White Lies

Ritual-Tour 2011

25.02.2011 Docks / Hamburg

Von: Jessica Franke

White Lies Hamburg

An Hype haben die White Lies seit der Veröffentlichung ihres ersten Albums "To Lose My Life" im Jahre 2009 einiges für sich beanspruchen können. Mittlerweile gehören die Briten schon längst nicht mehr zu einem Geheimtipp und werden mit Größen wie Interpol oder den Editors in einem Atemzug genannt, haben sich folglich einen festen Platz am Indieolymp erspielt. Im Januar diesen Jahres erschien schließlich ihre zweite Platte "Ritual", die seit Veröffentlichung aus keiner Musikzeitschrift, keinem Onlinemagazin oder Blog mehr wegzudenken ist. Dabei bleiben die White Lies auch bei diesem Album bei Liebe, Tod und Religion, machen aus diesen ernsten Themen tanzbare Indienummern. Seit letztem Jahr touren sie nun schon unermüdlich durch die Welt, machen dabei natürlich auch für ein paar Termine in Deutschland Halt. Und nach einem eher enttäuschenden Auftritt auf dem Hurricane 2010 lasse ich mich gerne eines besseren belehren, mache mich am heutigen Abend also auf den Weg ins Hamburger Docks.

Mit Zurufen und Pfiffen werden die jungen Briten regelrecht auf die Bühne gefordert. Als das Intro schließlich beginnt, gibt es in der Menge fast kein Halten mehr. Dann erklingen die tiefe Stimme von Sänger und Gitarrist Harry McVeigh sowie die basslastigen Melodien des ersten Songs "A Place To Hide", womit sie das Publikum sofort voll und ganz auf ihre Seite ziehen. Fortan präsentieren die Londoner eine ausgewogene Auswahl aus dem Repertoire ihrer beiden Alben. Fast schon hysterisch werden die alten Songs umjubelt und textsicher begleitet, aber auch die neuen Stücke lösen bei den Zuschauern einen Schwall der Begeisterung aus. Obwohl die aktuelle Platte eher an mir vorbei geht, mich nicht so wirklich berührt, schaffen es gerade die alten Songs, dass ich die Füße nicht still halten kann. Und damit bin ich ganz eindeutig nicht alleine hier. Die wunderbare Atmosphäre im nahezu ausverkauften Docks sorgt wohl schließlich dafür, dass Harry McVeigh stets ein schelmisches Lächeln im Gesicht hat und sich als äußerst kommunikativ erweist. Problemlos schafft er es, die Zuschauer zum Klatschen oder Mitsingen zu animieren. Mit geballter Faust erteilt er das Kommando, ordentlich Gas zu geben, und das Publikum gehorcht ihm aufs Wort. Von einer Minute auf die andere sieht man ein Meer aus Armen über sich empor steigen und die Menge beginnt im Takt mitzuspringen, sodass der Boden unter mir zu Beben beginnt. Die Band hingegen bleibt ihren minimalen Bewegungen und den eingefrorenen Minen treu, bis auf Harry, der grinst immer noch vor sich hin und erfreut die Zuschauer weiterhin mit seinen melancholischen Texten.

Die eindrucksvolle Lichttechnik im hinteren Bühnenbereich sorgt schließlich für die angemessene Beleuchtung und rundet das ganze Spektakel zu einem bombastischen Gesamtbild ab. Meistens bleibt das Licht dabei weiß und ändert sich während des Auftritts nur in seiner Helligkeit, die sich dezent im dunklen Raum zeigt oder den ganzen Saal grell erleuchtet. Zwischen den lichtdurchflutenden Scheinwerfern und dem mitreißenden Sound aus dumpfen Basstönen und klirrenden Keyboards schieben sich wenige blaue Momente. Das kann sich wirklich hören und sehen lassen, so machen Konzerte Spaß und bleiben wie ein stets abspielender Film in den Gehirnwänden haften.

Setlist:

A Place To Hide
Holy Ghost
To Lose My Life
Strangers
E.S.T.
Peace & Quiet
Streetlights
Farewell To The Fairground
Is Love
Bad Love
Death
---------------
Unfinished Business
The Power & The Glory
Bigger Than Us

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