Wo Sind Helmet

Wo Sind Helmet 2010

06.08.2010 Gebäude9 / Köln

Von: Marc Brüser

Wo Sind Helmet Köln

Die Arbeit als Freier Mitarbeiter bei Musicheadquarter ist schon ziemlich cool muss ich sagen. Da schaut man händeringend nach Ideen, was man an einem Freitagabend mit seiner Freundin unternehmen kann und prompt bietet die eigene Website eine Antwort. Von irgendeiner Band namens "Wo sind Helmet" ist da in den MHQ-News die Rede mit einer Sängerin namens Judith, welche am Freitag in Köln auftreten werden. Also schnell meinen Chefredakteur kontaktiert und (erfolgreich) nach einer Akkreditierung gefragt...

Geheime Konzerte sind wirklich was Feines. Humane Eintrittspreise, alte Klassiker werden gespielt und es ist nur eine kleine Sippschaft von Fans vorhanden, die mit ihrer Band die Songs abfeiert. Alles ist einfach intimer und besser. Wie nicht anders zu erwarten, wird auch der Auftritt von "Wo sind Helmet" aka "Wir sind Helden" zu so einem Freudenfeuerwerk.

Mit einer guten halben Stunde Verspätung treten Judith und ihre Gefolgsleute um 20.30 Uhr auf die Bühne des – sagen wir kuscheligen – Gebäude 9. Das Konzert ist eine Mischung aus alten und sehr alten Songs. Von "Soundso" wird glaube ich kaum etwas, wenn nicht gar nichts gespielt. Stattdessen gibt es bereits jetzt schon einen kleinen Vorgeschmack auf das neue Album "Bring mich nach Hause" und man muss sagen: Joaaar ganz okay, ist hörbar… Auf jeden Fall besser als "Soundso" (wer fand schon "Endlich ein Grund zur Panik" gut?).

Nein, die Höhepunkte bilden auf diesem Konzert andere Momente. Zum Beispiel als einer der beiden Begleitmusiker (die Namen sind mir leider entfallen) auf seinem Klavier die Melodie von "Du erkennst mich nicht wieder" anstimmt. Ich dachte schon, die Helden haben alle ihre großartigen Songs auf die Reservebank verbannt. Sticheleien unter den Bandkollegen und Witze über Pola Roys Bart sorgen ebenfalls für eine gutgelaunte Stimmung unter den Fans. Apropos Fans: Das Publikum ist im Vergleich zu 2007, wo ich die Helden im Palladium gesehen habe, wie ausgewechselt: Heute gibt es keine Familienausflüge mit schreienden 12-jährigen Kindern, die in der ersten Reihe stehen und  sich wundern, warum 3.000 Leute so quetschen anstatt still zu stehen und mit ihrem iPhone das komplette Konzert zu filmen. Heute gibt es keine Leute, die eine Schlägerei mit dir anfangen wollen, nur weil du der Freundin versehentlich auf den Fuß getreten bist. Nein heute, an diesem Freitagabend wird in Köln-Deutz gesprungen, lautstark mitgegröhlt und... oh Fuck, ist da etwa auch ein Crowdsurfer vorne zu sehen gewesen???

Mit irgendeinem neuen Song, der aber eher langweilig war, verabschieden sich Judith Holofernes, Jean-Michel Tourette (geiler Name), Pola Roy und Mark Tavassol nur kurz von ihrer Bühne, um mit Chips, Dips und Möhren (kein Scherz) wieder zurückzukommen, um so sogar für die Verköstigung der Leute zu sorgen. Nach zwei Zugaben mit fünf Songs verabschieden sich die Helden standesgemäß mit "Die Nacht". Mann, war das dick. Spiel- und unterhaltungstechnisch war das heute hier allererste Sahne. Die Helden sind wirklich eine richtig gute Liveband, und solange das Publikum mitspielt kann man einen echt schönen Abend mit ihnen verbringen. Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich am 31. Oktober im E-Werk. Dann unter richtigem Namen...

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