Whitney Houston

Nothing But Love World Tour 2010 - Support: Azaryah Davidson & Samuel Harfst Trio

26.05.2010 König Pilsener Arena / Oberhausen

Von: Ingrid Silvasi

Whitney Houston Oberhausen

1999 – 11 Jahre ist es her, dass Whitney Houston zuletzt in Deutschland getourt ist. Die Erwartungen sind daher groß, die Kritiken der bisherigen Shows ernüchternd, erschreckend und vielleicht auch "ab"schreckend... die Oberhausener König-Pilsener-Arena ist bei weitem nicht gut gefüllt und die Support-Acts die reinste Qual.

Sein Debüt gibt der schwarze Sänger Azaryah Davidson mit drei Songs – netter, seichter, Soulpop, der jedoch leider viel zu austauschbar ist. Von der Straße auf die Bühne hingegen hat es das Samuel Harfst Trio mit deutschsprachiger Straßenmusik geschafft. Völlig unpassend als Vorgruppe vor Whitney Houston schrammelt Samuel auf seiner Akustikgitarre mit Cello und Keyboard als Begleitung seine deutschen Texte. Seine ewig langen Ansagen (vor jedem Lied!) vor Songs wie "Ganz egal" und "Alles Gute zum Alltag" sind nervig und überflüssig, da ist mir und der Halle die Umbaupausenmusik von Michael Jackson viel lieber.

Endlich steigt die Stimmung, Frau Houston lässt jedoch 10 Minuten länger auf sich warten und etwas Unmut (oder eher Panik?) macht sich auch unter den Fans breit. Als jedoch die Vorhänge fallen, wird die Sicht auf eine riesige 50-er Jahre Bühne mit Treppenaufgang, rundem Monitor und einer Big Band frei. Vier Tänzer machen Lust auf Dancegrooves und bevor Whitney auf die Bühne kommt, werden vom großen Monitor Bilder ihrer Karriere abgespult. Die guten Zeiten sozusagen... denn als sie die Bühne betritt erkenne ich sie kaum wieder... mit Mitte 40 scheint sie hochschwanger, viele Extrapfunde runden ihr Gesicht und ihre Oberschenkel ab. Schon nach dem ersten "For The Lovers" ist sie völlig verschwitzt, aber das Publikum steht fast komplett Kopf und feuert sie immer wieder mit lauten "I love you"-Rufen an, die Whitney Mut und Kraft geben sollen. Nach dem zweiten Song schwimmt ihr Make-Up anscheinend derart, dass sie sich mit dem Rücken zum Publikum dreht und das Näschen pudert. "25 years of music" haben anscheinend Spuren bei ihr hinterlassen – sie ist heiser, zieht ihre Dankesreden in die Länge, um Zeit zu schinden und wieder zu Kräften zu kommen. Nach dem vierten Song sind bereits 30 Minuten der Show verstrichen.

Trotzdem scheint das Publikum jedes ihrer Worte zu verschlingen (zumindest das, was wir von ihrem Kauderwelsch verstehen), egal, ob es Erklärungen zu ihrem schwierigen Verhältnis mit der Presse und den Schwierigkeiten im Musikbusiness sind. Dafür entschädigt Whitney mit "My Love Is Your Love" in einer tollen Reggae-Version und schützt ihr verschwitztes Dekollete und ihre Stimme mit einem Schal. Es scheint, dass Whitney sich ein wenig warm singen muss, bis sie zur Hochform aufläuft und so gibt es auch zwischendurch immer wieder Momente, die an ihre alten Zeiten erinnern wie zum Beispiel mit "It´s Not Right But It´s Ok". Wahrlich tanzt sie nur die einfachen Schritte mit... Ein ganz natürlicher Moment entsteht, als Whitney einen vielleicht 7-8 jährigen Jungen aus der ersten Reihe zu sich auf die Bühne heben lässt. "You are adorable! If you were just 10 years younger..." - etwas skeptisch wirkt hingegen noch der Kleine, als er einen verschwitzten Schmatzer aufgedrückt bekommt. Immerhin kann er Whitney noch lehren, dass der Kerl auf seinem Shirt Klitschko, der Weltmeister im Boxen, ist.

Whitney Houston wechselt ihre Garderobe und wird in der Zeit von ihrem Backgroundsänger vertreten. In schwarzem Mini, schwarzem Schal und Peeptoes kommt sie zurück und beginnt zunächst mit einer ewig lang andauernden Huldigung Michael Jacksons. Fast scheint es als führe sie ein Zwiegespräch mit ihm und spricht von sich selbst in dritter Person. Die kommende Akustiksession entschädigt jedoch für jedes kleine Fiasko des Abends: mit einer Art Medley bringt sie sitzend "Saving All My Love" und "Greatest Love Of All" zum Besten und überreicht anschließend einem Fan in der ersten Reihe das Mikro. Zu Tränen gerührt ist Whitney über die Worte der Unterstützung und Fanliebe, sich nicht unterkriegen zu lassen und singt als Dank "I Love The Lord", aber das anschließende "God bless your family, your home, your everything" an alle Anwesenden wirkt schon fast kitschig amerikanisch...

Mit ihren größten Hits "Dance With Somebody" und "How Will I Know" verabschiedet sie sich mit einem Knicks und einer tiefen Verbeugung. Sie wirkt erschöpft und müde, die Songs kann sie nicht in alter Manier durchsingen, variert, verkürzt, lässt sich von den Bäckgroundsängern stimmlich unterstützen. Die Fans lässt sie lange auf eine Zugabe warten. Während die ersten bereits die Arena verlassen, kommt sie im dritten, sportlicheren Outfit zurück auf die Bühne, um frenetisch und mit weiteren "I love you Whitney"-Rufen gefeiert zu werden. Doch auch "If You Feel Good" und ihre stark abgeänderte "I Will Always Love You"-Variation zum Abschluss des Konzertes mögen für mich das Konzert nicht mehr rumreissen. Den Umständen entsprechend war es ein passables Konzert mit einigen Tief- und wenigen Glanzpunkten und ganz ehrlich: ich hatte Schlimmeres erwartet...

Whitneys wichtigste Aussage des Abends war für mich "As long as you give me love, I´m good". Aber ging es hier darum einen fast am Boden liegenden Weltstar zu neuer Kraft zu verhelfen oder eigentlich ein gutes Konzert erwarten zu dürfen? Meiner Meinung nach sollten auch Fans zu konstruktiver Kritik fähig sein und wenn mir schon das Merchandise nicht das Fanshirt mit einer Whitney verkauft, wie sie momentan aussieht, dann ist auch das Konzert nur eine Mogelpackung und der Versuch eines gefallenen Sterns noch mal zu Ruhm zu gelangen. Irgendwie tut sie einem ja leid...

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