Whitesnake

Forevermore World Tour 2011 - Support: The Answer

24.11.2011 Turbinenhalle / Oberhausen

Von: Ingrid Silvasi

Whitesnake Oberhausen

Ü40 bzw. Ü50-Treffen in der Turbinenhalle Oberhausen, denn die Altrocker Whitesnake laden ein. Mit Jacke oder aber halbfröstelnd erwarten die Fans zunächst den Support The Answer, um musikalisch auf den Abend eingestimmt zu werden. Die nordirische Band gehört zu den Vertretern der Neuen Goldenen Generation. Die Mischung an Songs aus ihren drei Alben ist purer Hard Rock mit Blueseinflüssen unterlegt – mal fühle ich mich mit Songs wie "Vida" oder "Nowhere Freeway" des aktuellen Revival-Albums in die 70er Jahre zu Led Zeppelin zurückversetzt, mal sind es stilistisch eher die Black Crowes. Sänger Cormac lässt sein langes lockiges Haar im Takt zur Musik und seinen Bewegungen mitschwingen, während Paul an der Gitarre eine gute Mischung zwischen harten Riffs und herrlichen Bluessoli abgibt. "Evil Man" folgt, was jedoch textlich so gar nicht zum Image der Band passt. Mit ein paar wenigen deutschen Worten, die sich Sänger Cormac auf den Handrücken geschrieben hat, bedankt er sich beim Publikum und lässt sich sogar im Fotograben von den Fans der ersten Reihe feiern.

Zum "My Generation"-Intro betreten nach der Umbaupause endlich die sechs Bandmitglieder von Whitesnake die Bühne. Meine Generation ist zwar weder Band noch Publikum, trotzdem sind die leichtverdaulichen Hardrock-Songs um den ehemaligen Deep Purple-Sänger durchaus meine Kragenweite. Seit Mai diesen Jahres tourt die Band mit einer neuen Platte im Gepäck unermüdlich um die Welt und als David Coverdale am Mikro steht, erschrecke ich ein wenig... Mit seinen weißen Beißerchen, dunkelblonder langer Mähne und hier und da viel zu glatten Stellen im Gesicht zwischen seinen tiefen Mimik-, Lach- und Altersfalten, macht er noch immer den ewig-jungen und braungebrannten Sunnyboy. So ganz nehme ich ihm das nicht mehr ab, trotzdem strahlen die Frauen im Publikum ihn nur so an. Sein halb offenes weißes Hemd mit CD-Cover Logo in hellblau unterlegt mit Glitzersteinchen, funkelt mit seinen Ketten an Hals, Arm und Hose um die Wette.

Doch nun zum Musikalischen: Mit "Bad Boys" und "Children Of The Night" startet David noch etwas lustlos (oder angespannt) das knapp über 100minütige Set. Drummer Brian thront mit seinen Drums auf einer Empore über dem ganzen Bühnengeschehen und trommelt lässig mit Headset und Sonnebrille vor sich her. "Give Me All Your Love" folgt und um lockerer zu werden kippt sich David zunächst einen kleinen Schnaps mit dem Kommentar "Toast to this evening – Prost!". Er erklärt, dass seine Tochter und zwei Enkelkinder für ihn Deutschland zu seinem zweiten Heim gemacht haben und reibt sich in die Hände: "almost merry christmas". David zwinkert den Mädels im Publikum weiter fröhlich zu, während er "Love Ain´t No Stranger" und "The Deeper The Love" zum Besten bringt und dabei charakteristisch immer wieder den Kopf in den Nacken wirft und beim Singen die Augen schließt.

Drummer Brian beherrscht dazu die Kunst des Drumstick-Spinnings perfekt und die Band anscheinend im allgemeinen, ihren Ruf als Band für Frauen aufrechtzuerhalten. Die beiden Gitarren-Virtuosen Reb und Doug spielen mit aufgeknöpftem Hemd, wobei sich Doug in diesem Outfit wohler fühlt als sein Bandkollege Reb... Zwei Songs vom neuen Album folgen mit "Steal Your Heart Away" und der Ballade "Forevermore", zu der Doug mit einer Akustikgitarre auf einem Barhocker Platz nimmt. David bedankt sich brav für den Applaus mit seinem typischen "thank you, thank you very much indeed". Zeit zum Ausruhen für Fans und für David folgt während des Gitarrenduells – Reb und Doug zeigen ihre Schreddertechniken. Allerdings zieht sich auch das nachfolgend eingeworfene Drumsolo von Brian viel zu sehr in die Länge und seine Gimmicks wie Schlagzeugspielen in Blaulicht mit leuchtenden Drumsticks und Trommeln mit den Händen sind zwar nett, aber meiner Meinung nach überflüssig. Schön, dass zumindest Brian, Reb und Doug dabei Spaß haben und sich nach vollendetem Instrumentalpart zuprosten.

Auch die Bandvorstellung seitens Coverdale läuft mit eindeutig-zweideutigen Sprüchen bzw. Namenszusätzen wie "Prince Of Porno" ab. Das mag vor vielen Jahren noch zum Image der Band gepasst haben, zwischenzeitlich finde ich es erzwungen. Davids Überleitung zum nächsten Song ist, dass er sich aus der ersten Reihe einen Banner zur Unterschrift überreichen lässt, bevor er mit "Is This Love", "Fool For Your Loving" und "Here I go" das Publikum zum schmachtenden Mitsingen animieren kann. Es sind genau diese Klassiker, die die karge und kalte Turbinenhalle endlich zum Kochen bringen. Auch reagiert David auf Publikumszurufe und stimmt zunächst a cappella "Ain´t No Love" an, bevor er sich zu Schlagzeuger Brian umdreht und "can you do it?" fragt und sich zu den langen Chorus-Parts vom Publikum unterstützen lässt. "Burn" und "Stormbringer" als Deep Purple-Cover mit Davids typischen Schreien ins Mikro folgen. Zu "In The Still Of The Night" beginnt die Aufbruchstimmung im Publikum. Kaum jemand rechnet im Anschluss mit einer Zugabe und als kurz nach Verabschiedung der Band "We Wish You Well" aus den Boxen tönt, ist die Halle auch im Nu leer...

Das Konzert war nett, aber bei weitem nicht so überzeugend wie ich den Auftritt der Band vor ein paar Jahren auf einem Open-Air Festival erlebt habe. Es mag an der kargen Turbinenhalle mit dem zunächst recht regungslosen Publikum gelegen haben oder an den juvenilen Sprüchen Coverdales, die in seine Alterklasse einfach nicht mehr passen. Seinen Rat zum Konzertende können wir jedoch alle befolgen: Don´t let anybody make you afraid forevermore!

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