Wirtz

Akustik Voodoo Tour 2011 - Special Guest: Vayden

09.11.2011 Live Music Hall / Köln

Von: Thomas Kröll

Wirtz Köln

Daniel Wirtz ist ein Phänomen. Drei Alben hat der 35-jährige Frankfurter in den vergangenen vier Jahren veröffentlicht und es damit geschafft, sich ohne mediale Selbstinszenierung und übermäßiges Airplay eine extrem treue und vor allem stetig wachsende Fanbase aufzubauen. Das zeigt sich unter anderem daran, dass er vor drei Jahren noch das Luxor bespielte und heute schon in der ungleich grösseren Live Music Hall angekommen ist. Vor dem Konzert herrscht eine entspannte Stimmung, was wohl auch daran liegen mag, dass die Halle nicht ganz ausverkauft ist und den Fans die ansonsten oftmals drangvolle Enge in der Live Music Hall diesmal glücklicherweise erspart bleibt. Am Nachmittag war die Atmosphäre hingegen noch weit weniger entspannt, denn Daniel Wirtz lag mit einer ausgewachsenen Grippe im Hotelbett und musste alle Promo-Termine für den Tag absagen. Dummerweise fiel dem leider ebenfalls unser geplanter Interviewtermin zum Opfer. Während der Show ist von seiner körperlichen und stimmlichen Schwächung jedoch kaum etwas zu spüren.

Bevor es soweit ist, heizen Vayden aus Los Angeles als Special Guest den Kölnern ordentlich ein. Mit seinen hymnischen Rocksongs, mal melodischer, mal härterer Gangart, weiß das Quartett um Sänger Curtis Casey durchaus zu überzeugen, wobei die Band allerdings auch vom für einen Support-Act überraschend fetten und ausbalancierten Sound profitiert. Jedenfalls eine sehr kurzweilige halbe Stunde mit den Jungs, die dafür am Ende mehr als nur freundlichen Applaus ernten, und die neugierig auf ihre mir bislang unbekannten Alben "Children Of Our Mistakes" sowie den kürzlich erschienenen Nachfolger "Vayden" gemacht haben. Das wahre Feuerwerk des Abends steht uns noch bevor.

Pünktlich um 21 Uhr zünden Daniel Wirtz und seine Band die erste Rakete: "Akustik Voodoo", den Titelsong ihres aktuellen Albums, dem die Hymne "Strom der Zeit" folgt. Das Publikum ist noch etwas träge, woran nicht der Sound schuld ist, denn der ist weiterhin herrlich fett. Kompliment an die Männer (oder Frauen) hinter dem Mischpult. Spätestens beim Rockbrett "L.M.A.A." legen dann auch die Kölner ihre anfängliche Zurückhaltung ab und feiern mit "Meinen Namen" weiter, bevor das wunderschöne "Hier" für eine erste Verschnaufpause sorgt. Daniel Wirtz nutzt die Gelegenheit, um seinen Fans zu danken, die ihm den Kindheitstraum, einmal in der Live Music Hall spielen zu dürfen, erfüllt haben. Und wie glücklich er darüber ist, sieht man ihm wirklich deutlich an. Im Gegenzug wird er mit Sprechchören gefeiert.

Die reißen auch nicht ab, als es im zweiten Teil des Sets etwas ruhiger wird. Vielleicht aus Rücksicht auf Wirtz' angeschlagene Gesundheit streut das Quartett die halbakustische Gänsehautballade "Keine Angst" und das nicht minder sentimentale "Nada Brahma" ein. Aber die Fans wollen eindeutig rocken. "Jetzt wird getanzt", schreit Wirtz, bevor er ihnen den Gefallen tut und das punklastige "Du verschwendest meine Zeit" anstimmt. Die Folge sind minutenlange "Oh, wie ist das schön"-Chöre aus tausenden von begeisterten Kehlen. "Weisse Stellen" wiegt uns dann sanft in die Pause.

Den Zugabenblock eröffnet ein grossartiges Akustikmedley aus Stücken aller drei bisherigen Alben. Mit der Bemerkung "Stellt euch vor, der 1. FC Köln hätte gerade die Deutsche Meisterschaft gewonnen", sammelt Daniel Wirtz weitere Sympathiepunkte. "Overkill" sowie "Scherben" gibt es ebenfalls in gebremstem Schaum, was der ausgelassenen Stimmung jedoch keinerlei Abbruch tut. Mit dem Vollgasrocker "Mon Amour" beenden Wirtz und Band die Party nach fast zwei Stunden aber dann doch. Denkste! Erst folgt das obligatorische Facebook-Foto (vom Schlagzeugpodest aus geschossen, zum späteren, fleißigen Selbermarkieren) und ein Jubelorkan, der die vier durchgeschwitzten Musiker jedoch nicht etwa endgültig von der Bühne bläst, sondern sie animiert, mit "Heute weiss ich" noch einen allerletzten Song dranzuhängen. Daniel Wirtz muss anschließend von seinen Bandkollegen im wahrsten Sinne des Wortes weggetragen werden, sonst hätte er wohl gar kein Ende mehr gefunden.

Als uns draußen die Kölner Nacht wieder in Empfang nimmt, steht uns trotz der herbstlich-kalten Temperaturen ein breites Grinsen im Gesicht. So geht es heute wohl jedem, der auf ehrlichen und wuchtigen Rock mit Texten, die geradeaus und nicht erst zehnmal um die Ecke denken, steht. Eben phänomenal Wirtz!

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