William Fitzsimmons

Tour 2008

02.12.2008 Kulturladen KFZ / Marburg

Von: Sascha Knapek

William Fitzsimmons Marburg

In seinem Heimatland, den USA, ist William Fitzsimmons noch ohne Plattenvertrag. Durch Gastauftritte seiner Songs in beliebten TV-Serien wie Grey’s Anatomy oder General Hospital und die Kraft von MySpace, ist er zwar nicht wirklich unbekannt, aber die passende US-Label-Heimat war anscheinend noch nicht dabei. Im deutschsprachigen Europa (Deutschland, Österreich, Schweiz) sieht die Sache allerdings anders aus. Bei ’Haldern Pop‘ hat Fitzsimmons hierzulande ein Zuhause gefunden und dem ans Festival angehängten Label ist es zu verdanken, dass der Singer/Songwriter jetzt zum ersten Mal den Weg über den großen Teich gefunden hat und in Deutschland Konzerte gibt. Satte 17 Dates hat der auf Platte ziemlich introvertiert anmutende Musiker im Rahmen seiner Tour in Good Old Germany – eins davon ist an diesem Dienstagabend in Marburg.

Die Raucher drängeln sich vorm Eingang des sympathischen und rauchfreien Marburger Kulturladens. Bereits dieser Anblick verrät, dass William Fitzsimmons heute glücklicherweise nicht vor sonderlich leeren Reihen spielen wird. Im Inneren des KFZ offenbart sich dann das ganze Bild. Der kleine Veranstaltungssaal ist komplett bestuhlt und ein Platz ist nur noch in den hinteren Sitzreihen zu erwischen. Schätzungsweise gut 100 Menschen wollen William Fitzsimmons und seinen Begleiter Justin Shaw heute Abend sehen. Es hätte nicht viel gefehlt und die Bude wäre ausverkauft (und man hat die Stuhlreihen schon so eng gestellt, dass man nur mit ziemlicher Mühe von der einen auf die andere Seite wechseln kann). Auf der Bühne stehen zwei mit Mikroständern versehene Holzstühle – das Publikum scharrt erwartungsfroh mit den Füßen. Um 20:40 Uhr betreten die zwei bärtigen Protagonisten die KFZ-Bühne, es knistert.

Zwei Kameras – eine am linken Bühnenrand und eine etwas weiter hinten in der Publikumsmitte – filmen ab dem Betreten der Bühne jede Sekunde des Auftritts. Fitzsimmons trinkt lokalpatriotisches ‘Hinterländer‘, nimmt zusammen mit seinem Partner Shaw auf den bereitstehenden Stühlen Platz und nach einem Blick ins Publikum und dem Umschnallen der Akustikgitarren, geht es mit “It’s Not True“ vom aktuellen Deutschland-Release “Goodnight“ los. Zwischen den Songs wird anfangs schnell klar, dass Fitzsimmons‘ melancholische Musik so gar nichts mit der Person zu tun hat, die wir zwischen den Stücken erleben. Der junge Mann aus Illinois scherzt in den Pausen ohne Rücksicht auf Verluste, versucht sich oft an deutschen Sätzen – „kaputt“ ist sein Lieblingswort – und plänkelt ausgiebig mit dem Publikum. Speziell die Tatsache, dass immer nur einer der gut 100 Gäste auf seine Fragen antwortet, amüsiert den Musiker mit dem Alm-Öhi-Bart. Wie das zahlreich erschienene Publikum fühlen er und seine Gitarrenbegleitung sich sichtlich wohl im beschaulichen Marburg.

“Goodnight“ erschien in den Staaten zwar schon vor gut zwei Jahren, aber da ‘Haldern Pop‘ es am 14. November in Deutschland veröffentlichte, bilden die Songs aus Fitzsimmons‘ zweitem Album das Grundgerüst für die Setlist. “Everything Has Changed“ ist ebenso mit von der Partie wie “Leavy Me By Myself“, ”I Don’t Love You Anymore” oder ”Please Don’t Go”. Die Liveinterpretationen des Duos unterscheiden sich dabei gewaltig von den Albumversionen. Bei den Studioaufnahmen untermalte Fitzsimmons seine Songs mit ausgiebigen Elektrotupfern und viel Computerspielerei. Der gänzliche Verzicht auf künstliche Beats steht den Songs durchgehend fantastisch zu Gesicht. Fitzsimmons‘ behutsame Stimme, seine Rhythmusgitarrenfunktion und der Lead-Part vom Kollegen Shaw, passen vorzüglich zusammen. Besonders das filigrane und akustische Gitarrenhandwerk der beiden Musiker erinnert z.B. am Ende des großartigen “Please Don’t Go“ oder beim kurzen “Afterall“ an die Duoauftritte von Dave Matthews und Tim Reynolds. Der sanfte Publikumschor (oder „choir of beautiful German angels“, wie Fitzsimmons ihn nennt) beim riesigen “You Still Hurt Me“ gerät zum freundschaftlichen Höhepunkt der herzlichen Musiker-Zuschauer-Beziehung des Abends.

Die Mischung aus eindrücklichen und bewegenden Songs auf der einen und purem Entertainment-Geist auf der anderen Seite macht am Ende die lange Halbwertszeit des Auftritts von William Fitzsimmons aus. Allein an den nackten Zahlen – zwölf Songs in 90 Minuten – kann man sehen, wie viel mit dem Publikum kommuniziert wurde. Ob Fitzsimmons einen Zwischenrufer, sich selbst oder seinen Freund Justin – der muss am meisten einstecken – auf den Arm nimmt, der amerikanische Extrembart weiß zu unterhalten. William Fitzsimmons schließt den Abend mit “Hold On With My Open Hands“ und – nachdem sich auf seine Nachfrage, ob nicht jemand einen Songwunsch hätte, nur ein Zuschauer gemeldet hat und genau einen Song auswählte, den Fitzsimmons gerade nicht spielen möchte – seinem wohl bekanntesten Track ”Passion Play”. Justin Shaw sieht sich die Show mit seinem, laut Fitzsimmons, „für eine Frau gar nicht mal so schlechten Bart“, zu diesem Zeitpunkt bereits entspannt von der Bühnenseite an. Als William Fitzsimmons dann zum letzten Mal an diesem Abend von der Bühne verschwindet, applaudiert das Publikum ausgiebig und begibt sich dann auf den Weg zum Merch-Stand. Beim nächsten Auftritt des amerikanischen Songwriters muss man die Songs dann so gut kennen, dass die Songwünsche nur so aus der Pistole geschossen kommen. Ich habe keine Zweifel daran, dass es dann auch genau so kommen wird.

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