Wacken Open Air Festival

22. Wacken Open Air 2011 - 04.-06.08.2011 - mit Helloween, Blind Guardian, Ozzy Osbourne, Apocalyptica, Judas Priest, Motörhead u.v.a.

04.08.2011 Wacken Open Air Gelände / Wacken

Von: Benjamin Jung

Wacken Open Air Festival Wacken

Jedes Jahr am ersten Augustwochende ist es soweit: Das kleine Örtchen Wacken in Schleswig-Holstein mit 1.800 Einwohnern öffnet seine Pforten für das größte Heavy Metal Festival der Welt, das Wacken Open Air. Dieses Jahr wurden 75.000 Karten verkauft, dazu kamen 10.870 Teilnehmer, bestehend aus Künstlern, Dienstleistern, Pressevertretern, VIPs, Rettungs- und Sicherheitskräften und Wacken-Bewohnern. Bereits am Mittwoch Nachmittag sind die Zeltplätze gut gefüllt, obwohl das Festival erst am Donnerstag offiziell eröffnet wird. Bei der Anreise tummelt sich schon das schwarze Volk auf den Bürgersteigen, in diversen Vorgärten von Anwohnern und vor dem bzw. im berühmten Edeka-Markt. Überall gibt es Bier, diverses Grillgut, Döner, Brezeln, Süßkram und sogar eine eigens hergestellte Wacken-Marmelade. Die Wackener Kinder stellen sich, wie jedes Jahr, gegen ein kleines Entgelt mit ihren Kettcars samt Bollerwagen als Transportmittel für Reisegepäck und/oder die Einkäufe der Metaller zur Verfügung. Dank der gut eingearbeiteten Parklotsen gelangen wir recht schnell und unkompliziert zu unserem Zeltplatz. Dort angekommen wird im helllichten Sonnenschein unser Zeltlager eingerichtet. Danach muss das Gelände inspiziert werden. Auf dem Weg zum eigentlichen Festivalgelände kommen wir an Wrestlingshows, Feuershows und Schlammcatchshows vorbei. Kurz vor dem Eingang befindet sich das Wackinger Village, eine Art Mittelalterstadt mit Trinkständen, Biergarten, Grills, jeder Menge Ständen mit Trinkhörnern, handgefertigten Kleidungsstücken und Schmuck – kurzum alles, was der Mittelalter/Wikingerfan braucht. Hier verbringen wir gemütlich den Mittwochabend, bevor es wieder Richtung Zelt geht.

Am Donnerstag Morgen ist Petrus nicht mehr gnädig mit uns, es regnet und wir bauen die Zeltstadt aus, damit alles schön trocken bleiben kann. Ein größeres Zelt sowie ein Pavillion sind ab heute feste Bestandteile unseres Lagers. Nach einem gemütlichen Frühstück wird es Zeit, den VIP-Bereich des Wacken Open Air zu begutachten. Direkt neben einer der Hauptbühnen befindet sich ein überdimensionaler Kuhschädel, der als Eingangstor zum VIP-Bereich dient. Über eine Treppe kommt man direkt in den Bereich der VIPs und Presseverteter. Hier sieht es schon um einiges sauberer aus als auf den schon am ersten Tag recht zugemüllten Zeltplätzen. Es ist auch ruhiger – eine sehr gesittete Atmosphäre. Zahlreiche Fressbuden mit den Festivalstandards Pommes, Grill und Döner finden sich auch im VIP-Bereich, aber hier werden zudem Scampi, French Fries, Salate und diverse andere Leckereien gereicht, die man auf dem normalen Festivalgelände nicht zu sehen bzw. zu speisen bekommt, und das alles im bezahlbaren Rahmen. Dazu ist ein schicker überdachter Bereich mit Cocktailbars zu bewundern, wo sich die meisten Backstager aufhalten. Für die Musiker gibt es noch ein Schmankerl hinter den Kulissen: Einige Instrumentenhersteller stellen hier ihre neuesten Modelle aus. In kleinen Zelten dürfen Gitarren und Bässe direkt an Verstärkern getestet werden. Zentraler Punkt im Backstagebereich ist das VIP-Zelt, wo regelmäßig Pressekonferenzen mit Musikern und dem Veranstaltungsteam stattfinden. Im Zelt selber stehen einige Laptops zur freien Verwendung, Ladestationen für Elektrogeräte und natürlich Sitzgelegenheiten, von der umgedrehten Schubkarre bis hin zur Riesencouch. Punkt 15 Uhr betritt ein Künstler den Pressebereich, der später auch auf einer der Hauptbühnen sein Programm abliefert, aber keine Musik spielt. Die Rede ist vom Comedian Bülent Ceylan, dem langhaarigen Deutschtürken mit dem markanten Mannheimer Akzent. Zusammen mit Jacob Kranz vom Metal Hammer sitzt er auf einer kleinen Bühne vor den zahlreich anwesenden Vertretern der Presse, und beantwortet bereitwillig alle Fragen. Ceylan ist tatsächlich eingefleischter Metalfan, irgendwann fing es bei ihm, wie bei so vielen, mit Metallica an, er ist großer Fan von Tool und mag gerne die abgefahreneren Sounds. Letztes Jahr spielte er ein kleines Programm auf dem Summer Breeze, dieses Jahr freut er sich, in Wacken zu sein. Er sagt, dass er für seinen Auftritt keine Gage bekommt, sondern wahnsinnig froh ist, in Wacken sein zu dürfen und er den Auftritt aus reinem Spaß macht. Und Spaß hat der gute Mann, dazu später mehr.

Die Sonne ist mittlerweile wieder draußen, es ist heiß und auf der Black Stage bekommen wir nun von der Band SKYLINE den Startschuss. SKYLINE ist die Band von Mit-Veranstalter Thomas Jensen, die auf dem ersten Wacken Open Air 1990 schon gespielt hat. Als Sängerin betritt ganz überraschend Madame Doro Pesch die Bühne, die die Massen mit "All We Are" mehr als einfach nur aufwärmt. Aber SKYLINE hat noch mehr "Gastsänger". Nach Doro dürfen Udo Dirkschneider (Ex-Accept, U.D.O.) mit "I’m A Rebel"  sowie Chris Boltendahl (Grave Digger) und zu guter letzt Onkel Tom Angelripper (Sodom) mit ihren Wacken-Hymnen dem Publikum einheizen. Ein schöner, gelungener Auftakt. Danach geht’s sofort weiter mit Bülent Ceylan, der mit seinem 30 Minuten Programm die rund 40.000 Besuchern zum Lachen bringt. Der Mann freut sich "nen Ast" und begeistert einfach nur. Seine große Beliebtheit beim Publikum zeigt sich auch an der folgenden Meet&Greet-Stunde, wo neben der Bühne Fotos mit Bülent Ceylan gemacht werden dürfen und jeder ein Autogramm bekommt. Die Warteschlangen sind sehr lang und nicht jeder hat das Glück, dem Türken die Hand zu reichen.

Währenddessen bolzen auf der Bühne nebenan die Jungs von FREI.WILD ihr Programm runter. Hier zeigt sich recht deutlich am Publikum, dass die Tiroler nicht wirklich zur Metalgemeinde gehören. Für meinen Geschmack müssen FREI.WILD viel zu oft deutlich erklären, dass sie keine Nazis sind. Auf jeden Fall kommen sie bei ihren Fans letzten Endes gut an. Sofort geht’s weiter zum Power Metal-Double, eingeleitet von HELLOWEEN auf der True Metal Stage um 19 Uhr. Bereits der zweite Song ist ein Klassiker aus den 1980er Jahren: "Eagle Fly Free". Leider kippt die Stimmung beim Gig immer wieder, was vor allem an den Ansagen und den Mitsing- und Klatschspielchen von Sänger Andy Deris und diversen Stromausfällen liegt. Als gegen Ende des Sets dann noch Keeper-Hymnen wie "Future World", "Dr. Stein" und "I Want Out" folgen, ist das Publikum aber wieder mit Helloween versöhnt. Die zweite Power Metal-Band des Abends ist BLIND GUARDIAN, die nebenan auf der Black Stage spielen. Die Krefelder sind beliebt wie eh und je und können eigentlich nichts falsch machen. Nicht gerade überraschend bringen sie ihr Best-Of-Programm inklusive der Mitsingnummer für die Fans "The Bard's Song - In The Forest". Zum Schluss noch "Mirror Mirror" und alle sind zufrieden. Aber damit nicht genug für diesen Abend. Mr. OZZY OSBOURNE und seine Kapelle stehen auf der True Metal Stage um 22:30 Uhr in den Startlöchern. Inzwischen ist es vor beiden (!) Hauptbühnen so voll geworden, dass keine Zuschauer mehr auf das Festivalgelände gelassen werden. Wir haben das Glück und stehen mittendrin. Dann die Überraschung: Der Mann ist fit, und zwar so was von! Er trifft zwar nicht exakt jede Note aber das sei ihm bei seinen 62 Jahren und seinem Lebenslauf verziehen. Eine Hymne folgt auf die nächste, u.a. "Iron Man", "Mr Crowley" und "Bark At The Moon". Nach etwas der Hälfte des Sets gönnt sich Herr Osbourne eine kleine Pause, verschwindet von der Bühne und seine Band um Gitarrist Gus G. darf sich alleine feiern lassen. Danach geht es munter weiter. Ozzy wirft einige Eimer mit Schaum und Wasser ins Publikum, zeigt uns seinen blanken Allerwertesten und ist außer Rand und Band. Eine der Übernummern dieses Konzerts ist auf jeden Fall "Crazy Train", bevor dann "Mama, I’m Coming Home" das Ende eines anderthalbstündigen Konzerts einläutet. Unfassbar! Damit ist der erste Konzerttag auch schon vorbei.

Am Samstagmorgen brennt die Sonne und es geht um 12 Uhr direkt los auf der Black Stage mit ENSIFERUM. Traditionell stehen die Mannen mit blankem Oberkörper und in ihren Wikingerröcken auf der Bühne. Für diese Uhrzeit ist es überraschend voll, nicht ganz wie bei Ozzy am Abend zuvor, trotzdem ist auch hier kaum ein Durchkommen. Die Band und das Publikum sind energetisch, gut gelaunt und jedes Stück wird zelebriert bis der 10-Minuten-Song "Victory Song" das Ende des einstündigen Gigs einläutet. Gegen 16:30 Uhr wird’s zum ersten Mal Schwarz auf einer Bühne. Die Norweger von KHOLD haben in das WET-Stage-Zelt geladen. Die Bühne ist sehr dunkel, Nebel liegt in der Luft und nach und nach betreten die Musiker – mit Corpsepaint – die Bühne. Trotz Sonnenschein, der in das an einer Seite offene Zelt scheint, wirkt der ganze Gig sehr düster. Das liegt u.a. an dem glatzköpfigen Sänger Gard, der die etwas langsameren Black Metal Songs von KHOLD so drückend und emotional überzeugend rüberbringt, als würde er Schwermut neu definieren. Leider ist nach einer halben Stunde auch schon Schluss. Wir bleiben im WET Stage-Zelt, denn die Hamburger von NEGATOR sind der nächste Act. Ohne Corpsepaint, dafür um einiges schneller als KHOLD wird hier "Panzer Metal" zelebriert, der stellenweise sehr an Endstille erinnert. Der Fünfer fühlt sich sichtlich wohl in Wacken und das kommt auch trotz der Aggression in den Songs sehr gut beim Publikum rüber. So macht Black Metal Spaß.

Um 18:15 Uhr starten die Amis von TRIVIUM auf der True Metal Stage ihren Gig. Der neuerdings kurzhaarige Sänger/Gitarrist Matthew Heafy lächelt permanent und freut sich über die vielen Besucher, die am frühen Abend dem Thash/Metalcore seiner Kapelle lauschen. Zu dieser Truppe muss man einfach mitwippen, hier wird gemosht, was das Zeug hält, Clean Vocals wechseln sich ab mit tiefen Growls und man hat fast Angst, dem kleinen Ami platzen die Halsschlagadern. Aber es geht noch wilder. Um 19:30 Uhr geht’s nach nebenan zur Black Stage. Die Metalcoreband HEAVEN SHALL BURN lädt ein zu einer Stunde Abendsport. Das ist schon mehr als beeindruckend, was man hier zu sehen bekommt. Alle Bandmitglieder sind schick mit roten, zugeknöpften Hemden bekleidet und Sänger Marcus Bischoff wirkt wie der Bankangestellte von nebenan. Bis er das Mikro zum Mund führt. Begleitet vom bratenden Sound seiner Kollegen schafft er es binnen kürzester Zeit den Großteil des Publikums zum Circlepit zu animieren. Hier laufen nicht mal eben 20 Leutchen im Kreis herum, nein, ganze Massen rennen (!) um einen großen Lichstrahlerturm, der sich im hinteren Teil des Publikums befindet. Um 20:45 Uhr wird’s wieder richtig voll auf dem Gelände, denn Rob Halford und JUDAS PRIEST spielen ein Set von über zwei Stunden. Wer hier nicht rechtzeitig in der Nähe der Bühnen steht, wird nicht mehr aufs Gelände gelassen. So ist das nun mal bei den ganz Großen, die jeder sehen will. Auf einmal ist man wieder mitten in den 80er Jahren. Die Outfits der Musiker stimmen und die Songs kennt jeder vor der Bühne. Mr. Halford wirkt insgesamt etwas müde, er ist ja auch schon fast 60 Jahre alt. Trotzdem "sitzt die Stimme" und die Band ist perfekt aufeinander eingestimmt. Die Menge ist begeistert von Songs wie "Metal Gods", "Turbo Lover", "Breaking The Law" und "Painkiller".

Da JUDAS PRIEST ja so lange spielen sollten, lohnt sich ein kurzer Schlenker zum WET Stage-Zelt, wo die Norweger TSJUDER Angst und Schwärze verbreiten. Die Band besteht nur aus drei Musikern, obwohl man bei dem Sound das Gefühl hat, hier stehen mindestens doppelt so viele Leute auf der Bühne. Lediglich bei den Gitarrensoli fällt es auf, daß nur ein Trio spielt. Das Zelt ist sehr voll, da TSJUDER schon so was wie eine Kultband sind, die jeder Schwarzmetaller mal gesehen haben muss. Hier wird gebolzt ohne Gnade,  Blastbeats regieren, keine Atempause, weder für die Band noch für das euphorisch bangende Publikum. Nach diesem Fest lauschen wir noch dem Schluss von JUDAS PRIEST bevor wir eine kleine Pause haben. Die Australier AIRBORNE flitzen AC/DC-like über ihre Gitarren, dass es eine Wonne ist, dabei zuzusehen. Der Sound klingt sehr vertraut und die Band ist live auf jeden Fall ein Hingucker, nicht nur für Gitarristen. Das Highlight dieses Gigs ist die Klettereinlage von Sänger Joel O’Keeffe, der mit der Gitarre auf den Rücken geschnallt, auf das Gerüst der True Metal Stage klettert. Schätzungsweise 30 Meter über dem Boden rockt er mit seiner Klampfe weiter, ohne Netz und doppelten Boden – was für eine Aktion! Nach einer weiteren Pause geht’s um 2 Uhr zu APOCALYPTICA, die dieses Jahr auf der Black Stage spielen. Das Feld ist nach JUDAS PRIEST zwar etwas leerer, dennoch freuen sich viele auf den Cello Metal der Finnen. Lediglich bei zwei Liedern ist ein Sänger auf der Bühne, dem Rest des Gigs fehlt für unseren Geschmack noch etwas. Obwohl man auf der Hauptbühne spielt, ist der Sound nicht "voll" und "rund". Vielleicht haben wir einfach zu viele Gitarren gehört an diesem Tag.

Am Samstag scheint immer noch die Sonne und wir verbringen den frühen Nachmittag am Zelt, um uns vom Vortag zu erholen und Kraft für den neuen Tag zu tanken. Um 16:15 Uhr stürmt das norwegische Black Metal Urgestein MAYHEM die Black Stage. Sänger Attila Csihar überrascht diesmal nicht mit diversen Kostümen, wie man es normalerweise von MAYHEM-Shows gewohnt ist, sondern erscheint klassisch mit Bluejeans und Lederjacke. Drummer Hellhammer, der in (gefühlt) mindestens 200 norwegischen Bands trommelt, spielt wie eine Maschine, hier sitzt jeder Schlag, jeder Break. Ein munteres Set aus neuen und alten Songs wird geboten, aber die Fans wollen die Songs aus der berühmt-berüchtigten Zeit hören. Bei Songs wie "Freezing Moon" wird jede Zeile mitgeschrien. Aber eine Band wie MAYHEM darf auch nicht am helllichten Tag im Sonnenschein spielen. Trotzdem ist der Großteil der Anwesenden erfreut, den kalten Klängen aus dem hohen Norden zu lauschen. Direkt nach dem Gig von MAYHEM wird es spürbar voller, die Amis von ICED EARTH haben in Wacken offensichtlich sehr viele Fans. Die Band ist routiniert und feuert ihren Power Metal der Masse entgegen. Nach knapp über einer Stunde ist auch dieses Konzert zu Ende, hier hätte der Veranstalter gerne noch einige Minuten Spielzeit drauflegen können. Trotzdem hinterlassen Matt Barlow, Jon Schaffer & Kollegen ein glückliches Publikum.

Mit Power Metal geht es weiter. Um 20 Uhr ist es rappelvoll vor der True Metal Stage.  AVANTASIA geben sich die Ehre. Tobias Sammet, seines Zeichens Sänger der Power Metaller EDGUY zündet mit seinen Gastsängern u.a. Jorn Lande, Michael Kiske und Bob Catley sowie einer Allstar-Band ein Metal-Oper-Bombast Feuerwerk der Extraklasse ab. Hier steht gute Laune auf dem Programm, die für gut anderthalb Stunden auch anhält, bevor sich dann schlagartig der Opernvorhang wieder schließt. Eine interessante Randnotiz ist, daß die Metal-Gemeinde in Wacken Michael Kiske sehr positiv aufnimmt. Kiske hatte sich viele Jahre lang zurückgezogen. Nach einer kleinen Pause spürt man Nervosität in der Luft, MOTÖRHEAD spielen auf der True Metal Stage. Kurzfristig wurde die Spielzeit noch verlängert, weil man wohl wusste, dass die Wackener Lemmy lieben. Eine Stunde ist einfach viel zu kurz für MOTÖRHEAD. Hier wird einfach nur gefeiert und jeder Song Zeile für Zeile mitgesungen. Das obligatorische "Ace Of Spades" darf in diesem Set natürlich nicht fehlen, und der Song "Killed By Death" bildet den Abschluss einer  Monstershow. Die Masse an Zuschauern ist endlos begeistert, was hier noch geboten wird. Langsam setzt allerdings wieder Regen ein. Einige stapfen schon gen Schlafgemach, aber Wacken ist noch nicht zu Ende, noch nicht.

Kurz vor 1 Uhr spielen noch die Finnen von CHILDREN OF BODOM. Hier geht es noch um einiges schneller zu als bei Lemmy & Co und das Publikum ist wesentlich jünger. Trotz Regen lassen sich Alexi Laiho und seine Band abfeiern. Keyboard- und Gitarrensoli wechseln sich blitzschnell ab, so wie man es von den Finnen gewohnt ist. Nach fast anderthalb Stunden ist dann aber auch gut, wir sind müde, nass und das 22. Wacken Open Air ist zu Ende. In der Nacht wird der Zeltplatz richtig schön aufgeweicht und am nächsten Morgen um 6 ist es trotz Sonnenaufgang immer noch düster. Regenwolken stehen noch immer am Himmel und machen den Abbau ziemlich unangenehm. Obwohl es noch sehr früh am Morgen ist, sehen wir schon recht viele Festivalbesucher, die gleichzeitig mit uns ihre Lager abbauen. Teilweise werden die Zelte oder Pavillions auch einfach am Acker zurückgelassen. Heute brennt kein Zelt, zu nass. Je leerer es am Acker wird umso mehr Müll sieht man. Wenn man sich das so anschaut, werden die Aufräumarbeiten wohl noch etwas länger andauern. Nachdem das Auto komplett beladen ist, die Hinterräder schon wieder fast in den Radkästen aufliegen, verlassen wir über die matschigen Straßen den heiligen Acker und düsen gen Rheinland. See you next year, good old Wacken – rain or shine!

Fakten:

• Einwohner Wacken: 1.800
• Kosten: 8 Millionen Euro
• Festivalfläche: 200 Hektar Kuhweide (ca. 280 Fußballfelder)
• Anfallender Müll: 600 bis 700 Tonnen
• Bühnenmaterial: 2.275 Tonnen
• Absperrzaun: 35 Kilometer
• Mobile Toiletten: 450
• Ausgeschenktes Bier: mehr als 100.000 Liter
• Für das Festival hergestelltes "Wacken-Bier": 15.000 Liter

 

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