, dass man bereits in Wacken vor über 20.000 Leuten gespielt hat, aber dies nichts zum heutigen Abend bedeute. Kampfar überzeugen auf ganzer Linie und hinterlassen nach etwas über einer Stunde ein mehr als zufriedenes Publikum.

Setlist:

Mare
Inferno
Troll, Dod Og Trolldom
Norse
Dødens Vee
Huldreland
Vetteklt
Altergang
Blitzwitch
Ravenheart

Nun wird die Bühne für Vreid aus Sogndal umgebaut. Die Nachfolgeband von Windir kann mittlerweile auf fünf Alben zurückblicken. Um 22 Uhr betritt die Band vor einem großen schwarz-weißen Logobackdrop die Bühne und startet ohne Intro direkt mit dem Opener "Arche" vom aktuellen Album "V". Der melodische Black Metal der Jungs macht einfach nur Spaß und verleitet sofort zum Moshen. Die Saitenfraktion bestehend aus Sänger/Gitarrist "Sture" Dingsøyr, Basser Jarle "Hváll" Kvåle und Stian "Strom" Bakketeig ist einheitlich gekleidet in schwarz/olive Vreid-Hemden mit Logo und Norwegen-Fahne, während der Mann hinter den Kesseln Jørn "Steingrim" Holen nur Shorts trägt, was bei seinem phänomenalen Schlagzeugspiel nicht verwunderlich ist; der Mann schwitzt einfach nur. Aber hier sitzt jeder Takt, jeder Lauf, jedes Break. Genau wie bei Kampfar ist der Sound wie so oft im Turock sehr gut abgemischt, jede Nuance ist hörbar. Musikalisch orientiert man sich am aktuellen Album "V", was das Publikum feierlich entgegennimmt. Die Stimmung ist sehr gut, die Menge klatscht, bangt und die Band hat spürbar ihre Freude. Leider wird von den älteren Alben jeweils nur ein Lied gespielt, aber am Schluss sind alle glücklich und zufrieden. Dieser Abend hat sich auf jeden Fall gelohnt!

Setlist:

Arche
The Blood Eagle
I Krig
Fire On The Mountain
Speak Goddamnit
The Sound Of The River
Wrath Of Mine
Wolverine Bastards
The Other & The Look
Pitch Black

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