Warpaint

Tour 2010 - Support: Fallulah

03.11.2010 Uebel & Gefährlich / Hamburg

Von: Jonas Bielenberg

Warpaint Hamburg

Als ich am Übel und Gefährlich eintreffe, bin ich erst einmal erleichtert, dass man nicht die mühsamen Treppen ins oberste Stockwerk beschreiten muss. Stattdessen wartet der Fahrstuhlboy am eigenen Fahrstuhl, um die Gäste hoch zum Konzert zu begleiten. Der Weg führt uns - wider meiner Erwartung - zur großen Bühne. Es sind auch schon ein paar Leute da, mehr als ich erwartet habe. Haben sich die vier Frauen von Warpaint also doch schon einen Namen gemacht. Und das bei einer breiten Masse. Das Publikum ist angenehm gemischt.

Pünktlich um 21:00 Uhr kommt die Vorband, deren Namen man übrigens während des gesamten Auftritts nicht versteht. Eine hübsche junge Frau mit ausgefallenem Kleid und Tambourin betritt die Bühne. Außerdem noch vier junge Männer. Und los geht’s mit "Only Human" einem netten poppigen Rocksong. Fallulah heißt die Band – oder auch die Frau am Mikro. Gut gelaunt trällert sie ihre schönen Texte, begleitet von Gitarre, Keys und Bass, während sie wild entschlossen auf ihr Tambourin schlägt oder es sich auch mal auf den Kopf setzt. Sehr harmonische, stimmungsvolle Songs und eine Band, die diese zu vermitteln weiß. Beim dritten Song überfallt mich sogar Gänsehaut, so gut kann diese Fallulah singen. Zwischendurch erfährt man dann noch, dass sie erst vor sechs Monaten in Hamburg gespielt haben. Nächster Song: "Work". Abwechslungsreich schafft es die Band mit Instrumenten wie Kontrabass, Kuhglocke, Rasseln oder Banjo das Publikum mitzureißen und nach dem letzten besonders energisch vorgetragenen Song "Bridges" die Bühne zu verlassen. Das Konzert hätte aber trotz Vorbandstatus länger andauern können als knapp 40 Minuten. Später muss ich dann leider feststellen, dass die Songs auf CD nicht ansatzweise so gut rüberkommen wie live, also absolut sehenswert.

Ganz schön viele Leute da, denke ich mir, als ich nach der Vorband in den kleinen stickigen Raucherraum laufe. Als ich zurückkomme stehen die vier Frauen von Warpaint schon auf der Bühne, aber nicht um anzufangen, sondern ihren Soundcheck zu machen. Sehr ungewöhnlich, aber äußerst sympathisch. Als sie fertig sind verlassen sie die Bühne bis 22:00 Uhr, um dann erneut zu erscheinen und das Konzert mit dem Song "Warpaint" von ihrem Debütalbum "The Fool" zu beginnen.

Bassistin Jenny Lee Lindberg, in 90er Jahre Schlabberlatzhose, auf Körpergröße zurechtgeschnitten, und weißem weitem T-Shirt bewegt sich rhythmisch zu ihrem Instrument. Den Kopf hat sich sich bis auf wenige Millimeter geschoren, einen Pony hat sie stehen lassen, der fällt ihr lockig ins Gesicht. Total ins Spielen vertieft schaut sie selten ins Publikum. Links von ihr sieht man die Gitarristin Theresa Wayman. Auch sie versteckt sich hinter ihrem Pony, wirkt dabei aber eher schüchtern. Auf der anderen Seite steht Emily Kokal. Sie strotzt nur so vor Selbstbewusstsein. Jedenfalls deute ich ihren Blick so, der überwiegend aufs Publikum gerichtet ist. Sie wirkt wie die Wortführerin der Band. Hinter dem Schlagzeug sitzt, barfuß, Stella Mozgawa, das frischeste Bandmitglied. Jede für sich mit einer ganz besonderen Ausstrahlung.

Alle vier mit einem Mikrofon vor der Nase, ergeben ihre Stimmen einen sphärischen, sehr starken und mitreißenden Gesang. Abwechselnd übernehmen die beiden Gitarristinnen den Hauptgesang, die Anderen unterstützen sie als Background. Beim Anblick von Bassistin Jenny kommt man nicht drumherum an ihre Schwester Shannyn Sossamon zu denken. Für die, denen der Name nichts sagt: Ich meine die Schauspielerin, bekannt aus Filmen wie "A Knights Tale - Ritter aus Leidenschaft" oder "Rules Of  Attraction - Regeln des Spiels". Shannyn war übrigens selbst ein Gründungsmitglied von Warpaint. Sie stieg aus der Band aus, als sie mit ihrer Schauspielkarriere erfolgreich wurde. In "Rules Of Attraction" hat sie eine gemeinsame Szene mit Theresa, ihrer alten Bandkollegin, die auch schon einige kleine Rollen vor der Kamera gespielt hat.

Aber zurück zum Konzert. Dritter Song im Set ist "Bees", der vom Publikum mit lautem Gegröle zur Kenntnis genommen wird. Die Vier wissen dies spontan anzunehmen und beginnen ebenfalls zu grölen und stimmen mit breitem Grinsen im Gesicht den Song an. Die Stimmung wird von den sehr überzeugend vorgetragenen Songs auf einem sehr guten Level gehalten und überall wo man hinschaut sieht man in Gedanken versunkene zufriedene Gesichter, Freude und Zufriedenheit. Die da oben auf der Bühne machen ihren Job gut. Verdammt gut!

Zwischen zwei Songs gibt es dann noch eine kurze Showeinlage. Jenny beginnt nachdem sie einen Schluck aus ihrer Wasserflasche genommen hat an, damit zu jonglieren. Es sieht nicht besonders gut aus und sie scheint das nicht wirklich oft zu machen, und mit einer Flasche kann man das eigentlich nicht einmal Jonglieren nennen, aber sie scheint sichtlich Spaß dabei zu haben und das Publikum auch. Endlich versteckt sie sich nicht mehr konsequent hinter ihren Haaren. Und dann bleibt auch beim nächsten Song die Aufmerksamkeit auf sie gerichtet. Eines ihrer Kabel scheint nicht mehr zu tun, wofür es da ist. Es kommen nur noch sehr abgehackte unregelmäßige Töne aus dem Verstärker. Während Jenny genervt an ihrem Bass rüttelt, in der Hoffnung, das Problem ließe sich so beheben, läuft ihr Roadie nervös herum und versucht währenddessen die Bruchstelle des Kabels zu orten. Es hilft nichts. Erst nach dem Song kann das Kabel getauscht werden und in der Zeit schaffen es die anderen Drei, das Intro des folgenden Songs so lange zu improvisieren, bis der Bass wieder funktioniert und sie gekonnt den Bogen in den Song schaffen.

Um 23:00 Uhr ist das Set dann leider schon vorbei und die Band verlässt unter tobendem Applaus die Bühne. Gefühlte fünf Minuten lassen sie ihre Zuhörer sich die Hände wund klatschen, bevor sie mit dem Sieben Minuten-Song "Beetles" schließen, bei dem man schon wehmütig dem endgültigen Ende dieses großartigen Konzerts entgegen schaut und innerlich hofft, dass diese über-sympathischen Frauen schon bald wieder in Hamburg auf der Bühne stehen. Noch immer wie in Trance geht es, nun die Treppen hinunter, Richtung Ausgang. Was für ein gelungenes Konzert.

Fallulah Setlist:

Only Human
I Lay My Head
Use It Or Good
Work Song
Back And Forth
New York
Give Us A Little Love
Bridges

Warpaint Setlist:

Warpaint
Stars
Bees
Set Your Arms Down
Composure
Undertow
Majesty
Burgundy
Elephants
---------------
Beetles

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