Waltari

Tour 2009 - Support: Dunderbeist

13.12.2009 Underground / Köln

Von: Shirin K

Waltari Köln

Ich möchte mich vorneweg dafür entschuldigen, dass dieser Bericht voller Lobhudeleien und Lobpreisungen ist, aber ich kann nicht anders. Denn seit ich Waltari 1992 auf der Rheinkultur in Bonn gesehen habe, sind sie eine meiner unbestrittenen Lieblingsbands, wenn nicht gar DIE Lieblingsband. Die Kombo um Mastermind Kärtsy Hatakka gibt es schon seit 1986. Seitdem verwirren die Finnen die Musikwelt mit Ausnahmeveröffentlichungen á la "Torcha", "So Fine!", "Big Bang" und vielen anderen Genialitäten. Musikalisch bietet sich dem geneigten Hörer alles, was das Herz begehrt: Von Jazz über Ethno, Techno, Punk und Metal wird alles in den Songs verwurstet, was das Ohr erfreut – oder auch nicht, denn Irritation ist ein Hauptelement von Waltari-Musik. Legendär auch die gewaltige Death Metal Symphonie "Yeah! Yeah! Die! Die!" (der Titel sagt alles!), die sogar in der Nationaloper in Helsinki samt Orchester und Ballett-Ensemble aufgeführt wurde (und ich war dabei!!). Dass die Musik von Waltari keine einfache Kost ist und man die Band in keine Schublade stecken kann, liegt auf der Hand. Man weiß nie, was einen bei einem neuen Album erwartet – daher ist Waltari nie wirklich etwas für ein Mainstream-Publikum gewesen.

Trotzdem ist die Tatsache, dass die Band nach dieser langen Historie im Kölner Underground spielen muss, eine Katastrophe. Andererseits haben wir hier auch eine Konzentration von Hardcore-Fans, wie man sie sonst selten hat. Es sind sogar Fans aus Frankreich, Polen und Finnland angereist. Leider gibt es an diesem Abend am Merch-Stand keine Exemplare des neuen Albums "Below Zero" zu erstehen, denn sie sind alle am Vortag auf der Show in Essen verkauft worden. Das ist schade, denn das Album ist leider nicht in Deutschland veröffentlicht worden (eine weitere Katastrophe!). Nun ja! Dafür spielt als Vorgruppe eine interessante norwegische Rock-Kombo namens Dunderbeist. Musikalisch schwer einzuordnen, was die Band macht (kann auch am teilweise breiigen Sound liegen), und warum ausgerechnet sieben ganze Musiker auf der kleinen Bühne Platz finden müssen, ist auch nicht wirklich begreiflich. Zumindest machen sie mit ihrer Panzerknacker-Schminke und der verrückten Bühnendeko optisch was her und liefern eine unterhaltsame Show ab.

Und dann kommen endlich die Helden des Abends auf die Bühne. Kärtsy, mittlerweile mit sehr schütterem Haupthaar, das er immer noch feuerrot färbt, ist trotz der geringen Besucherzahl super drauf und begrüßt die Fans mit seinem wahnsinnigen Grinsen. Gitarrist Sami ist momentan mit seiner zweiten Band Kreator auf Tour, weswegen er von einem Aushilfe-Gitrarristen vertreten wird, ansonsten sind die üblichen Verdächtigen dabei, als da wären der sanftmütig wirkende Jari an der ersten Gitarre, Janne, der verrückte Keyboarder und Ville an den Drums. Los geht's mit dem neuesten Hit "Below Zero", eine ziemlich schwermetallische Nummer ohne irgendwelche Schnörkel oder Eskapaden. Schon ab dem ersten Takt kennt das Publikum kein Halten und geht ab wie Schmitz Katze (oder wie sagt man?). Es folgen weitere neue Songs, die ich (da ich das neue Album noch nicht besitze -- Asche über mein Haupt, ich gehe in die Ecke und schäme mich…) nicht kenne, umso erfreulicher ist es, als Kärtsy ankündigt, dass nun ein paar ältere Songs folgen werden, als da wären "Far Away", eine Drum'n'Bass goes Metal-Nummer aus dem "Space Avenue" Album und das atmosphärisch aufgeladene "Atmosphere" von der "Big Bang". Yeeeeeaaaaaaaaaaahh!

Richtig spaßig wird es dann, als Kärtsy einen der beknacktesten und ältesten Songs der Bandgeschichte ankündigt: "Palaa Leipää", eine im Gewand einer Volksweise herkommende Schunkel- und Bierzeltnummer (eigentlich ziemlicher Müll…), die Waltari zu unseren Ehren sogar mit deutschem Refrain zum Besten gibt: "Stückchen Brot, Stückchen Brot, Stückchen Brooohoooot, kosteeeheet fünf Euro" (früher waren es Mark, aber der Text wurde angepasst…). Das Publikum, egal ob besoffen oder nüchtern, schunkelt und grölt, was das Zeug hält und lacht sich nebenher noch scheckig. Kaum ist man allerdings in Schunkelstimmung gekommen, schiebt die Band eine uralte finnischsprachige Hardcore-Punk-Nummer hinterher, kurz, schmerzvoll und von einem trockenen "kiitos" (danke!) beendet. Wir sind ja schließlich nicht zum Lachen hier!

Wenn etwas klar wie Kloßbrühe ist, dann ist es die Tatsache, dass das Konzert nicht ohne den größten Erfolg von Waltari laufen wird, nämlich die Techno-Ethno-Metal Nummer "So Fine!". Ein Song, durch den ich zum ersten Mal lernte, dass es in Lappland das sogenannte Joiken gibt. Hört sich dann so an: "Elalolelolela, elalolelolela, elalolelolela, elalolelolela…" Alles klar?? Was Besseres gibt es zum Tanzen nicht! Auch Kärtsy wirbelt von einer Ecke der Bühne zur anderen, springt auf und ab und klatscht und animiert das willige Publikum zu noch wilderen Tänzen. Zwischendurch rollt er wahnsinnig mit den Augen und grinst sein teuflisches Grinsen. Jari, der normalerweise sehr arglos und unschuldig daherkommt, vollzieht zwischendurch akrobatische Übungen und macht Luftsprünge. Zwischendurch beglückt uns noch Janne mit einer Tellerscratching-Nummer, indem er mit einer Gabel minutenlang einen Teller bearbeitet (aua! Aber ich wiederhole mich ungern: Wir sind ja nicht zum Lachen hier!).

Das Konzert ist leider viel zu schnell vorbei, als Zugabe gibt es "Move" aus dem "Yeah! Yeah! Die! Die!" Album und – die absolute Krönung an diesem Abend die Coverversion von "No Limit", die in der Mitte in Megadeths "Symphony Of Destruction" übergeht. Einfach herrlich – und ein würdiges Ende für ein klasse Konzert. Oder eher Konzerterlebnis, denn Waltari zu sehen ist Waltari erleben!! Jawohl! Auch wenn für mich einige Klassiker wie "Lights On", "Stage" oder die groteske Coverversion von Madonnas "Vogue" auf der Setliste fehlten, bin ich unendlich glücklich, dass die Band sich endlich wieder nach Deutschland getraut hat. Ich kann nur hoffen, dass im nächsten Jahr, wenn die Band wieder auf Tour geht, mehr Leute ihren Arsch hochkriegen und sich auf den Konzerten zeigen. Denn jetzt mal ganz ehrlich: Ohne Waltari wäre die Welt doch wirklich ein sehr trister Ort! In diesem Sinne ein dreifaches "Yeah! Yeah! Die! Die!" und bis zum nächsten Waltari-Konzert. Okay?

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